Schönheitschirurgen: Ganz schöne Aufschneider!
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 12.07.2007 06:00 Uhr
GNL5356
natürlich von tag zu tag, einfälle und ausfälle
Er rühmt sich selbst als einen der renommiertesten Schönheitschirurgen. Nun warnt er recht lautstark vor Schönheitsoperationen, nennt die Schönheitschirurgie ein Haifischbecken, in dem die Haie natürlich seine Kollegen sind. Professor Werner Mang ist Chef seiner eigenen Schönheitsklinik, die laut Eigenwerbung die modernste und exklusivste Europas sein soll, tritt seinen Kollegen mächtig ans Schienbein. Mit seiner Kritik trifft er den Nagel zwar auf den Kopf - allerdings nicht ohne Eigennutz.
Die Schönheitschirurgie ist ein Markt, auf dem inzwischen Milliarden verdient werden. Und es tummeln sich dort reichlich viele Ärzte, die bereit sind, für Geld alles zu tun. Da finden sich Frauen-, Zahn- und Ohrenärzte, die nicht dafür ausgebildet sind, an anderen in dieser Form herum zu schnippeln. Jeder Doktor kann sich Schönheitschirurg nennen. Dazu muss er noch nicht einmal einen Wochenendkursus im Fettabsaugen besucht haben. Ahnungslose Menschen laufen diesen Scharlatanen dann ins Messer. Und sehen am Ende dann womöglich so aus, wie es Hildegard Knef einst bekannte: Sie fühle sich nach jeder Schönheits-OP so, als sei ihr ein Bulldozer über das Gesicht gefahren. Ein anderes Beispiel sah ich gerade anläßlich der Feier des italienischen Mode-Designers Valentino: Donnatella Versace sieht aus, als sei ihr eine ganze Armada über das Gesicht gefahren...
Etwa jeder 10. Eingriff in Sachen Schönheit geht in Deutschland daneben. Davon profitiert eingangs genannter Professor: In seiner Klinik ist seiner Aussage nach bereits jede 4. OP eine Wiedergutmachung dessen, was andere verschnippelt haben. Korrigiert werden zum Beispiel abgestorbene Brustwarzen nach misslungenen Eingriffen an der Brust, Löcher im Bauch nach Bauchstraffungen, halbseitige Gesichtslähmungen nach vergurkten Faceliftings, Verbrennungen nach fehlerhaften Laserbehandlungen, Augenprobleme nach Lidkorrekturen, verbeulte Nasen und Dünenlandschaften nach unsachgemäß ausgeführtem Fettabsaugen. Die meisten riskanten und lebensgefährlichen Zwischenfälle ereignen sich beim Fettabsaugen.
Doch die Nachfrage nach den Eingriffen steigt ungebrochen: Bereits 1 Million Menschen legt sich im Jahr freiwillig unter das Messer von Schönheitschirurgen. Männlein und Weiblein gleichermaßen, inzwischen auch Kinder. Häufig in der Illusion dessen, was so ein Eingriff wirklich ist: Nämlich eine zumeist schwere Operation mit möglichen Komplikationen, Risiken und Nebenwirkungen.
Viele verkennen das, was mit einer Schönheitsoperation bewirkt werden kann. Am Ende sehen sie vielleicht ein wenig anders aus, doch sie sind nach wie vor derselbe Mensch. Das Leben ändert sich dadurch nicht. Sie selbst müssen etwas tun. Mit einer gesunden und genussvollen Lebensweise lässt sich meist mehr erreichen. Das sagt auch der Professor. Für ihn gehört allerdings noch eine konsequente Hautpflege dazu. Denn er bietet eine eigene Ultra-face-Pflegeserie an. Und zum Einwerfen für die Schönheit von innen ein paar Vital-Kapseln aus dem Hause Mang.
Geschäft ist eben alles. „Es gibt nicht viele Leute in Deutschland, die ein Tageseinkommen haben, das höher liegt als meines“, wird er im Magazin “Stern“ zitiert. Seriöse Kollegen sehen ihn dem Vernehmen denn auch nicht als Kapazität an, sondern als einen der sich maßlos überschätzt. Als einen Aufschneider.
Wie sehen Sie das?
Ihre Sylvia Schneider
P. S.: Die 6-jährige Weiterbildung in ästhetisch-plastischer Chirurgie, die der geschäftstüchtige Professor immer wieder fordert, hat Mang übrigens selbst nicht absolviert, wie der „Stern“ berichtet. Wenn Sie eine Schönheitsoperation in Erwägung ziehen, lassen Sie bei der Auswahl des Arztes äußerste Vorsicht walten. Von den Landesärztekammern werden nur diese beiden Bezeichnungen vergeben: „plastische Operationen“ oder „plastische Chirurgie“. Wenn der Doktor etwas anderes auf dem Praxisschild stehen hat, ist dies wahrscheinlich frei erfunden.