Schlafen Sie durch Nachtmilch tatsächlich besser?
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund zum Thema Milch
vom 26. September 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Frauen, die Muttermilch abpumpen, um sie dem Kind später zu geben, wird empfohlen, sie nicht zu vertauschen: Eine morgens abgepumpte Milch sollte auch generell morgens gegeben werden. Wird die Milch abends abgepumpt, ist sie eher als Abendnahrung geeignet. Der Grund sind die unterschiedlichen Hormone, die in der Milch enthalten sind und die sich aufs Kind unterschiedlich auswirken sollen.
Was für Frauen gilt, gilt auch für Kühe - und mit diesem Wissen versuchen findige Geschäftemacher nun, Geld zu verdienen. Ihr Ansatz: Wenn die Kuh nachts gemolken wird, enthält ihre Milch mehr vom Schlafhormon Melatonin. Daher wird die so genannte Nachtmilch nun verstärkt als Heilmittel gegen Schlafstörungen angeboten. Milchpulver aus Nachtmilch soll einen bis zu hundertfach erhöhten Melatoningehalt aufweisen und in Jogurt eingerührt Schlafstörungen verschwinden lassen.
Was ist dran an dieser Werbebehauptung? Nach der Meinung von Wissenschaftlern nicht viel. Untersuchungen, die den Effekt der Nachtmilch bestätigen, gibt es nicht. Zwar haben Hersteller eine Studie durchgeführt, wissenschaftlich veröffentlicht wurde diese nie.
Zudem ist der Melatoningehalt von Nachtmilch nicht besonders hoch. Laut Verpackungsangaben enthält eine Portion Nachtmilchpulver gerade einmal 1,8 Nanogramm Melatonin. Zum Vergleich: Die Melatonintabletten, die gegen Jetlag angeboten werden, enthalten zwei Milligramm des Schlafhormons. Durch diesen geringen Gehalt der Nachtmilch treten zwar keine Nebenwirkungen auf. Wirken, so Experten, können diese Produkte daher aber auch nicht - Nachtmilch ist in ihren Augen reine Geldverschwendung.
Bleiben Sie gesund,
Ihre Dr. Martina Hahn-Hübner