Schlafapnoe: Diese Verfahren bringen neue Hoffnung bei Atemaussetzern
Dr. Ulrich Fricke in Täglich Gesund zum Thema Schlafapnoe
vom 21. Februar 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atempausen von mindestens zehn Sekunden ist das typische Merkmal des Schlafapnoe-Syndroms (griech A-Pnoe = ohne Luft). Bei den Betroffenen ist der Schlafrhythmus gestört - der Schlaf ist nicht mehr erholsam. Einschlafneigung am Tag, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen sind die unangenehmen Folgen. Längerfristig werden Ihre Organe während der Nacht nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.
Mögliche Folgen der Schlafapnoe sind:
- Bluthochdruck
- Herzrhythmusstörungen
- Herzinsuffizienz
- erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
- Depressionen
- Kopfschmerzen
- Potenzstörungen
- Tagesmüdigkeit (mit stark erhöhter Unfallgefahr)
Verantwortlich für die Schlafapnoe können eine Einengung der oberen Luftwege durch die nach hinten gerutschte Zunge, ein zu weiches Gaumensegel oder eine Fehlfunktion der Atemmuskulatur sein. Bei den über 60-Jährigen wird die Häufigkeit bei Männern auf 10 %, bei Frauen auf 5 % geschätzt.
Effektiv, aber oft unbequem: die Maskenbeatmung
Ob Sie tatsächlich an einer Schlafapnoe leiden, kann nur eine Untersuchung im Schlaflabor eindeutig zeigen. Dabei wird der so genannte Schlafapnoe-Index (AI) berechnet. Ein AI von 20 bedeutet, dass 20 Atempausen pro Stunde aufgezeichnet wurden. Das entspricht einem hochgradigen Apnoe-Syndrom.
Herkömmlicherweise werden diese schweren Fälle mit Hilfe einer CPAP-Maske behandelt (engl.: CPAP = Continuous Positive Airway Pressure, kontinuierliche Überdruckbeatmung). Hierbei wird während des Schlafs mit einer Beatmungsmaschine ein Überdruck erzeugt, der die Atemwege frei hält und so das Schnarchen verhindert. Das Verfahren wird von den Krankenkassen bezahlt, ist meist erfolgreich, aber es ist für Sie als Patient mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden.
Das sind die Nachteile der Maskenbeatmung:
- störende Geräusche der Atemmaschine
- Druckgefühl und Hautirritationen durch die Atemmaske
- Schäden an der Lunge durch Aufblähung der Lungenbläschen
- Nur die Symptome, aber nicht die Schlafapnoe selbst werden behandelt.
Doch es gibt einfache Alternativen zu den „lästigen" CPAP-Masken: Spezielle Zahnschienen verhindern, dass Ihre Rachenmuskulatur im Schlaf zusammenfällt, und halten so die Luftwege frei.
Individuell angepasste Zahnschienen sind eine einfache Alternative
Im Jahr 2009 wurde erstmals wissenschaftlich gezeigt, dass diese Mundstücke tatsächlich Erfolg haben: Wissenschaftler des St. Johns Hospital in Edinburgh/Großbritannien und des Royal Perth Hospital in Australien passten 60 Schlafapnoe-Patienten ein individuelles Mundstück an, bei dem der Unterkiefer etwas vorgestreckt wurde. Nach vier Jahren Beobachtungszeit hatte sich der Schlaf bei 63 % der Patienten gebessert, Atemaussetzer hatten abgenommen, und bei 35 % der Probanden war die Schlafapnoe sogar komplett verschwunden.
Solche Zahnschienen erhalten Sie in vielen unterschiedlichen Varianten. Manche halten den Unterkiefer vorn, während andere die Zunge am Zurückrutschen hindern. In der Apotheke erhalten Sie bereits vorgefertigte „Schlafhilfen". Allerdings sollten Sie eher Produkte verwenden, die vom Zahnarzt oder Kieferorthopäden speziell nach Ihrem individuellen Gebissabdruck angefertigt werden. Denn nur so können Sie sicher sein, dass das Mundstück auch tatsächlich perfekt auf Sie zugeschnitten ist.
Allerdings hat Qualität auch ihren Preis: Zwischen 300 und 2.000 Euro kosten individuelle Schienen. Die einfachen Systeme „von der Stange" erhalten Sie bereits ab 15 €. Die Kosten werden generell nicht von den Krankenkassen übernommen.
In den ersten Wochen des Tragens können Sie morgens ein Druckgefühl im Kiefer bemerken - ähnlich wie bei einem Muskelkater. Viele Patienten klagen anfangs zudem über starken Speichelfluss. Wenig effektiv sind die Schienen, wenn Ihre Nase verstopft ist (Erkältung, Allergien).
Die Pillar-Methode: Kunststoffstifte stabilisieren das Gaumensegel
Eine weitere neue Alternative bei Schlafapnoe ist die so genannte Pillar-Methode: Bei HNO-Ärzten oder -Kliniken können Sie sich ambulant innerhalb von nur zehn Minuten unter örtlicher Betäubung spezielle Polyester-Stäbchen in den Weichgaumen einsetzen lassen. Die drei kleinen, etwa 18 mm langen Stäbe wirken wie ein „Miniaturkorsett" und stabilisieren das Gaumensegel. Ein nächtlicher Verschluss der Atemwege wird so verhindert.
Wissenschaftler der Universität von Cincinnatti (Ohio/USA) haben im Jahr 2008 die Wirksamkeit der Methode untersucht. 100 Patienten mit milder bis mittelschwerer Schlaf apnoe wurde entweder ein Pillar-Implantat oder ein funktionsloses Schein-Implantat eingesetzt.
Das Ergebnis: Bei den Pillar-Patienten ging der Schlafapnoe-Index nach drei Monaten durchschnittlich um 26 % zurück, in der Kontrollgruppe nur um 10 %.
Nebenwirkungen der Stäbchen sind bislang nicht bekannt. Nur kurz nach dem Eingriff haben Sie das Gefühl einer leichten Mandelentzündung. Das Einsetzen kostet ca. 500 Euro und wird in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt - jedoch teilweise von privaten Kassen. Bei etwa jedem 20. Patienten verrutschen die Implantate jedoch im Laufe der Zeit, beispielsweise durch Kaubewegungen. Dann müssen die Stifte gezogen und erneut implantiert werden. Die Kosten hierfür werden vom Hersteller übernommen. Langzeiterfahrungen (über acht Jahre) fehlen allerdings bis jetzt.
Noch immer gilt bei Schlafapnoe die CPAP-Maske bei Ärzten und Krankenkassen als die beste Methode. Wenn Sie allerdings Wert auf mehr Lebens- und Schlafqualität legen, sollten Sie Ihren Arzt einmal auf die neuen Verfahren ansprechen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Manfred Utermann (21.02. 2011 18:11 Uhr):
nach einer gewissen Gewöhnungszeit funktioniert di CPAP Maske bei mir sehr gut. Grüsse Manfred Utermann
Antworten - Kommentar von Sylvia Suarez (25.02. 2011 09:34 Uhr):
Eine Ergänzung zu den aufgeführten Verfahren! Für Menschen die ohne Hilfsmittel und Implantate schlafen möchten bietet sich eine hervorragend Möglichkeit mit der Asate-Therapie. Diese ist wissenschaftlich bewiesen und bekämpft bzw unterdrückt nicht nur die Symptome sondern führt zu einer messbaren Heilung der Atemstillstände.
Antworten- Antwort von Erlenbusch Emil (24.04. 2012 11:52 Uhr):
Bitte teilen Sie mir Näheres über die Asate-therapie mit. Vielen Dank
- Antwort von Erlenbusch Emil (24.04. 2012 11:52 Uhr):