Schilddrüsenerkrankungen: Ständig müde, gereizt und nervös? Lassen Sie Ihre Schilddrüse checken!

in Täglich Gesund
vom


von Dr. Ulrich Fricke, Chefredakteur von "Länger und gesünder leben"

Mangelt es Ihnen an Appetit, fühlen Sie sich kraftlos und erschöpft oder ist es Ihnen in der Bluse immer noch zu warm, obwohl Ihre Mitmenschen im dicken Pulli herumlaufen? Dann könnte es sein, dass Sie an einer Fehlfunktion der Schilddrüse leiden. Denn diese kleine Hormonfabrik steuert wesentliche Körperfunktionen und hat auch Einfluss auf Temperament und Wesensart. Ihren Namen verdankt die Schilddrüse ihrer Lage direkt unterhalb des so genannten Schildknorpels, der den Kehlkopf begrenzt und dessen scharfkantiger Vorsprung als "Adamsapfel" spürbar ist.


Die von der Schilddrüse produzierten Hormone enthalten Jod als zentrales Element. Zu ihrer Produktion wird außerdem Selen benötigt. Ein Mangel an diesen Vitalstoffen kann daher – neben zahlreichen anderen Ursachen – vielfältige Störungen der Hormondrüse verursachen. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, woran Sie Schilddrüsenerkrankungen erkennen und mit welchen Methoden sich diese behandeln lassen.

Schilddrüsenhormone kurbeln den Stoffwechsel an

Die Schilddrüse produziert zwei jodhaltige Hormone: Das Trijodthyronin mit drei Jodatomen und das Tetrajodthyronin (andere Bezeichnung: Thyroxin) mit vier Jodatomen. Der Einfachheit halber werden sie auch als T3 und T4 bezeichnet. Sie regulieren den Energiestoffwechsel und beeinflussen unser seelisches Befinden. Die Hormonproduktion kann durch vielfältige Faktoren gestört werden. Das führt entweder zu einer Unterproduktion (fachlich: Hypothyreose) oder zu einer Überproduktion (fachlich: Hyperthyreose) von T3 bzw. T4.

Bei einer Unterfunktion fühlen Sie sich oft schlapp und müde

Eine der häufigsten Gründe für eine Unterfunktion der Schilddrüse ist sicherlich Jod- und Selenmangel. Ohne diese Spurenelemente kann die Schilddrüse die erforderlichen Hormonmengen nicht mehr produzieren.

Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion können sein:

  • Jod- und Selenmangel
  • angeborene Schäden
  • Störungen der Hirnanhangdrüse
  • Schilddrüsenentzündungen (Thyreoiditis)

Eine Unterfunktion der Schilddrüse äußert sich z. B. in häufiger Verstopfung. Versuchen Sie in solchen Fällen nicht, Ihre Verdauung durch Abführmittel wieder in Schwung zu bringen, denn schuld ist die erkrankte Schilddrüse, nicht der Darm.

Mögliche Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sind:

  • Verstopfung
  • Appetitmangel
  • erhöhte Blutfettwerte
  • Kälteempfindlichkeit
  • brüchige Haare und Nägel
  • langsamer Puls, hoher Blutdruck
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit, depressive Verstimmungen

Der Stoffwechsel läuft bei einer Unterfunktion auf Sparflamme. Daher kann es trotz eines verringerten Appetits zu Übergewicht kommen. Jodmangel kann auch zu einer Hormon-Überproduktion führen Ein Jodmangel in der Nahrung kann nicht nur eine Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen zur Folge haben. Auf lange Sicht kann auch eine Überproduktion resultieren. Denn in dem Bestreben, auch noch die letzten Reste des schmalen Jodangebot zu nutzen, beginnt die Schilddrüse, sich zu vergrößern. Ein Kropf (Struma) bildet sich aus. Langfristig können diese Umbauprozesse dann dazu führen, dass einige Bereiche der Schilddrüse auf eine Dauerproduktion umschalten. Diese "autonomen" Bezirke (autonome Adenome) sorgen dann für ein stetig angehobenes Hormon-Niveau. Zu viel Hormon wird auch bei der so genannten Basedow-Krankheit gebildet. Ursache ist eine Immunstörung, bei der Antikörper entstehen, die sich gegen die Schilddrüse richten.

Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion können sein:

  • Schilddrüsenautonomie (autonomes Adenom)
  • Basedow-Krankheit
  • Schilddrüsentumore

Es gibt auch Medikamente, die zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen beitragen. Dazu zählen unter anderem ASS (z. B. Aspirin®), Dopamin, Heparin oder Kortison.

Bei einer Überfunktion fühlen Sie sich häufig unruhig und gereizt

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse ist der Energieumsatz erhöht. Die Betroffenen entwickeln als Folge ein regelrechte Abneigung gegen Wärme (Wärmeintoleranz).

Mögliche Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion sind:

  • Durchfall
  • gesteigerter Appetit
  • Wärmeempfindlichkeit
  • feuchte, rosige Haut
  • Nervosität, Reizbarkeit, Konzentrationsmängel

Es gibt auch Anzeichen, die sowohl bei einer Über- als auch bei einer Unterfunktion auftreten können. Dazu zählen beispielsweise Muskelschwäche, Potenzstörungen oder Osteoporose.

Gehen Sie bei Verdacht auf eine Störung zum Arzt

Im Falle einer Unterproduktion von Schilddrüsenhormonen wird Ihnen Ihr Arzt ein Präparat mit synthetischem T4 (Thyroxin) verordnen, um das Defizit auszugleichen. Sollten Sie dagegen an einer Überproduktion leiden, gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Zum einen kann Ihnen Ihr Arzt ein so genanntes Thyreostatikum verordnen. Diese Medikamente verhindern den Einbau von Jod in die Schilddrüsenhormone und senken auf diese Weise den Hormonspiegel. Doch die Mittel sind zum Teil mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Sie können das Knochenmark schädigen und so das Immunsystem entscheidend schwächen. Nach Möglichkeit sollten Sie daher andere Wege nutzen, die Hormonproduktion zu bremsen: Autonome Bezirke im Schilddrüsengewebe können entweder chirurgisch entfernt oder aber durch Strahlung zerstört werden (Radiojodtherapie). Die Strahlentherapie gilt als ungefährlich. Ein minimal erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs, das theoretisch vorhanden ist, hat sich bisher in der Praxis nicht gezeigt.

Mit Jod und Selen beugen Sie vor

Künstliche Schilddrüsenhormone gehören zu den meistverkauften Medikamenten in Deutschland, und Schilddrüsenoperationen stehen an dritter Stelle der Operationsstatistik. Dies stimmt umso bedenklicher, wenn man bedenkt, dass durch eine ausreichende Zufuhr von Jod (täglich 200 µg) und Selen (täglich 100 µg) fast jeder Krankheitsfall im Vorfeld verhindert werden könnte. Als Schilddrüsen-Patient können Sie auf eine ärztliche Behandlung nicht verzichten. Aber vor allem bei der Überfunktion gibt es einige Maßnahmen, mit denen Sie die Therapie wirksam unterstützen können.

Das sollten Sie bei einer Schilddrüsenüberfunktion beachten:

  • Sorgen Sie für genügend Ruhe und Entspannung im Alltag, um dem "überdrehten" Stoffwechsel entgegenzuwirken.
  • Wichtig ist auch ein ausgeglichener Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Vermeiden Sie fordernden Sport (z. B. Ballsportarten, geeigneter ist eher Ausdauersport), Sonnenbäder und Saunagänge. Auch Alkohol und Koffein regen den Stoffwechsel unnötig an.
  • In leichteren Fällen wirken Tees aus folgenden Heilpflanzen besänftigend: Wolfstrapp, Herzgespannkraut und Passionsblume.
  • Ernähren Sie sich ballaststoffreich (Vollkornprodukte, Obst und Gemüse). Die enthaltenen Kohlenhydrate werden nur langsam verstoffwechselt.
  • Kalte Wasseranwendungen wie Wickel, Güsse oder Teilbäder wirken dämpfend. Besonders geeignet ist z. B Wassertreten am Abend.
  • Meiden müssen Sie jede erhöhte Zufuhr von Jod, z. B. in Kontrastmitteln bei Röntgenuntersuchungen oder in Wunddesinfektionsmitteln. Das kann die Hormonproduktion gefährlich ankurbeln. Unbedenklich sind dagegen die Jodmengen in Speisesalz und damit produzierten Lebensmitteln.

Mehr zum Thema lesen Sie auch hier:


Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
3 Sterne
Wertungen:
2 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben

Kommentar von Manuela szukala

Vielen dank für ihre Beiträge zum Thema Schilddrüsenüberfunktion

Antworten