Richtige Ernährung nach einer Operation

unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief in Täglich Gesund zum Thema Chirurgie
vom


Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichender Kalorien- und Proteinzufuhr ist für die Genesung von Patienten nach einer Operation sehr wichtig. Bei einfachen chirurgischen Eingriffen stellt die Ernährung in der Regel kein Problem dar, da die Patienten häufig innerhalb weniger Tage wieder normal essen können.


Jedoch können sich die Belastungen, die mit einer Operation einhergehen und die Nachbehandlung negativ auf Ihren Appetit auswirken. Auch wird oft der Geschmack der Speisen verfälscht, und Sie können eventuell über Wochen oder Monate nicht alles essen oder verdauen.

Wenn Sie nach einer Operation Probleme mit der Nahrungsaufnahme haben, sollten Sie mit Ihrem Arzt oder einem Ernährungsberater einen speziellen Speiseplan erstellen. Dieser gewährleistet dann, dass Sie Kalorien und Proteine in ausreichender Menge zu sich nehmen. Die Zeit nach einer Operation ist auch nicht dafür geeignet, überflüssige Pfunde loszuwerden. Mit dem richtigen Speiseplan werden Patienten nach einer Operation schneller wieder gesund.

Übliche Vorgehensweise

Sie unterziehen sich einer größeren Operation und müssen für mehrere Tage oder für einen längeren Zeitraum in der Klinik bleiben. Normalerweise bekommen Sie nach der Operation zuerst Flüssigkeit, gefolgt von weichen Nahrungsmitteln. Zum Entlassungszeitpunkt werden Sie jedoch bereits wieder auf normales Essen umsteigen können. Dennoch haben die meisten Patienten ein bis zwei Wochen nach der Operation kaum oder gar keinen Appetit und müssen sich oft bewusst zum essen und trinken zwingen. Aufgrund des verringerten Hungergefühls und des zur Genesung erforderlichen erhöhtem Energiebedarf kommt es in den meisten Fällen zu einem Verlust von 5% bis 10% des Gesamtkörpergewichts. Bei den meisten Patienten kommt der Appetit allmählich nach zwei bis vier Wochen nach dem Eingriff zurück. Es gibt aber auch Fälle, bei denen die Nahrungsaufnahme und die Verdauung über längere Zeit Probleme bereiten.

Hierzu gehören Operationen am Magen-/Darm-Trakt und Krebserkrankungen, bei denen Bestrahlungen oder Chemotherapien zum Einsatz kommen.

Was Sie selbst tun können

Ganz gleich, ob eine kürzere oder längere Behandlungsdauer zu erwarten ist, die Ernährung bleibt ein wichtiger Genesungsfaktor. Es gibt mehrere Möglichkeiten, um zu gewährleisten, dass Sie genügend Nährstoffe zu sich nehmen:

  • Wenn Sie keinen Hunger verspüren oder sich schnell satt fühlen - sollten Sie mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen. Essen Sie, was Ihnen schmeckt und halten Sie diese Lebensmittel stets griffbereit. Machen Sie vor dem Essen einen Spaziergang, um den Appetit anzuregen. Essen Sie zuerst die proteinhaltigen Nahrungsmittel jedes Gerichts, da diese für Ihre Genesung besonders wichtig sind. Trinken Sie erst am Ende der Mahlzeit und achten Sie auf nahrhafte Getränke. Zwischen den Mahlzeiten sollten Sie versuchen, zusätzlich Kalorien zu sich zu nehmen, in dem Sie Milch oder Saft trinken. Auch Nahrungsergänzungsmittel, die Vitamine und Proteine enthalten, sind als Zwischenmahlzeit empfehlenswert. Wenn Sie jedoch an einer speziellen Krankheit leiden, wie zum Beispiel Diabetes oder chronischer Niereninsuffizienz, dann sollten Sie zuvor Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ernährungsberater halten, welche Produkte für Sie in Frage kommen. Des Weiteren sollten Sie mit Ihrem Arzt abklären, ob Sie Vitamin-Zusatzpräparate einnehmen sollten. Für Patienten, die wenig essen oder eine schlecht funktionierende Verdauung haben, ist es wichtig, dass sie die richtigen Präparate einnehmen. Außerdem können Sie zusätzliche Kalorien zu sich nehmen, wenn Sie Kräcker mit Thunfisch, Hüttenkäse oder Erdnussbutter bestreichen. Dabei erhöht sich auch noch der Nährwert der Kräcker.
  • Wenn der Geschmack verfälscht ist - können Sie das Essen mit Hilfe von Kräutern und Gewürzen verfeinern. Schmeckt alles bitter oder salzig, können Sie mit einer Prise Zucker Abhilfe schaffen. Rotes Fleisch kann metallisch schmecken. Hier ist es hilfreich, das Fleisch vorher zu marinieren. Hilft das nicht, können Sie immer noch auf andere proteinreiche Lebensmittel, wie Geflügel, Fisch, Eier oder Käse, umsteigen. Beenden Sie Ihren Snack oder Ihre Mahlzeit mit etwas, was Ihnen einen angenehmen und erfrischenden Geschmack im Mund zurücklässt. Um Mund und Zähne gesund zu erhalten, sollten Sie viel Wert auf Ihre Zahnhygiene, Reinigung der Zähne mit Zahnseide sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt legen.
  • Wenn Sie Übelkeitsgefühle verspüren - sollten Sie nur kleine Mengen zu sich nehmen und langsam essen. Essen Sie im Sitzen und legen Sie sich nach den Mahlzeiten mindestens eine Stunde lang nicht hin. Da Übelkeitsgefühle häufig durch einen leeren Magen noch verstärkt werden, sollten Sie nach dem Aufwachen etwas Trockenes essen, wie zum Beispiel Kräcker oder ein Stück Bretzel. Dies sollten Sie auch tagsüber alle paar Stunden wiederholen. Wenn Sie schon etwas im Magen haben, sollten Sie nur kühle oder kalte Getränke zu sich nehmen, um Übelkeitsgefühlen entgegen zu wirken.
  • Wenn Sie zu müde sind, um sich etwas zu essen zuzubereiten - sollten Sie Freunde oder Verwandte um Unterstützung bitten. Eine Alternative sind örtliche Anbieter von „Essen auf Rädern". Diese finden Sie im Branchenbuch. Sie sollten stets einige Snacks zur Hand und Gesundes im Gefrierschrank vorrätig haben. Wenn Sie in der Lage sind zu kochen, sollten Sie größere Mengen Ihrer Leibspeise zubereiten und portionsweise einfrieren.
  • Wenn Hals, Mund oder Zunge rau sind - sollten Sie auf weiche Lebensmittel zurückgreifen, die die empfindlichen Stellen nicht allzu sehr reizen und problemlos zu schlucken sind. Vermeiden Sie in diesem Fall gewürzte, salzige oder scharfe Speisen. Alkohol kann das Mundgewebe reizen. Essigsaure Speisen sind in diesem Fall überhaupt nicht empfehlenswert. Mit einem Strohhalm können Sie vermeiden, dass Flüssigkeiten an wunde Stellen im Mund gelangen.

Wenn vorgenannte Probleme länger anhalten oder sich verschlimmern, sollten Sie Ihren Arzt verständigen, denn unzureichende Ernährung nach einer Operation führt schnell zu Gewichtsverlust, Dehydrierung und einer längeren Genesungszeit. In einigen Fällen ist es notwendig, den Patienten über eine Magensonde zu ernähren. Magensonden werden meist dann eingesetzt, wenn die Magenfunktion eingeschränkt ist, Patienten eine schwere und lang andauernde Erkrankung haben oder bereits vor dem Eingriff unterernährt waren. Wenn der Magen-Darm-Trakt beeinträchtigt ist, können Patienten auch über einen Tropf ernährt werden.


Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
5 Sterne
Wertungen:
1 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben