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Zwangsstörungen - Wenn Angststörungen Ihren Alltag lähmen

Es macht Sie verrückt und benötigt viele Stunden jeden Tag. Sie können Ihre Hände nicht oft genug waschen, um sich von den Bakterien zu befreien, die Sie von Familienmitgliedern oder anderen, mit denen Sie in Kontakt kommen, aufnehmen.

In Wirklichkeit sind die Keime gar nicht das Problem. Vielmehr könnte es sich um eine Art von Angststörung handeln, die Zwangsstörung genannt wird. Früher nahm man an, dass die Zwangsstörung recht selten sei.

Sie ist jedoch durchaus verbreitet und tritt in Deutschland mit einer Punktprävalenz von 1% bis 2% auf (Hohagen 2000, Lehrbuch der Psychiatrie und Psychotherapie). Glücklicherweise ist die Zwangsstörung, wenn sie einmal erkannt ist, dank neuer Medikamente und Verhaltenstherapien oft sehr gut behandelbar.

Gedanken und Ängste führen zu wiederholten Handlungen

Die Zwangsstörung wird manchmal auch als „Krankheit des Zweifels” bezeichnet, weil Zweifel und Unsicherheit für die Betroffenen unerträglich werden können. Die Störung betrifft Personen in jedem Lebensalter. Wodurch sie konkret ausgelöst wird, ist unklar.

Die meisten Personen mit Zwangsstörungen erfahren beide Komponenten der Störung: Zwangsvorstellungen und Zwangshandlungen. Bei Zwangsvorstellungen (Zwangsdenken bzw. -impulse) tauchen ungewollte Ideen oder Bilder wiederholt auf, die unsinnig erscheinen und Angst oder unangenehme Gefühle erzeugen. Die Angst vor Verschmutzung oder Krankheit ist einer der häufigsten Zwangsvorstellungen.

Weitere sind:

  • Übertriebene Ordnung und Genauigkeit
  • Das Konzentrieren von Gedanken auf bestimmte Bilder, Geräusche oder Worte
  • Angst, anderen Personen zu schaden
  • Angst vor bösen oder unreinen Gedanken

Zwanghaftes Verhalten tritt auf, wenn Sie sich in einer bestimmten Art und Weise verhalten, um eine Zwangsvorstellung abzuwehren und ihren Angstzustand zu begrenzen. Zu typischem zwanghaften Verhalten gehören unter anderem:

  • Exzessives oder wiederholtes Händewaschen
  • Wiederholtes Überprüfen, ob die Tür geschlossen ist oder wiederholtes Nachsehen, ob Geräte noch eingeschaltet sind
  • Dinge in eine präzise Ordnung bringen
  • Unkontrolliertes Sammeln oder Horten von Gegenständen
  • Wiederholtes Durchgehen von täglichen Gegebenheiten

Obwohl eine von einer Zwangsstörung betroffene Person ihr zwanghaftes Verhalten als irrational erkennt, kann ein Auslassen des Verhaltens einen Angstzustand verschlimmern. Bei einigen Personen kann die Störung leichtgradig sein. Aber bei Personen mit schwerer Zwangsstörung können die Rituale des zwanghaften Verhaltens mehrere Stunden täglich in Anspruch nehmen.

Lassen Sie gesundes Essen nicht zum Zwang werden

Eine gesunde Ernährung ist wichtig für Sie. Nur so versorgen Sie sich mit allen Vitalstoffen, die Ihr Körper braucht. Wenn Sie dann noch darauf achten, dass Sie möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel zu sich nehmen und vielleicht verstärkt auf echte Bioware setzen, dann bin ich zufrieden mit Ihnen.

Aber sicherlich beißen Sie dennoch gerne mal in eine Grillwurst, knabbern Chips oder Schokolade, trinken auf einer Feier mal Alkohol. Und genau das unterscheidet Sie von Menschen, die unter einer Orthorexie leiden.

Die Schritte in die Orthorexie

Von einer Orthorexie spricht man, wenn gesundes Essen zum Zwang wird. Der Begriff für diese Ess-Störung selbst ist noch recht jung. Er wurde erst im Jahr 1997 von einem amerikanischen Arzt festgelegt und bedeutet „gute Ernährung“ oder „richtiger Appetit“.

Verstehen Sie das jetzt bitte nicht falsch: Das Krankhafte an einer Orthorexie ist nicht, dass der Betroffene sich gesund ernährt. Es ist vielmehr der selbst auferlegte Zwang, sich ausschließlich(!) von gesundem Essen zu ernähren.

In den letzten Jahren greift diese Ess-Störung immer weiter um sich, bedingt durch Lebensmittelskandale und den Wunsch nach einer wirklich gesunden Ernährung. Dabei geht es nicht um die Menge, die gegessen wird. Wichtig ist, dass die Lebensmittel eine möglichst hohe Qualität haben.

Nach und nach verschärfen Menschen, die unter Orthorexie leiden, dann die Regeln, die sie selbst an ihre Ernährung stellen. Der Weg in die Orthorexie verläuft schrittweise:

  • Die Ess-Störung beginnt damit, dass die Betroffenen immer mehr Obst und Gemüse essen.
  • Nach und nach wird dieses dann nur noch in Bioläden eingekauft. Es werden ausschließlich Lebensmittel verwendet, die aus biologisch-dynamischem Anbau stammen.
  • Die Betroffenen konzentrieren sich auf einen Laden, in den sie vollstes Vertrauen haben, und kaufen nirgendwo anders mehr.
  • Es wird nur noch Obst gekauft, das ganz frisch geerntet worden ist.
  • Auf Zucker wird ganz verzichtet.
  • Alle Nahrungsmittel müssen selbst hergestellt werden.
  • Bei Einladungen nehmen sich Betroffene ihr Essen mit, um nicht konventionell hergestellte Nahrung essen zu müssen.
  • In der Endstufe verzichten dann Betroffene eher auf die Nahrung, bevor sie eine Speise zu sich nehmen, die ihre Regeln bricht.

Verstoßen sie gegen die selbst aufgestellten Nahrungsgesetze, bestrafen sie sich selbst. Hierzu stellen sie dann noch strengere Regeln auf, wie zum Beispiel Verzicht auf nicht mehr ganz frisch aussehende Lebensmittel. Obst wird dann schon verweigert, wenn es irgendwo eine braune Stelle aufweist.

Verweigerung führt zu Vitalstoffmangel und starkem Gewichtsverlust

Menschen, die an Orthorexie leiden, gehen zunächst einmal kein Gesundheitsrisiko ein, im Gegensatz zu anderen Ess-Störungen wie Magersucht oder Bulimie. Wenn die selbst aufgestellten Regeln allerdings immer strenger werden, dann kann es passieren, dass viele Lebensmittel nicht mehr akzeptiert werden.

Sie könnten ja einen falschen Herstellungsprozess durchlaufen haben, mit Keimen verseucht oder durch Umweltprobleme wie sauren Regen belastet sein. Dann erst kommt es zu einer mangelhaften Ernährung, bei der es auch zu einer Unterversorgung mit Vitalstoffen kommen kann. Die Folge ist ein starker Gewichtsverlust, und wegen der fehlenden Vitalstoffe können Zivilisationskrankheiten schneller auftreten.

Seelische Vereinsamung: Die Folge der Orthorexie

In den meisten Fällen kommt es bei der Orthorexie zu schweren psychischen Folgen. Betroffene versuchen, Familienmitglieder, Freunde und Bekannte zu missionieren. Sie sind geradezu besessen von dem Wahn, sich gesund zu ernähren, und wollen nun auch ihr Umfeld von der falschen Ernährung erlösen.

In den meisten Fällen will die Umgebung sich aber eine so strenge Ernährung nicht auferlegen lassen. Da die Bekehrungsversuche sehr penetrant sind und immer wieder durchgeführt werden, ziehen sich die Freunde und Familienmitglieder zurück. Die Folge ist Einsamkeit.

So äußert sich eine Orthorexie

Ob es sich wirklich um eine Orthorexie handelt, erkennen Ärzte und Psychologen meist schon bei einem Gespräch über das Thema „Ernährung“, da auch hier Bekehrungsversuche gestartet werden. Typische Anzeichen sind auch folgende:

  • Die Betroffenen denken drei Stunden und mehr am Tag über ihr Essen nach.
  • Sie planen ihre Mahlzeiten lange im Voraus und können sich nicht spontan etwas zubereiten.
  • Sie verbinden Ernährung nicht mit Genuss.
  • Es kommt zu Schuldgefühlen, wenn sie einmal über die Stränge schlagen.
  • Frühere Lieblingslebensmittel stehen plötzlich auf der Verbotsliste.
  • Die Betroffenen stellen sich immer strengere Ernährungsregeln auf.

Hilfe bietet die Psychotherapie

Orthorexie gilt bis heute nicht als Krankheit, obwohl sie – seelisch gesehen – eine Art Zwangserkrankung ist und sogar bis hin zur Magersucht führen kann. Der Behandlungsansatz bei Orthorexie ist klar: Essen muss wieder Spaß machen, die Betroffenen müssen es wieder genießen können.

Sie müssen erfahren, dass es ihnen gut tut und kein Zwang ist. Dies kann nur mit psychotherapeutischer Hilfe geschehen. In der Therapie erhalten Sie einen festgelegten Essensplan mit vielen kleinen Mahlzeiten, den Sie genau einhalten müssen. Ziel: Sie sollen wieder lernen, wie schön, genussreich und angenehm die Nahrungsaufnahme sein kann.

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