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Halluzinationen – was kann man dagegen tun?

Wenige Tag nach Ihrem Schlaganfall fingen Sie an, Tiere an der Zimmerdecke über Ihrem Bett zu sehen. Sie wussten, dass das nur eine Einbildung ist, aber trauten sich nicht, Ihrem Arzt davon zu berichten. Was würde der nur von Ihnen denken?

Anzeichen für ein ernsteres Problem?

Etwas nicht Reelles zu sehen, fühlen, tasten, hören oder zu riechen bedeutet vor allem für ältere Menschen keine ungewöhnliche Erfahrung. Halluzinationen sind keine Schande. Es ist jedoch wichtig, sie dem behandelnden Arzt mitzuteilen.

Sie gelten als wichtiger Hinweis zur Erkennung eines gesundheitlichen oder mentalen Problems oder als Symptom für eine ernste und behandelbare Erkrankung.

Flexible Symptome und vielfältige Ursachen

Der Begriff Halluzination bezeichnet in der Regel eine komplexe Störung der Wahrnehmung, eine Sinnestäuschung. Sie grenzt sich von der Illusion ab, bei der der Betroffene eine reelle Situation oder Sinneseindrücke falsch deutet.

Bei visuellen Halluzinationen sieht man Tiere oder Personen, die nicht existieren. Bei Geräusch-Halluzinationen hören die Betroffenen Musik oder Stimmen, die eventuell Handlungsanweisungen geben. Halluzinationen treten als mögliche Symptome bestimmter Erkrankungen oder Umstände auf:

Geistige Störungen

Halluzinationen treten bei Psychosen auf, die mit Schizophrenie, bipolaren Störungen (manisch depressive Störungen) oder schweren Depressionen einhergehen. Sie können darüber hinaus nach Unfällen als schwere posttraumatische Störungen vorkommen.

Dabei handelt es sich in der Regel um akustische Wahrnehmungen wie Geräusche oder Stimmen. Sie teilen dem Betroffenen mit, was sie tun oder denken sollen. Sie sind oft Besorgnis erregend und schwer von der Realität zu unterscheiden.

Folge bestimmter Krankheiten

Bewusstseinsänderungen (Delirium) und Formen der Demenz wie beispielsweise bei der Alzheimer-Krankheit oder einer ähnlichen Erkrankung wie der Lewy Körperchen-Erkrankung verursachen eventuell Bild- und Geräuschhalluzinationen.

Bei der Lewy-Erkrankung besteht in vielen Fällen ein Parkinson-Syndrom, aber nicht jedes Parkinson-Syndrom geht mit einer Lewy-Demenz einher. Aus dem Grund grenzt man beide Erkrankungen terminologisch voneinander ab.

Darüber hinaus lösen die Parkinson-Krankheit, Schlaganfälle, Tumoren oder Anfallsleiden unter Umständen Halluzinationen aus. Sie erfolgen in der Regel visuell und der Betroffene erkennt sie als nicht reell.

Einschränkungen des Sehvermögens beispielsweise bedingt durch den Grauen Star, Makuladegeneration oder den Grünen Star können visuelle Halluzinationen und Illusionen auslösen. Ein Gehörverlust oder Taubheit führt möglicherweise zu Geräusch-Halluzinationen.

Weitere Gründe für Halluzinationen

  • Als Nebenwirkung von Medikamenten wie beispielsweise Schmerzmitteln, Steroiden, Cimetidin und dem Parkinson-Medikament Carbidopa-Levodopa. Beruhigungsmittel können Halluzinationen auslösen, wenn der Patient eine hohe Dosis plötzlich absetzt.
  • Bei Drogenkonsum, Alkoholmissbrauch oder während eines Drogen- oder Alkoholentzugs.
  • Wenn Sie trauern. Manche Menschen haben visuelle, Geräusch- oder taktile Erlebnisse mit einem nahe stehenden, verstorbenen Menschen.
  • Unter extremem körperlichem Stress oder bei Schlaf-, Wasser- und Nahrungsmittelmangel.
  • Vorübergehend kurz vor dem Einschlafen und kurz nach dem Aufwachen.

Nebenwirkungen von Medikamenten

Einige Halluzinationen fallen harmlos aus. Andere stellen ein Anzeichen eines ernsteren Problems dar, das ärztlicher Hilfe bedarf. Das gilt vor allem für Nebenwirkungen von Medikamenten, wenn sich eine Demenz oder Parkinson-Erkrankung verschlechtert, sich das Hirngewebe durch das Wachstum eines Tumors verändert oder bei bestimmten Infektionen sowie einem Schlaganfall.

Sie sollten zum Arzt gehen, wenn die Halluzinationen regelmäßig auftreten, länger als nur ein paar Minuten dauern, es keine greifbare Erklärung dafür gibt oder sie erstmals auftreten. Ärztlicher Rat ist angesagt, wenn die Halluzinationen Ihnen Sorgen bereiten, Ihnen etwas Schlechtes oder Gefährliches raten oder wenn sie durch Drogen- oder Alkoholmissbrauch auftreten.

Möglichkeiten der Behandlung

Ihr Arzt gibt Ihnen gegebenenfalls folgende Behandlungsempfehlungen:

  • Tolerieren Sie die Halluzinationen – Falls Ihr Arzt der Meinung ist, die Halluzinationen seien nicht die Symptome einer ernsten Erkrankung und Sie nicht deswegen besorgt sind, ist es mit Sicherheit das Beste, sie nicht zu behandeln. Mit der Zeit können die Symptome nachlassen oder verschwinden.
  • Verschiedene Arten der Zerstreuung – Schließen Sie die Augen, schauen Sie in eine andere Richtung, hören Sie Radio, zählen Sie bis Hundert, werden Sie aktiver oder machen Sie Entspannungsübungen. Vielleicht stoppen Sie so die Halluzination. Ein Therapeut hilft Ihnen dabei, die beste Ablenkungsstrategie zu finden.
  • Behandeln Sie die Ursache – Manche Halluzinationen verschwinden, wenn man die Ursache dafür behandelt, verändert oder kontrolliert. Beispielsweise setzen Sie ein Medikament ab oder behandeln einen Hirntumor.
  • Medikamente – In bestimmten Situationen verordnet Ihr Arzt Medikamente, die zur Klasse der Neuroleptika gehören.

Hilfe als Außenstehender

Wenn Sie sich um einen Angehörigen oder eine Ihnen nahestehende Person kümmern, die Halluzinationen hat, sollten Sie:

  • die halluzinierende Person nicht aufregen
  • Verständnis dafür aufbringen, dass die Halluzination für die Person sehr reell erscheint. Sie dürfen sagen, dass Sie das, was der Betroffene gerade erlebt, nicht hören oder sehen. Versuchen Sie nicht denjenigen davon zu überzeugen, dass die Halluzination nicht echt ist.
  • Nehmen Sie die Sorge des Betroffenen ernst und reagieren Sie behutsam, wenn er wegen der Halluzination bestürzt ist. Versuchen Sie Ihren Angehörigen oder Freund durch eine aufmunternde Aktivität abzulenken.
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