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Psychosomatik: Was Ihnen Körpersignale über Ihre Seele verraten

von Sylvia Schneider, Chefredakteurin von „Gesundheit für Frauen“

Körper und Seele stehen mit einer Art Standby-Leitung in ständiger Kommunikation miteinander. Geht es dem einen nicht gut, reagiert der andere mit Botschaften. Wenn Sie gesund bleiben wollen, sollten Sie lernen, diese „Infos“ zu entschlüsseln.

„Leidet der Leib, muss die Seele mitbehandelt werden.“ Zu dieser Erkenntnis gelangte bereits der griechische Gelehrte Sokrates. Seelische Konflikte, Ängste und Spannungen können körperliche Erkrankungen verursachen, aufrechterhalten oder verstärken. Obwohl die Macht der Seele über den Körper ganz enorm ist, wollen viele von uns diesen Einfluss nicht so recht glauben geschweige denn ernst nehmen. Ob wir glücklich oder traurig, ausgeglichen oder gestresst, optimistisch oder hoffnungslos sind, all das spiegelt sich auch in unserem Körper wieder. Organe, Atmung, Herzschlag, Stoffwechsel, Verdauung, Blutdruck – alles schwingt in diesem Rhythmus mit. Gerät die Seele aus dem Takt, können wir krank werden. Andersherum geraten wir in seelischen Druck, wenn wir krank sind. Die Psyche steckt hinter mehr Krankheiten als uns bewusst ist. Nach amerikanischen Studien sollen 80 Prozent aller Krankheiten psychosomatisch (Psyche = Seele, Soma = Körper) sein.

Auf elementare Ängste, lebensgefährliche oder scheinbar lebensgefährliche Situationen, bedrohliche oder störende Umstände reagiert unser Körper nach altbewährtem Muster mit einer ganz eigenen Sprache. Denn rein körperlich gesehen sind wir noch Steinzeitmenschen. Das war vor Hunderttausenden von Jahren praktisch, denn es sicherte unser Überleben. Doch heute ist das oftmals wenig hilfreich. Denn wenn wir schon wie die Steinzeitmenschen mit Stresssymptomen reagieren, wenn es bloß unerwartet an der Haustür schellt, dann ist das unserer Gesundheit natürlich nicht sehr förderlich, weil sich im Körper das ganze Notfallset abspult, wir jedoch die Spannung nicht abbauen. Das macht viele Menschen heute krank.

Unser Körper signalisiert es uns, doch wir bringen das oft nicht in Verbindung mit der Situation, die uns belastet. Doch dass unsere Vorfahren darum wussten, zeigen uns Redewendungen wie

– Jemandem ist eine Laus über die Leber gelaufen.

– Jemandem kommt die Galle hoch.

– Jemandem schlägt etwas auf den Magen.

– Jemandem nimmt etwas den Atem.

– Jemandem schnürt etwas die Kehle zu.

– Jemanden haut etwas in die Knie.

– Jemandem fährt etwas durch Mark und Bein.

– Jemand ist ganz niedergedrückt.

– Jemandem hat etwas das Kreuz gebrochen.

Die Widerstandskraft gegen Krankheiten steht und fällt mit unserer Gemütslage und mit unserer inneren Harmonie. Innere Anspannungen machen anfällig für Krankheiten. Bei etwa der Hälfte der Menschen mit Rückenproblemen liegt ein psychisches Problem zugrunde, schätzen Experten. Viele wollen diesen Zusammenhang nicht wahrhaben. Doch wir sollten es wieder lernen, den Signalen unseres Körpers zu vertrauen. Denn er zeigt Ihnen meist schon, dass etwas nicht in Ordnung ist, noch bevor Sie richtig krank werden. Sie müssen nur genau hinhören. Einige Beispiele für besonders häufige Frauenbeschwerden als „Übersetzungshilfe“, die natürlich eine ärztliche Behandlung nicht ausschließt:

Sie sind ständig verschnupft: Wenn ein Schnupfen nicht ausheilen will, schwellen die oberen Atemwege an, verstopfen die Nasengänge, breiten sich Entzündungserreger aus und reizen die empfindlichen Schleimhäute. Die Seele signalisiert „Ich habe die Nase voll, gib mir Ruhe!“ Sie haben sich womöglich zu viel zugemutet und Ihre Seele versucht, sich abzuschotten. Deshalb setzen Sie Grenzen, gönnen Sie sich einen inneren Rückzug, finden Sie heraus, was Sie überfordert.

Ihr Nacken ist häufig verspannt: Diese Verspannungen entstehen meist durch einseitige Belastungen und Fehlhaltungen – etwa wenn Sie stundenlang am Computer arbeiten. Dann verspannt sich die Muskulatur und die Durchblutung wird schlechter. Bewegungsschmerzen stellen sich ein. Verspannungen drücken oft Angst aus. Wer sich fürchtet, macht sich klein und zieht unbewusst die Muskeln zusammen. Wer unter Stress seht, fühlt „die Faust im Nacken“. Hier helfen Entspannungsübungen und -bäder, Meditationstechniken sowie Übungen, die beim Loslassen helfen.

Sie leiden immer wieder unter Blasenbeschwerden: Wenn die Blasenschleimhaut durch Bakterien gereizt wird, kann es zu schmerzenden Blasenentzündungen kommen. Manche Frauen scheinen darauf abonniert zu sein. Manchmal steckt die Furcht vor sexueller Nähe dahinter, nicht selten Kummer und Stress, der „auf die Blase schlägt“. Das ist eine Art Weinen nach unten hinaus. Wichtig ist es herauszufinden, wo die inneren Knoten stecken und wie Sie sie lösen können. Geben Sie sich Wärme in jederlei Hinsicht – auch die gute alte Wärmflasche wirkt hier Wunder.

Sie haben Scheidenentzündungen ohne Ende: Gerät die normale Scheidenflora aus der Balance, haben Krankheitserreger leichtes Spiel. Zum Beispiel Hefepilze können sich ausbreiten und für Ausfluss und Juckreiz sorgen. Das betrifft besonders Frauen, die dazu neigen, sich zu übernehmen und sich zu viel aufzuhalsen, dabei aber alles perfekt machen wollen. Manchmal spiegeln sich hier auch Partnerschaftsprobleme wider, dann wird im übertragenen Sinne unten einfach „dicht gemacht“. Gönnen Sie sich mehr Atempausen, nehmen Sie sich Auszeiten von Beruf und Familie und sehen Sie es nach, wenn Sie mal auf Sex keine Lust haben oder sich durch Ihren Zyklus irritiert fühlen.

Ihr Magen rebelliert häufig: Hektik und Stress „schlagen vielen von uns auf den Magen“. Sodbrennen, Völlegefühl, Blähungen und Unwohlsein können die Folge sein. Schwierigkeiten im Alltag werden wie die Nahrung im Magen nicht richtig verdaut, weil Sie vielleicht „alle Probleme in sich hineinfressen“. Versuchen Sie Stress abzubauen und sich nicht für alles verantwortlich zu fühlen. Nehmen Sie sich Zeit, auch um in Ruhe zu essen.

Ihre Verdauung liegt oft lahm: Viele Frauen leiden unter Verstopfung. Die seelische Botschaft dafür könnte sein, dass sie dazu neigen, nichts hergeben zu wollen, zu lange in unerquicklichen Situationen oder bei Menschen, die ihnen nicht gut tun, zu verharren. Ziehen Sie Bilanz und entrümpeln Sie Dinge, die Sie möglicherweise blockieren.

Chronische Kopfschmerzen, Essstörungen, Magenprobleme, Reizdarm, Hauterkrankungen und ähnliche teils psychosomatische Erkrankungen werden zunächst medizinisch behandelt. Doch wenn die Seele eben ihre Hand mit im Spiel hat, reicht das meist nicht. Psychosomatische Therapien können hier oft weiterhelfen. In hartnäckigen Fällen empfiehlt sich eine Kur in einer psychosomatischen Klinik, in der der ganze Mensch behandelt wird. Die Therapeuten gehen davon aus, dass jedes Symptom seine Bedeutung hat. Etwa 80 bis 90 Prozent der Patienten in den psychosomatischen Kliniken sind Frauen. Ihnen tut hier vor allem auch der Abstand zum Alltag, zu Familie, Kindern und Beruf gut. Angeboten werden neben medizinischer Behandlung und normalen Kuranwendungen Einzel- und Gruppentherapien, Gesprächs- und Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, Musik-, Mal- und Tanztherapie. Großen Wert legen die meisten Kliniken auch auf gezielte Entspannung, Sport und Bewegung.

Wenn Sie ein chronisches Problem haben und Ihre Seele in die Behandlung mit einbeziehen wollen, hören Sie sich im Bekanntenkreis nach einer psychosomatischen Klinik um oder fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach. Sie sollten ohnehin die Kostenfrage vorher klären, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Wenn Ihnen Namen genannt werden, nehmen Sie die jeweilige Klinik unter die Lupe:

– Lassen Sie sich Informationsmaterial schicken, um zu sehen, ob sie auch für Ihr Leiden etwas anbietet.

– Welche Therapieangebote gibt es speziell für Ihre Krankheit?

– Gibt es Therapeuten dort, die Sie direkt anrufen können, um sich zu erkundigen?

– Können Sie die Klinik vorab besichtigen und die Therapeuten kennen lernen?

– Wie streng wird die Klinik geführt und wie steht es um Ihre persönliche Freiheit während des Aufenthaltes dort?

– Kommen Sie mit der Hausordnung klar?

– Liegt die Klinik weit genug von zu Hause weg, so dass Sie genügend Abstand finden? Mehr zum Thema lesen Sie auch hier:

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