MenüMenü

Lassen Sie sich nicht ausnutzen: Wie Sie energieraubende ­Beziehungen beenden

Freunde zu haben, ist nicht nur schön – Freunde sind wichtig. Jeder Mensch braucht sie. Doch bei manchen Menschen bekommt man schnell den Eindruck, sie sehen eine Freundschaft als Einbahnstraße. Sobald sie die eigenen Interessen nicht durchsetzen können, tauchen sie ab – um erst beim nächsten Problem wieder aufzutauchen. ­Dennoch haben viele Menschen Hemmungen, diese Beziehung zu ­beenden. Wie Sie dies schaffen – oder es sogar vermeiden können, sie beenden zu müssen, erkläre ich Ihnen in diesem Beitrag…

Frauen_Konflikt© WavebreakmediaMicro - Fotolia

Vielleicht haben Sie es selbst schon einmal erlebt. Da ist die vermeintlich gute Freundin, die Ihnen ständig von ihren Problemen erzählt. Leider hört sie nie zu, wenn es Ihnen selbst einmal schlecht geht – oder sie hat keine Zeit für Sie.

Oder es gibt den Bekannten, der mit Ihnen große Pläne für gemeinsame Unternehmungen schmiedet, sich auch gern einmal Ihre Gartenwerkzeuge leiht – aber für Ihre gemeinschaftlichen Pläne dann doch keine Zeit hat.

Solche Beziehungen werden von denen, die davon profitieren, sehr gerne als „allerbeste“ Freundschaft bezeichnet. Sie aber, wenn Sie nur ausgenutzt werden, leiden darunter. Auf Dauer kann Sie das sogar krank machen. Denn eine solche einseitige Beziehung fördert die Ausschüttung von Stresshormonen, was wiederum Ihr Herz angreift.

Aus Angst werden Beziehungen aufrechterhalten

Dennoch schaffen es viele Menschen nicht, sich von denjenigen zu trennen, die sie nur ausnutzen. Denn es fällt ihnen erst einmal nicht leicht, zu erkennen, dass sie nur dann gebraucht werden, wenn Not am Mann ist. Und haben sie durchschaut, dass sie nur ein Notnagel oder ein Abladeplatz für Probleme sind, dann haben sie dennoch Hemmungen, die Beziehung zu beenden. Grund dafür können die eigenen Werte sein: „Man kann doch einen Menschen nicht einfach so in die Wüste schicken“. Oder aber sie haben Angst vor der Reaktion des Gegenübers.

Überprüfen Sie Ihr Verhältnis zu anderen

Um sich erst einmal darüber klar zu werden, welche Ihrer Beziehungen zu anderen Menschen echt sind und bei welchen Sie nur ausgenutzt werden, sollten Sie diese überprüfen. Dazu nehmen Sie sich einen großen Zettel und schreiben die Namen derjenigen auf, die zu Ihren Freunden und Bekannten gehören. Überlegen Sie bei jedem: Ist die Beziehung ausgeglichen? Freundschaften braucht jeder Mensch – aber sie müssen auf Gegenseitigkeit beruhen.Was geben Sie, was bekommen Sie zurück? Und bei dieser Frage geht es nicht nur um materielles, sondern auch um emotionales Geben und Nehmen.

Wie sehen Ihre Beziehungen aus?

Wenn Sie eine Beziehung haben, in der Geben und Nehmen nicht ausgewogen sind, sollten Sie darüber nachdenken, wie bedeutsam diese Beziehung für Sie ist. Haben Sie zum Beispiel einen Bekannten, der sich regelmäßig bei Ihnen „einnistet“, wenn er in Ihrer Stadt ist, sich sonst aber nicht meldet und kein Interesse an weiterem Kontakt hat? Bei solchen „Freunden“ sollten Sie überlegen, wie Sie Ihre Beziehung charakterisieren:

  • Brauchen Sie beide diese Beziehung?
  • Brauchen nur Sie Ihr Gegenüber?
  • Braucht nur Ihr Gegenüber Sie?
  • Brauchen Sie sich beide nicht?

Manchmal müssen Sie einen Schlusspunkt setzen

Wenn Sie Ihre Beziehung so charakterisiert haben, stellt sich die Frage, wie Sie nun weiter vorgehen. Sie haben im Grunde zwei Möglichkeiten. Sie können die Beziehung komplett aufgeben und sich von diesem Menschen trennen. Das empfiehlt sich immer dann, wenn Sie ausgenutzt werden. Aber besser ist ein Beziehungsende auch dann, wenn Sie nur als „seelischer Mülleimer“ missbraucht werden. Natürlich heißt das nicht, dass Sie eine Beziehung beenden, wenn es Ihrer Freundin oder Ihrem Bekannten schlecht geht oder er eine schwere Zeit durchmacht. Als Freund gehört es dazu, einander in solchen Zeiten beizustehen.

Aber wenn Sie nur dazu dienen, in schlechten Zeiten zuzuhören, in guten Zeiten aber nichts von Freundin oder Bekannten hören, dann sollten Sie einen Schlussstrich ziehen. Richten Sie sich darauf ein, dass Sie konsequent sein müssen. Denn es kann sein, dass Ihr Gegenüber sich einige Zeit lang weiterhin melden wird, wenn es ihm schlecht geht. Verweisen Sie dann darauf, dass Sie nicht nur sein Problemlöser sind und Sie die Beziehung an dieser Stelle beenden.

So können Sie eine Beziehung umgestalten

Wenn Ihnen allerdings viel an dem anderen Menschen liegt, dann sollten Sie ihm die Chance geben, sein Verhalten Ihnen gegenüber zu überdenken und zu ändern. Häufig nämlich merkt derjenige gar nicht, dass er sich Ihnen gegenüber unpassend verhält.

Klären Sie zunächst für sich, was Sie an Ihrer Beziehung stört. Was erwarten Sie? Was muss sich ändern? Und denken Sie auch darüber nach, wie Sie bisher gehandelt haben:

  • Haben Sie mit Ihrem Freund oder Bekannten darüber gesprochen, was Sie an seinem Verhalten stört?
  • Haben Sie ihn darum gebeten, sein Verhalten zu ändern?
  • Wenn ja, gibt es eine Chance, noch einmal darauf hinzuweisen? Wenn dies der Fall ist, in welcher Form muss dies geschehen, damit er sich wirklich ändert?

Grundsätzlich gilt aber auch, dass immer zwei Personen zu einer Beziehung gehören. Auch Sie sollten daher Ihr Verhalten überprüfen und überlegen, wie Sie Ihre Beziehung zueinander verbessern können. Fragen Sie sich daher, ob Sie

  • offen zu Ihrem Gegenüber sind,
  • Ihre Meinung deutlich zum Ausdruck bringen,
  • sich selbst mehr einbringen ­können,
  • vorschnell Dinge ablehnen, die Ihnen einfach nicht gefallen, ohne sie genauer zu überdenken.

Arbeiten Sie an diesen Punkten – aber seien Sie auch mutig genug, um Ihrem Gegenüber zu sagen, was Sie an der Beziehung zu Ihnen stört. Vielleicht machen Sie einen Vorschlag, wie es in Zukunft zwischen Ihnen ablaufen sollte – so können Sie in vielen Fällen eine Beziehung retten.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

Regelmäßig Informationen über Psychiatrie erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Dr. med. Michael Spitzbart. Über 344.000 Leser können nicht irren.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben!