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Kindergartenstreik: Wie Sie sich jetzt verhalten sollten

von Dr. Andrea Schmelz, Chefredakteurin von „Gesundheit und Erziehung für mein Kind“

Ihr Kind geht gerne in den Kindergarten, doch plötzlich weigert es sich. Lesen Sie hier, was dahinter stecken könnte und wie Sie – je nach Ursache – damit umgehen sollten.

Es ist völlig normal, wenn Kindergartenkinder plötzlich in den Streik treten. Um solche Phasen kommt kaum eine Familie herum. Oft sind es gerade diejenigen Kinder, die anfangs mit Begeisterung in den Kindergarten gingen.

So finden Sie den Grund heraus

Sprechen Sie in einer ruhigen Stunde mit Ihrem Kind. Beginnen Sie etwa so: „Ich habe gemerkt, dass du momentan gar nicht gerne in den Kindergarten gehst.Magst du mir erzählen, warum du nicht mehr gerne hingehst?“ Fragen Sie keinesfalls morgens oder gleich mittags, wenn Ihr Kind gerade erst vom Kindergarten gekommen ist, sondern warten Sie damit bis nachmittags oder abends.Will oder kann Ihr Kind auf diese Frage nicht antworten, bedrängen Sie es bitte nicht weiter.

Mein Tipp: Spielen Sie mit Ihrem Kind und dessen Stofftieren oder Puppen Kindergarten. Im Rollenspiel kommt das Problem oft zum Vorschein.

Noch wichtiger ist allerdings das Gespräch mit der Erzieherin. Sie kann Ihr Kind in der Gruppe genau beobachten und aufgrund ihrer pädagogischen Erfahrung am besten einschätzen, wo „der Schuh drückt“. Daher kann sie Ihnen einerseits Tipps geben, was Sie zu Hause berücksichtigen sollten, und andererseits Ihrem Kind in der Gruppe gezielt Hilfestellung geben.

Die sieben häufigsten Ursachen und die besten Tipps dagegen

  1. Trennungsangst: Verkürzen Sie die Zeit, die Ihr Kind im Kindergarten ist, indem Sie es spät hinbringen und möglichst früh wieder abholen. Geben Sie ihm sein Kuscheltier oder die Lieblingspuppe mit. Überraschen Sie Ihr Kind mit kleinen Mutmachern: Sie können z. B. einen netten Aufkleber als Glücksbringer auf die Brotdose kleben oder Ihrem Kind mit Schminkstift ein Herz auf den Arm malen. Sagen Sie ihm dazu, dass Sie ganz fest an es denken,wann immer es sein Herzchen anschaut.Überlegen Sie, ob Sie selbst Schwierigkeiten damit haben loszulassen oder den Kindergarten in schlechter Erinnerung haben. Ihr Kind wird genau spüren, wie Sie sich fühlen, und reagiert entsprechend verunsichert.
  2. Schwierigkeiten, sich in die Gruppe zu integrieren oder neue Freunde zu finden: Hat Ihr Kind Anlaufschwierigkeiten, mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen, hilft es oft, morgens als eines der ersten da zu sein. Dann ist es als Spielpartner begehrter.Außerdem hat es die Möglichkeit, sich mit einem beliebten Spielzeug zu beschäftigen, um das sich die Spielgruppe erst bildet. Zu einer „eingefleischten“ Spielgemeinschaft als Neuer dazuzustoßen, ist hingegen viel schwerer. Laden Sie ein oder zwei Kindergartenkinder, die es gerne als Freund hätte, zu sich nach Hause ein, um Kontakte zu knüpfen oder zu festigen.
  3. Der Reiz des Neuen ist verflogen: Die Neugier, wie es wohl im Kindergarten sein wird, ist gestillt, alle Spielsachen sind ausprobiert und Ihr Kind realisiert, dass es von jetzt an jeden Tag „da hin“ soll und die Mutter nicht mehr ständig verfügbar ist. In diesem Fall hilft meist nur Konsequenz ohne große Ausnahmen. In schwierigen Fällen können Sie Ihrem Kind eine Belohnung in Aussicht stellen, wenn es eine Woche ohne „Theater“ in den Kindergarten gegangen ist, z. B. einen Ausflug oder zusätzliche Zeit zum Spielen oder Vorlesen. Falls Sie Ihr Kind doch einen Tag zu Hause lassen, deklarieren Sie diesen als „Verschnauf-Pause“, nach der Ihr Kind wieder in den Kindergarten geht, damit es nicht denkt, es wäre gescheitert.
  4. Angst, abgeschoben zu werden oder zu Hause etwas zu verpassen: Dies ist häufig der Fall, wenn vor kurzem ein neues Geschwisterchen geboren wurde oder ein kleineres Geschwisterkind noch zu Hause bei Mama bleiben darf. Behalten Sie Ihr Kind dann ruhig einen oder zwei Vormittage zu Hause und gehen Sie Ihrer gewohnten Routine nach. Lassen Sie Ihr Kindergartenkind bewusst etwas „links liegen“ und widmen Sie sich eingehend Ihrer Arbeit. So wird es vermutlich schnell erkennen, dass zu Hause gar nichts Spannendes passiert und es im Kindergarten viel interessanter ist.
  5. Ausnahmezustand zu Hause: Gab es einen Todesfall oder einen heftigen Streit in der Familie, traut sich Ihr Kind vielleicht gar nicht von zu Hause weg und will bei Ihnen bleiben. Dies gilt natürlich auch für freudige Ereignisse wie Ankunft der Großeltern oder Anschaffung eines Haustieres. Lassen Sie Ihr Kind dann ruhig einen Tag zu Hause. Sagen Sie ihm aber, dass die Ausnahme nicht zur Gewohnheit werden kann und es am nächsten Tag wieder in den Kindergarten gebracht wird.
  6. Probleme im Kindergartenalltag: Manches, was Erwachsenen als Kleinigkeit erscheint, ist für Kinder ein riesiges Problem. Hat Ihr Kind etwas kaputtgemacht oder etwas ausgeschüttet? Ist es beschämt, weil es beim Anziehen immer Letzter ist? In diesen Fällen hilft ein Gespräch mit der Erzieherin, da schon kleine Änderungen des Ablaufs innerhalb der Gruppe oder ein klärendes Gespräch mit Ihrem Kind viel bewirken können.
  7. Noch nicht kindergartenreif: Ist ein Kind gerade erst drei Jahre alt geworden, kann es durch den Alltag im Kindergarten schlicht überfordert sein. Dies gilt besonders für Einzelkinder, die noch wenig Erfahrung mit Gleichaltrigen haben. Fragen Sie die Erzieherin nach ihrer Einschätzung der Situation und zögern Sie ggf. nicht lange, Ihr Kind wieder aus dem Kindergarten zu nehmen. Lassen Sie es lieber ein halbes Jahr später mit verbesserten „Startchancen“ neu beginnen.

Mein Tipp: Ist Ihr Kind ein kleiner „Morgenmuffel“, lohnt es sich, abends die Schlafenszeit vorzuverlegen und dafür morgens eher aufzustehen. Ihr Kind kann dann in Ruhe „warmlaufen“, und Sie sind geduldiger, auch wenn Ihr Kind etwas langsam ist.

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