MenüMenü

Inneres Team: Treffen Sie mutig Ihre Entscheidungen – ohne „wenn und aber“

„Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“ wusste schon Goethe und beschrieb damit das innere Team. Verschiedene Stimmen melden sich immer dann zu Wort, wenn es um eine wichtige Entscheidung geht. Nur wenn Sie dieses Team richtig leiten, werden Sie mit den einmal gefällten Entschlüssen ohne „wenn und aber“ glücklich.

Fragezeichen© smartdesign - Fotolia

Mentale Stärke ist wichtig, wenn Sie im Beruf Höchstleistungen erbringen wollen und sollen. Denn nur wenn Sie mental ausgeglichen und stark sind, sind Sie auch in der Lage, Ihre eigentlichen Fähigkeiten abzurufen. Aber nicht immer können Sie souverän Ihre Leistung bringen. Daran sind „sich widersprechende Stimmen“ in Ihrem Inneren schuld, die mit ihren Einwänden dafür sorgen, dass Sie sich unsicher fühlen und dadurch Ihre Arbeit nicht mit Erfolg zu Ende bringen können.

Sehen Sie Ihr inneres Team als Chance, nicht als Störer

Diese inneren Stimmen, die über Ihren Erfolg oder Nicht-Erfolg entscheiden können, werden auch inneres Team genannt. Sie treten immer dann auf, wenn Sie sich mit einer anspruchsvollen Situation oder einer wichtigen Entscheidung konfrontiert sehen. Verstehen Sie dieses Team als eine Reihe von Beratern, die sich zu der aktuellen Situation äußern wollen – sowohl positiv als auch negativ.

Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie erhalten die Chance, beruflich für drei Monate ins Ausland zu gehen. Schwupps, schon melden sich in Ihnen lauter kleine Stimmen zu Wort. Da gibt es den Befürworter: „Das wolltest du doch schon immer machen, was für eine Chance!“, den Zweifler: „Bist du sicher, dass du dort zurecht kommen wirst?“ und den Miesmacher: „Lass es bloß sein, dass bringt dir nur Probleme.“ Dann gibt es vielleicht noch den Familienmenschen: „So lange von Partner und Kindern weg?“ und den Sicherheitsfanatiker: „Was in einem fremden Land so alles passieren kann …“

Und schon wissen Sie überhaupt nicht mehr, wie Sie sich entscheiden sollen – je mehr Stimmen in Ihnen sind, desto schwieriger wird die Entscheidung. Am einfachsten ist es sicherlich, auf die Stimme zu hören, die am lautesten schreit. Fraglich jedoch, ob Sie mit dieser Entscheidung glücklich sein werden. Wenn Sie allerdings wissen, wie Sie mit Ihrem inneren Team umgehen müssen, werden Sie manche Entscheidung anders und auch für Sie persönlich besser treffen.

So gehen Sie mit inneren Stimmen richtig um

  1. Teamgeist ist gefragt. Wichtig ist, dass Ihr inneres Team nicht nur so heißt, sondern ein wirkliches Team bildet. Für Ihr inneres Team gelten die gleichen Regeln, wie sie auch für ein reales Team, zum Beispiel im Berufsleben, gelten: Jede Stimme muss zu Wort kommen, jeder Stimme wird ruhig zugehört, jede Stimme ist gleich wichtig, Konflikte werden offen ausgetragen und nicht unterdrückt.
  2. Moderieren Sie Ihr Team. Sie sind als Kopf Ihres Teams gefragt: Sie müssen den Stimmen ruhig zuhören und sie ausreden lassen – auch wenn es Sätze sind, die Sie am liebsten verdrängen würden. Alle Ihre inneren Stimmen müssen in die Lösungssuche einbezogen werden. Nehme ich noch einmal mein Beispiel, sähe eine solche Moderation Ihrerseits vielleicht so aus: Fragen Sie den Zweifler, welche Fähigkeiten Ihnen fehlen, und den Miesmacher, an welche Probleme er konkret denkt. Auch den Sicherheitsfanatiker sollten Sie nach konkreten Beispielen fragen.
  3. Übernehmen Sie die Führungsrolle. Sie müssen Ihr inneres Team auch führen, zu lauten Stimmen Einhalt gebieten und aktiv nachforschen, wenn sich eine Stimme nicht zu Wort meldet: Hat sie nichts zu sagen oder wird sie von den anderen Stimmen übertönt?

Das sind die Mitglieder Ihres inneren Teams

Jeder Mensch hat eigene innere Stimmen; doch die Grundtypen sind bei allen Menschen gleich. Da gibt es

  • den Befürworter. Er begreift alles als Chance und fördert so Ihre persönliche Weiterentwicklung. Fehlt er, werden Sie beruflich und privat auf der Stelle treten. Ist er aber zu ausgeprägt, dann überfordern Sie sich schnell.
  • den Zweifler. Er überlegt 3-mal, ob etwas richtig für Sie ist, und ist die leise, mahnende Stimme in Ihrem Inneren. Ist er überdeutlich zu hören, dann stellen Sie alles in Frage und trauen sich nichts zu. Buttern Sie ihn aber unter, werden Sie zum Draufgänger und übersehen selbst deutliche Risiken.
  • den Familienmenschen. Er fragt Sie immer, was Ihr Lebenspartner und Ihre Kinder zu dieser Situation sagen. Darf er sich zu laut äußern, werden Sie sich zu Hause zurückziehen und Ihr Leben nur auf die Familie ausrichten. Fehlt diese Stimme, vernachlässigen Sie die Geborgenheit und den Halt, den Ihnen Ihre Familie gibt.
  • den Gesundheitsmenschen. Er ist Ihr gutes Gewissen Ihrem Körper gegenüber. Lassen Sie Ihn schreien, können Sie schnell zum Hypochonder werden, weil Sie sich in Krankheiten hineinsteigern. Fehlt er, treiben Sie langfristig Raubbau an Ihrer Gesundheit.
  • den Träumer. Er ist Ihre Fantasie und denkt sich alle möglichen und unmöglichen Pläne aus. Ist er zu laut, leben Sie nur in der Irrealität der Tagträume. Fehlt er, haben Sie keine Vision und kein Lebensziel.
  • die Eltern-Stimme. Sie übernimmt die Verantwortung für Ihr Handeln und warnt Sie vor Leichtsinn oder Unvernunft. Ist sie zu stark vorhanden, fühlen Sie sich in Ihrer Freiheit eingeengt. Fehlt sie, kann es sein, dass Sie jegliche Vernunft über Bord werfen und gedankenlos handeln.
  • den Genießer. Er lässt Sie die schönen Seiten des Lebens entdecken. Fehlt er, vergraben Sie sich nur in Arbeit und vergessen den angenehmen Ausgleich, zum Beispiel durch Urlaub. Ist er übermächtig, vergessen Sie schnell den Ernst des Lebens.

Erwecken Sie vernachlässigte Stimmen

Haben Sie ein paar Mal geübt, mit Ihren inneren Stimmen in den Dialog zu treten, werden Sie bald merken, dass Ihnen eine Entscheidungsfindung in vielen Situationen viel leichter fällt und auch viel schneller passiert. Bald werden Sie mit Ihrem inneren Team in wenigen Sekunden kommunizieren können. Sie werden aber auch aufmerksamer gegenüber fehlenden Stimmen sein. Horchen Sie in verschiedenen Situationen einmal in sich hinein. Wer macht sich bei Ihnen überhaupt nicht bemerkbar? Fehlt Ihnen vielleicht eine „Sicherheitsstimme“? Oder ist es der „Gesundheitsverantwortliche“, der nie das Wort ergreift? Meist haben Sie solche Stimmen zu lange überhört oder als „unwichtig“ abgetan. Solch eine Ungleichgewichtung Ihres inneren Teams sollten Sie so schnell wie möglich abstellen. Dies passiert, indem Sie die fehlenden Stimmen direkt ansprechen. Fragen Sie sich zum Beispiel ganz konkret: „Was hält meine Gesundheitsstimme davon, dass ich so wenig Sport treibe?“ Wenn Sie sich so um vernachlässigte Team-Mitglieder kümmern, werden diese auch bald wieder im allgemeinen Konzert der inneren Stimmen mitmischen.

So kommen Sie mit Ihrem inneren Team zu einer einvernehmlichen Lösung

Kennen Sie durch einen Dialog – einen inneren oder schriftlichen – die wahren Befürchtungen Ihrer inneren Stimmen, können Sie eine Lösung finden, der alle zustimmen können. Im obigen Beispiel können Sie den Zweifler überzeugen, indem Sie vorher noch einen Sprachkurs machen und so seine Bedenken ausräumen. Befassen Sie sich mit jeder Stimme einzeln, und Sie werden feststellen: Einige Bedenken Ihres inneren Teams sind einfach zu lösen, so wie die Ängste des Zweiflers in meinem Beispiel.

Bei anderen Stimmen müssen Sie sich entscheiden: Kann ich das Argument meiner inneren Stimme übergehen, ist es so banal, dass ich es nicht zu berücksichtigen brauche? So arbeiten Sie nach und nach alle Einwände ab, bis Sie in der Lage sind, eine Pro- und Contra-Liste zu erstellen, in der Sie die Argumente festhalten, die dafür und die dagegen sprechen. Anhand dieser Liste nehmen Sie dann eine Gewichtung der einzelnen Argumente vor – und entscheiden sich dann. Diese Gewichtung sollte aber rein auf Ihre persönlichen Werte und auf Ihre Gefühle bezogen sein.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

Regelmäßig Informationen über Psychiatrie erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Dr. med. Michael Spitzbart. Über 344.000 Leser können nicht irren.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben!