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Endlich Loslassen: So klappt es bestimmt!

Am Beginn unseres Lebens ist Bindung existentiell notwendig, denn auf sich selbst gestellt könnte ein Baby nicht überleben. Daher ist uns das Streben nach Nähe, Sicherheit und Vertrautem auch in die Wiege gelegt worden. Das Abschiednehmen und Loslassen müssen wir dagegen im Laufe unseres Lebens erst lernen. Daher fällt es den meisten Menschen leichter, an Negativem festzuhalten als durch Loslassen unbekanntes und vermeintlich unsicheres Ufer zu betreten. Wir halten z. B. fest an:

  • einem Partner, der uns schlecht behandelt oder unsere Bedürfnisse missachtet
  • der Trauer um einen verlorenen Partner
  • dem Hadern wegen vertaner Chancen
  • unseren Kindern
  • einer Wohnung, in der wir uns nicht wohlfühlen
  • einem Arbeitsplatz, an dem wir gemobbt werden, unter- oder überfordert sind
  • dem Wunsch nach ewiger Jugend und Gesundheit
  • ungesunden Gewohnheiten
  • negativen Gefühlen wie Schuld und Groll

Dadurch tragen wir ständig einen großen Ballast mit uns herum, der uns auf Dauer krank macht. Die Folge können u. a. ein geschwächtes Immunsystem, Schlafstörungen oder auch eine Depression sein.

Wir wissen es ja tief im Innersten selbst: Es wäre wirklich besser, Menschen, Gefühle und Dinge, die uns belasten, ein für alle Mal zu verabschieden. Doch dann kommen meistens unweigerlich Gedanken, die uns daran hindern, die Einsicht auch in die Tat umzusetzen. Denn die Angst vor dem Unbekannten lässt uns am Gewohnten festhalten.

Mit diesen Gedanken verhindern Sie Veränderungen:

  • „Das schaffe ich nicht.“
  • „Wie soll es denn dann weitergehen?“
  • „Dann bin ich ganz alleine.“
  • „Was ich habe weiß ich, was ich bekomme nicht.“
  •  „Das ist alles so ungerecht.“
  • „Ich habe doch sonst nichts.“
  • „Das verzeihe ich Dir nie.“

Loslassen ist eine gesunde Anpassung an eine Lebenssituation oder ein Ereignis. Das heißt, Sie akzeptieren zunächst, dass etwas passiert ist, das Sie sich nicht gewünscht haben. Dabei ist dieses Akzeptieren keine Kapitulation, sondern eine bewusste Entscheidung zur Befreiung von schädlichen Einflüssen.

Um Loslassen zu können, sollten Sie akzeptieren, dass:

  • nicht alles im Leben so verläuft, wie Sie es gerne hätten
  • Sie kein Recht auf eine besondere Behandlung vom Schicksal haben
  • alles im Leben begrenzt und dadurch erst wertvoll ist
  • Leid auch zum Leben gehört
  • das Leben ungerecht sein kann
  • man manchmal nur gewinnen kann, wenn man auf etwas verzichtet

Wenn Sie es geschafft haben, das Unvermeidliche zu akzeptieren, helfen Ihnen die folgenden vier Schritte bei der Ablösung.

  1. Ziehen Sie Bilanz. Schreiben Sie in Stichworten auf, welche negativen und welche positiven Aspekte z. B. der Mensch, die Arbeit oder die Wohnung haben, die Sie belasten. Überprüfen Sie dann, was Sie gewinnen und was Sie verlieren, wenn Sie loslassen.
  2. Entwickeln Sie Ihr Ziel. Um nicht im Alten zu verhaften, benötigen Sie ein lohnenswertes Ziel. Malen Sie sich in leuchtenden Farben aus, wofür es sich lohnt, Neues zu wagen.
  3. Bauen Sie Vertrauen auf. Loslassen ist nicht nur ein Ende sondern vor allem ein Neuanfang. Führen Sie sich vor Augen, dass Ihre missliche Situation kein gottgewolltes Schicksal ist und dass Sie es selbst in der Hand haben, für eine Veränderung zum Positiven zu sorgen. Vertrauen Sie darauf, dass es eine Lösung gibt, und dass Sie es schaffen, Ihre Situation zu verändern.
  4. Verabschieden Sie sich. Sagen Sie sich nun. „Ich bin bereit für den Neuanfang.“ Verzeihen Sie eventuelle Kränkungen, und danken Sie für das Positive, dass Sie z. B. durch den Menschen erleben durften, von dem Sie sich nun innerlich verabschieden. Vollziehen Sie die Ablösung ohne Groll und in Frieden.

Wenn Sie dann den Ablösungsprozess geschafft haben, werden Sie wahrscheinlich ganz erleichtert denken: „Das hätte ich schon viel früher tun sollen!“

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Über den Autor Beate Rossbach

Dies ist das Profil von Beate Rossbach, Chefredakteurin von „Naturmedizin Aktuell“ und „Natur & Gesundheit“. Lesen Sie hier alles über sie:

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Alte Kommentare
  • elke maria aichinger schrieb am 13.08.2014, 09:01 Uhr

    Sehr hilfreich, danke!

  • Sarah Forum schrieb am 13.08.2014, 09:24 Uhr

    Ihre Hinweise sind sehr gut - gehen leider nicht auf das " WIE macht man das..." ein . Welche unterdrückten oder gar unbewussten Gefühle sind der Grund für mangelndes Loslassen-Können bzw. Vertrauen in die Zukunft ...? Wie erkenne und wie genau erlöse ich sie ? Erst danach kann Loslassen erfolgen. Herzlichen Dank für eine ausführliche Antwort - gern als mail oder im newsletter. Viele Grüße Sarah

  • Mandakini Hausmann schrieb am 13.08.2014, 09:35 Uhr

    Hallo Frau Rossbach, Das Thema losslassen kommt wie gerufen und ich finde ihre unterstützenden Worte sehr hilfreich auch sehr passend für meine Freundin die gerade in einer schwiereigen Lebenssituation ist , Danke. Ich freue mich auf ihre Themen. liebe Grüße Mandakini Hausmann

  • Irmgard Christel Müller schrieb am 13.08.2014, 10:15 Uhr

    Loslassen, so klappt es...... So einfach ist es ohne professionelle Hilfe leider nicht. Ich habe Jahre versucht alleine damit zurecht zu kommen. Mir auch die positiven und negativen Dinge aufgeschrieben und sie verglichen. Menschen die mir nicht gut taten aus meinem Leben zu streichen. Dann kamen gravierente Erkrankungen bei mir hinzu wo ich dann ins Krankenhaus kam. Dort wurde mir erst klar gemacht, dass ich alleine nicht aus den Depressionen herauskommen. Bis zu dem Punkt hatte ich an die Depressionen nicht gedacht, habe mir immer gesagt, dass meine "Stimmungschwankungen" von alleine weggehen. Nun bin ich bereits seid fast 4 Jahren in Therapie wobei es mir langsam immer besser geht. Und obwohl ich dort sehr viel gelernt habe kommen doch immer wieder negative Gedanken in mir hoch. Die Ratschläge bzw. Tipps, die Sie geben, sind wunderbar und ich kann sie mir auch sehr gut annehmen aber wie schon gesagt, ohne professionelle Hilfe ist es kaum möglich aus diesen Kreislauf alleine herauszukommen. Liebe Grüße I.-C. Müller

  • Isa Albrecht schrieb am 13.08.2014, 11:45 Uhr

    yup das sind ganz gute Ansätze...was ich hier als Schwierigkeit wahrnehme ist....dass wir alle Mühe haben patterns und Gewohnheiten loszuwerden... hierfür aber leider kaum ein training irgendwas nützt...wenn wir uns nicht wirklich mit uns selber auseinandersetzten! Das kann man wunderbar mit einem Buch genannt*Die Weisheit des Enneagrams* von Don Richard Riso und Ross Hudson, dann sich mal das Don Miguel Ruiz Prinzip ansieht.... ;-) und last but not least....geht es um Bewussheit..... und Auflösung unserer Kindheitsverletzungen und antrainierten Verhaltensmustern....alles was mich am anderen stört... mag ich eigentlich nicht an mir!!! Sonst würde es mir ja nicht auffallen ;-)... Btw. da gibt es auch einen wunderbaren Augenöffner, seines Zeichens Diplompsychologe Robert Betz, dieser bringts knallhart als Fakten... und in vielen Dingen hat er Recht... aber eben jeder muss sich für seinen Weg entscheiden.... nur durch Bewusstheit können wir Dinge auflösen und verändern.... erst wenn unsere Seele bereit ist zur Veränderung... können wir loslassen! LG von Isa-M.Albrecht Orthomed-NutriGenomics Schweiz

  • wilfried kohl schrieb am 13.08.2014, 12:29 Uhr

    Eine sehr wertvolle "Gebrauchsanweisung" Eine schriftliche + / - Aufgliederung habe ich auch oft für andere Problemlösungen niedergeschrieben; sehr hilfreich für eine Entscheidungsfindung. Danke für Ihre Bestätigung Wilfried Kohl

  • Mariana schrieb am 13.08.2014, 19:42 Uhr

    Ist das Leben ungerecht? -oder müssen wir einfach nur das tragen, was wir verursacht haben? In Gedaken - Gefühlen und Worten? Es grüßt Sie Mariana.