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Die Seele heilen mit Kunsttherapie: Gestalten ohne Worte

Die Kunsttherapie ist eine noch sehr junge und fachübergreifende Therapieform. In ihr fließen Elemente der Tiefenpsychologie, der Pädagogik und der ganzheitlichen Sichtweise der anthroposophischen Lehre zusammen. In jedem Fall will die Kunsttherapie kranken Menschen die Möglichkeit eröffnen, sich über das Gestalten ohne Worte auszudrücken. Mit Hilfe des erfahrenen Therapeuten können innere Empfindungen, Ängste oder auch krisenhafte Prozesse über Farben, Formen und Materialien sichtbar gemacht und verarbeitet werden.

In welchen Situationen hilft die Kunsttherapie?

Zum Einsatz kommen bei der Therapie Elemente der Malerei, des Zeichnens, der plastischen Gestaltung und der Fotografie.

Der Therapeut begleitet den Gestaltungsprozess

Kunsttherapeuten arbeiten sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich. Dabei können sie unter anderem sowohl in Krankenhäusern, Tageskliniken und Hospizen als auch in Altenheimen, Reha-Zentren und Selbsthilfeprojekten sowie in privaten Praxen tätig sein. Die Therapie wird meistens in Form einer Gruppentherapie, seltener als Einzeltherapie durchgeführt. Ursprünglich kommen die Therapeuten aus psychologischen, pädagogischen sozialen oder künstlerischen Berufsgruppen und haben sich dann an Fachhochschulen weiterqualifiziert.

Die Aufgabe des Kunsttherapeuten ist es, die Patienten in ihrem Gestaltungsprozess zu begleiten, sie anzuregen, zu ermutigen und als kompetenter Gesprächspartner Impulse zu geben. Durch das gemeinsame Arbeiten entstehen neue Möglichkeiten der Kommunikation und im therapeutischen Gespräch während der kreativen Arbeit können neue Bewältigungsstrategien entwickelt werden.

Kunsttherapie erhöht die Lebensqualität Demenzkranker

In den letzten Jahren wird die Kunsttherapie auch verstärkt in Pflegeeinrichtungen für Demenz-Patienten angeboten, denn sie erreicht die Patienten auf der emotionalen Ebene. So ermöglicht der Umgang mit Pinsel und Farben Gefühle und Gedanken auszudrücken, die mit Worten nicht mehr ausgedrückt werden können.

Dabei passiert es nicht selten, dass beim Malen Erinnerungen an das frühere Leben nach oben kommen. Dann erzählen die Patienten beim Malen von früher, von ihrer Familie und von Freunden, auch wenn sie sonst kaum noch sprechen. Insgesamt erreicht die Kunsttherapie, dass demente Menschen aus ihrer Vereinsamung geholt werden und ihre Wahrnehmung erweitert wird. Erstaunlicherweise erkennen sogar schwer demente Menschen ihre eigenen Bilder wieder, auch wenn sie in mehreren Therapiestunden daran arbeiten.

Kein künstlerisches Talent erforderlich!

Die meisten Patienten hatten seit ihrer Kindheit keinen Pinsel oder Zeichenstift mehr in der Hand. Daher sind viele zunächst gehemmt und fürchten, dass ihr „Werk“ belächelt werden könnte. Doch hier geht es nicht um künstlerisches Talent, sondern vielmehr um einen inneren Prozess, der durch das kreative Gestalten sichtbar und erkennbar gemacht wird.

Leider gehört die Kunsttherapie bis heute nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen und muss daher als IGeL-Leistung mit etwa 20 bis 40 Euro pro Sitzung in der Gruppe und mit bis zu 100 Euro für eine Einzelstunde selbst bezahlt werden. Wenn die Kunsttherapie allerdings im Rahmen einer Ergotherapie durchgeführt wird, zahlen auch die Krankenkassen.

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Über den Autor Beate Rossbach

Dies ist das Profil von Beate Rossbach, Chefredakteurin von „Naturmedizin Aktuell“ und „Natur & Gesundheit“. Lesen Sie hier alles über sie:

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