Depression: Was hilft am besten?
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10 bis 20 % aller Deutschen leiden irgendwann einmal unter Depressionen. Dann ist es keine Schande, sich helfen zu lassen. Im Gegenteil: Sich zu seiner Krankheit zu bekennen, ist ein Zeichen von Stärke. Glücklicherweise gibt es heute viele Therapiemöglichkeiten, doch die Auswahl fällt nicht immer leicht. Dieser Beitrag bahnt Ihnen den Weg durch den Therapiedschungel und stellt Ihnen drei hoffnungsvolle, aber noch weitgehend unbekannte Behandlungsmöglichkeiten vor.
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Depressionen sind alles andere als selten, sondern mittlerweile sogar die häufigste Ursache für eine Erwerbsminderung. Im Jahr 2004 haben sie die Rückenschmerzen überholt, die bis dahin jahrelang die Statistik anführten. Jeder von uns hat weniger gute Tage, an denen er sich niedergeschlagen und mutlos fühlt, das ist völlig normal. Aus solchen leichten Stimmungstiefs helfen oft schon etwas Entspannung oder ein positives Gespräch mit Partnern und Freunden (siehe Kasten unten). Wer dagegen an einer echten Depression leidet – also nicht einfach nur ein vorübergehendes Stimmungstief hat –, dem ist mit solchen einfachen Maßnahmen meist nicht geholfen.
Mögliche Anzeichen einer Depression sind:
Psychische:
- niedergedrückte Stimmung
- Verlust des Selbstvertrauens
- Angst
- Antriebslosigkeit oder quälende Unruhe
- Konzentrationsstörungen
Körperliche:
- Appetitlosigkeit
- Schlafstörungen
- Hitzewallungen
- Erschöpfung
- sexuelle Unlust
Volkskrankheit Depressionen
Experten schätzen, dass 10 bis 20 % aller Deutschen im Lauf ihres Lebens mindestens einmal an einer Depression erkranken.
Auslöser einer Depression sind meist Stress, Überlastung oder Verluste, beispielsweise der Tod einer nahe stehenden Person, die Trennung vom Lebenspartner oder die Kündigung des Arbeitsplatzes.
Die Ursachen sind nicht endgültig geklärt
Über die Ursachen einer Depression herrscht noch weitgehend Unklarheit. Untersuchungen haben zwar gezeigt, dass bei vielen depressiven Menschen die Gehirnbotenstoffe Serotonin und Noradrenalin nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen. Sie sorgen u. a. für eine positive Stimmung und erhöhen die geistige Aktivität. Die Frage ist allerdings, ob dieser Mangel tatsächlich die Ursache oder lediglich die Folge der Erkrankung ist.
Diese Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:
Psychologische Verfahren:
- ärztliches Gespräch
- psychologische Beratung
- Psychotherapie
Biologische Verfahren:
- Medikamente
- Lichttherapie
- Bewegungstherapie
- Elektrokrampftherapie
Für welche Methode sich Ihr Therapeut entscheidet, hängt von der Art und der Schwere der Depression ab. So ist beispielsweise bei einer saisonal abhängigen Depression (Winterdepression)eine Lichttherapie wirkungsvoll. Bei einer so genannten „endogenen“ Depression, die von äußeren Bedingungen unabhängig ist und sozusagen aus dem Nichts kommt, wird zunächst medikamentös behandelt. Ist die Erkrankung dagegen die Reaktion auf ein negatives Ereignis, wird Ihr Arzt es zuerst mit einer Psychotherapie versuchen.
Antidepressiva: Die Wirksamkeit ist umstritten
Früher lag das Schwergewicht der Psychotherapie auf klassischen tiefenpsychologischen Verfahren (z. B. Psychoanalyse nach Freud oder Jung). Doch diese Therapien können sich teilweise über Jahre hinziehen, weil das gesamte Vorleben des Patienten aufgerollt werden muss. Wesentlich schneller kommen dagegen modernere Verfahren wie die Verhaltens und die Gesprächstherapie auf den Punkt. Hier wird weniger „in der Vergangenheit gekramt“ als eher zukunftsorientiert nach raschen Lösungen gesucht.
Als Alternative oder zur Begleitung einer Psychotherapie steht heute eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, z. B. so genannte trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder MAO-Hemmer (das sind Hemmstoffe der Monoaminooxidase, eines Enzyms, das für den Abbau von Botenstoffen im Gehirn verantwortlich ist). Diese Medikamente haben jedoch oft starke Nebenwirkungen.
Mögliche Nebenwirkungen von Antidepressiva sind:
- ständige Müdigkeit
- Zunahme des Appetits
- Mundtrockenheit
- Impotenz
- Blutdruckabfall
In letzter Zeit sind die Antidepressiva stark in die Kritik geraten. Einige Experten zweifeln generell ihre Wirksamkeit an. In Fachkreisen gilt es als „schmutziges kleines Geheimnis “, dass ihre heilenden Wirkungen im Vergleich zu Scheinmedikamenten (Placebos) zumindest sehr gering sind. Zu ihrer starken Verbreitung hätte eher aggressives Marketing beigetragen. Sie sollten sich also nie allein auf diese Mittel verlassen.
Bei leichteren Depressionen ist es ohnehin ratsam, auf die natürliche und nebenwirkungsarme Alternative Johanniskraut zurückzugreifen. Tun Sie das jedoch nur unter ärztlicher Kontrolle.
Drei neue Verfahren machen wieder Mut
Leider bleiben die gängigen Behandlungsformen bei fast 10 % der Patienten ohne Erfolg. Doch für sie gibt es drei neue Therapieoptionen. Das erste Verfahren ist die so genannte transkranielle Magnetstimulation. Bestimmte Hirnareale werden dabei schmerzfrei einem Magnetfeld ausgesetzt und können so ihre normale Funktion wieder aufnehmen. Beim zweiten Verfahren handelt es sich um die so genannte Vagusnerv-Stimulation. Den Patienten wird dauerhaft ein elektrischer Stimulator (ähnlich einem Herzschrittmacher) implantiert, der den Vagusnerv aktiviert und so für eine ausgeglichenere Stimmungslage sorgt.
Eine ähnliche Therapieform – die „Tiefe Hirnstimulation “ – wird derzeit an der Universität Bonn erprobt. Dabei werden den Patienten winzige Elektroden ins Gehirn eingesetzt, die seine Aktivität ebenfalls umstimmen sollen. Falls Sie interessiert sind, an dieser Studie teilzunehmen (Voraussetzung: Sie leiden seit mindestens 2 Jahren an einer Depression, und alle Therapieversuche waren bislang erfolglos), können Sie sich unter den Telefonnummern 0 22 8/287 14 51 oder 287 96 63 informieren.
Wichtig ist auf jeden Fall, dass Sie als Betroffener oder Angehöriger die Hoffnung auf Heilung nie aufgeben. Denn erfahrungsgemäß können Therapien, die in der Vergangenheit erfolglos waren, bei einem zweiten Versuch zu einem späteren Zeitpunkt eine durchgreifende Besserung bringen.