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Depression: Effektive Linderung durch Elektrokonvulsionstherapie (EKT)

Entgegen den Vorurteilen bei vielen Menschen gilt die elektrokonvulsive Therapie im Allgemeinen als wirksam und sicher. Tatsächlich ist sie immer noch ein Mittel der letzten Wahl bei der Behandlung der schweren Depression. Allerdings gilt dies nicht für jeden Patienten. Wann ist sie wirklich angebracht? Forscher haben einen Weg gefunden, dies zu erkennen.

Viele Arten von Depressionen können wir heute gut behandeln. Immerhin bei zwei Dritteln aller Patienten verschwinden Antriebslosigkeit, innere Leere und andere Beschwerden oder lassen sich zumindest sehr weit reduzieren. Aber bei einem Drittel der Erkrankten schlagen weder Psychotherapie noch Antidepressiva an. Bei diesen Patienten wird dann oft die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) genutzt, auch als Elektrokrampftherapie bezeichnet. Die Patienten werden unter Narkose gesetzt. Dann wird Strom genutzt, um im Gehirn künstliche Krampfanfälle auszulösen. Bei immerhin 70 Prozent der Patienten, die vorher nicht behandelbar waren, hilft diese Behandlungsmethode. Doch wie funktioniert sie und bei welchen Patienten schlägt sie an? Diese Fragen waren bisher nicht zu beantworten.

EKT regt Bildung von Nervenzellen an

Forscher des Universitätsklinikums Münster haben nun herausgefunden, welche Wirkungsweise hinter der EKT steckt. Sie haben Patienten im Magnetresonanztomografen beobachtet, während sie behandelt wurden. Die Patienten erhalten dabei eine leichte Betäubung. Ein kleiner elektrischer Strom fließt für ein bis zwei Sekunden durch Ihr Gehirn. Dieser Reiz sorgt für eine kontrollierte Zuckung. Sie wachen nach fünf bis zehn Minuten auf und ruhen für etwa eine halbe Stunde.

Die Stromstöße sorgen dafür, dass es im Hippocampus zur Bildung neuer Nervenzellen kommt. Bei diesem Hippocampus handelt es sich um einen Gehirnbereich, in dem Menschen, die unter Depressionen leiden, deutlich weniger graue Gehirnsubstanz aufweisen, als Menschen, die gesund sind. Aber der Hippocampus ist eine wichtige Gehirnregion, wenn es darum geht, Informationen zu verarbeiten und auch, um diese speichern zu können.

MRT hilft, Erfolg der Therapie zu erkennen

Die MRT-Aufnahmen zeigten aber nicht nur, was im Gehirn passiert, wenn die Elektrostimulation angewandt wird. Die Forscher entdeckten auch endlich die Antwort auf die Frage: „Wem hilft diese Therapie eigentlich?“. Die Forscher hatten sich mit Informatikern zusammengetan, die ein Computerprogramm entwickelt haben. Dieses hilft dabei, die MRT-Bilder der Patienten-Gehirne auszuwerten.

So konnten die Wissenschaftler mit einer Trefferquote von 80 Prozent vorhersagen, bei wem die Behandlung anschlug und bei wem nicht. Dies kann extrem weiterhelfen, denn eine EKT ist umfangreich. Es handelt sich um durchschnittlich zwölf Sitzungen, bei denen die Patienten unter Narkose mit Strom behandelt werden. In Zukunft kann man so bei Patienten, bei denen man davon ausgeht, dass die EKT nicht wirkt, direkt eine andere Therapie versuchen, ohne sie rund zwölfmal einer Narkose auszusetzen.

Vergessen Sie die Bilder aus alten Filmen

Der Elektroschockbehandlung haftet ja immer noch etwas Grauenhaftes an. Bedingt ist das vielleicht durch alte Horrorfilme oder ähnliche Filmproduktionen. Allerdings ist Angst vor dieser Behandlungsweise unangebracht. Denn diese Filmszenen treffen heute natürlich lange nicht mehr zu. Durch eine Anwendung unter Narkose, bei der die Muskeln komplett erschlaffen, ist die EKT längst nicht mehr so belastend. Zudem treten nur recht selten Nebenwirkungen auf. Es bleibt das normale Risiko, wie es für jede Narkose gilt. Zu Nebenwirkungen wie Gedächtnisstörungen oder Kopfschmerzen durch die EKT kommt es nur sehr selten, außerdem sind diese vorübergehend. Die häufigste Nebenwirkung ist Verwirrung, die einige Minuten oder Stunden anhält.

Diese Behandlung ist normalerweise für Patienten gedacht, die nicht auf Medikamente angesprochen haben. Sie kann die einzige Methode sein, um depressive, alte Menschen zu behandeln, oder solche, die auf Grund einer Herzerkrankung keine Medikamente nehmen können.

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