Depression: Einführung
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In den ersten Wochen nach dem Tod seiner Frau konnte Wilhelm kaum über sie sprechen. Nach 47 gemeinsamen Jahren hatte er Angst davor, durch das Sprechen die Stimme seiner Frau zu „verscheuchen”, die immer noch in seinem Kopf war. Also fing er an, ein Tagebuch zu führen. Diese Seiten enthüllen einen Weg des „erfolgreichen” Trauerns, von Verzweiflung bis zum ersten Hoffnungsschimmer.
„Alles ist schwer,” schrieb er. „Ich fühle mich, als ob jemand auf meinem Brustkorb steht. Beim Laufen merke ich plötzlich, dass ich atmen muss. Und ich muss immer seufzen.”
„Am Anfang dachte ich, es wäre ein Herzinfarkt. Aber es sind die Schultern. Sie schmerzen, weil ich ständig versuche, sie hochzuziehen.”
„Wenn ich aufwache, gibt es einen Moment, an dem ich mich frage, ob die Trauer wiederkehrt: Sie ist nicht mehr da. Dann dehnt es sich über meinen Körper aus wie ein schweres Gewicht.”
Ein paar Monate später lautet der Eintrag: „Das Leben ist manchmal schon ein bisschen rauh, aber es geht schon besser.” Und auf den letzten Seiten: „Ich habe draußen einen Baum und 100 Petunien gepflanzt. Johanna hätte die Petunien schon vor Wochen in der Erde gehabt, aber jetzt ist es getan, und das Haus sieht hübsch aus.”
Und bald darauf hören die Einträge auf.
Belastende Lebenssituationen wie der Tod eines Lebensgefährten, eine Krankheit oder Behinderung können den Alltag sehrmühsam werden lassen. Häufig finden die Menschen einen Weg, um diese schweren Zeiten zu überwinden. Aber manchmal kann ein Verlust oder eine tief greifende Änderung zu Depressionen führen: Ein klinischer Zustand, der sowohl die Seele als auch den Körper beeinflussen kann.
Mehr als 16 Millionen Deutsche leiden an Depressionen. Bei Einigen werden sie durch eine belastende Lebenssituation ausgelöst. Bei anderen scheinen sie spontan aufzutreten, ohne dass ein erkennbarer Grund vorliegt.
Was auch immer der Auslöser sein mag: Eine Depression ist weit mehr als Trauer oder ein bisschen „Weltschmerz”. Sie ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die einen schrecklichen Tribut von Individuen und Familien fordern kann. Unbehandelt kann eine Depression eine Abwärtsspirale in Gang setzen, aus der Behinderung, Abhängigkeit und Selbstmord resultieren können. Bis zu 70% aller Menschen, die Selbstmord begehen, leiden wahrscheinlich an einer Form der Depression.
Glücklicherweise hat es in den letzten 10 Jahren deutliche Fortschritte bei der Behandlung der Depression gegeben. Es gibt neue Medikamente, die sicher und effektiv sind – sogar gegen die schwersten Depressionen. Mit der richtigen Behandlung kommen die Menschen häufig schon innerhalb weniger Wochen aus Ihrem Seelentief heraus und können wieder ihr normales Leben führen.