Depression: Eine exakt bestimmbare Krankheit
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Sie haben eine Depression immer für eine Form von Schwäche gehalten – und dass man mit der richtigen Einstellung und Selbstdisziplin alles überstehen kann. Wenigstens galt das für Sie bis letzten Monat, als bei Ihrer Schwester – meist eine sehr fröhliche Person – eine Depression festgestellt wurde und die Behandlung begann.
Jetzt, nachdem Sie mit ihr gesprochen haben und die neuen medizinischen Möglichkeiten kennen, haben Sie Ihre Meinung geändert. Sie haben gelernt, dass die Depression tatsächlich eine schwere, manchmal sogar lebensbedrohliche Erkrankung darstellt. Menschen mit einer Depression sind nicht einfach traurig, schwach oder melancholisch. Sie leiden unter einer klar umrissenen und behandelbaren Krankheit.
Was bei einer Depression im Gehirn passiert
Eine Depression ist eine Erkrankung des Gehirns, die Ihre Gedanken, Gefühle, Stimmungen, Verhalten und körperliche Gesundheit beeinträchtigt. Früher galten solche Störungen häufig als „eingebildet“. Wenn Sie sich nur zusammenreißen würden, könnten Sie sich davon befreien. Aber heutzutage wissen Ärzte, dass Depression keine Schwäche ist, und dass Sie sich nicht selbst behandeln können. Es ist eine organische Erkrankung, die biochemische Ursachen hat.
Die exakten Ursachen einer Depression sind immer noch unklar. Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass die Erkrankung mit einem Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn, den so genannten Neurotransmittern, verbunden ist. Dieses Ungleichgewicht wird möglicherweise durch genetische und umweltbedingte Faktoren wie Stress oder körperliche Krankheiten ausgelöst. Andere Faktoren, die zu einer Depression beitragen können, sind bestimmte Medikamente und Drogenmissbrauch.
Bild gebende Verfahren wie zum Beispiel die Kernspintomographie zeigen, dass Menschen mit einer Depression eine verringerte Aktivität in bestimmten Hirnregionen im Vergleich zu Menschen ohne Depression aufweisen. Das deutet darauf hin, dass eine Depression mit einer veränderten Funktion bestimmter Nervenzellen in Verbindung steht.
Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass in Deutschland mehr als 10% aller Personen im Laufe ihres Lebens eine behandlungsbedürftige Depression durchleben – bei Frauen werden Depressionen im Durchschnitt doppelt so oft wie bei Männern diagnostiziert. Aber nur ein kleiner Prozentsatz wird behandelt. Das mag an falscher Scham oder Mangel an Akzeptanz liegen. Depressionen sind ebenso häufige Begleiter von Erkrankungen älterer Menschen wie Herzschwäche, Schlaganfall, Diabetes, Krebs, Alzheimer-Demenz, Parkinson-Krankheit sowie Schilddrüsenerkrankungen und andere hormonelle Störungen.