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Burnout-Syndrom: Nutzen Sie den Formel-1-Reflex

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Übersichtsseite Burnout-Syndrom

Wussten Sie, dass zwei Drittel aller Menschen, die berufstätig sind, so unter Stress stehen, dass sie auch in ihrer Freizeit nicht abschalten können? Das nimmt Ihnen auf Dauer nicht nur den Spaß am Leben. Die ständige Überflutung Ihres Körpers mit Stresshormonen kann Sie krank machen, zum Beispiel zu Herzinfarkt führen. Dabei gibt es einen ganz einfachen Trick, dem Stress zu entgehen und der Seele Pausen zu verschaffen: den Formel-1-Reflex.

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Stress ist eine uralte Reaktion, er existiert, seit es Leben auf der Erde gibt. Früher, in der Steinzeit, diente er zur Selbsterhaltung. Stand der Steinzeitmensch einem Säbelzahntiger gegenüber, den er nicht angreifen konnte, schüttete der Körper Adrenalin aus. Dieser Adrenalinüberschuss ließ nur eine mögliche Reaktion zu: tief einatmen, dadurch die Muskulatur mit Sauerstoff versorgen, Muskeln anspannen und wegrennen, und zwar so schnell wie möglich. War die Flucht gelungen, war durch die Bewegung auch das Adrenalin abgebaut.

Heute können Sie dem Stress nicht mehr einfach so weglaufen, zumindest nicht gleich in dem Moment, in dem er entsteht. Beruf, Haushalt oder andere Zwänge hindern Sie meistens daran. Entspannung verspricht Ihnen in diesem Fall mein Formel-1-Reflex.

Was ist der Formel-1-Reflex?

Der Formel-1-Reflex hat seinen Namen nicht nur daher, dass er so schnell anzuwenden ist und rasch Wirkung zeigt wie ein Autorennen. Er kommt tatsächlich aus der Formel 1. Die Fahrer stehen während eines Rennens unter enormem Stress. Um dann einen klaren Kopf zu behalten, wenden sie die einfache Technik, „ausatmen und Schultern senken“an. So verspüren sie sofort Entspannung und bauen das Stresshormon Adrenalin ab. Dieser Reflex wirkt aber nicht nur am Steuer eines Formel-1-Boliden. Sie können ihn auch in Ihrem Alltag einsetzen. Ich zeige Ihnen im Folgenden, worauf Sie dabei achten müssen.

Unter Stress atmen Sie falsch

Adrenalin löst in Ihrem Körper einen Atemreflex aus. Unter Anspannung atmen Sie hektisch ein und vor allem nicht ausreichend lange aus. Sie fangen an zu „hecheln“und nehmen schnell zu viel Sauerstoff zu sich, den Sie aber nicht wieder ausatmen.

Diesem unbewussten Reflex erliegen Sie mehrfach täglich. Irgendwo fällt etwas um, oder das Telefon klingelt: Sie erschrecken sich und atmen hektisch ein. Sie müssen etwas dringend erledigen, kommen unter Zeitdruck –und atmen schneller.

In vielen Situationen werden Sie heute immer etwas mehr ein- als ausatmen. Jeden Tag ein bisschen. Das führt auf Dauer zu einem Sauerstoffüberschuss in Ihrem Blut.

Zu viel Sauerstoff „frisst“ Ihr Kalzium

Ihr Körper ist zwar in der Lage, den Sauerstoffüberschuss abzubauen, indem er den pH-Wert Ihres Blutes leicht anhebt. Leider wirkt sich das Anheben des pH-Wertes aber an anderer Stelle negativ aus. Jedes Mal, wenn Ihr pH-Wert steigt, sinkt auch Ihr Kalziumspiegel im Blut. Er kann innerhalb von Sekunden rapide absinken. Das passiert fast jeden Tag.

Kalzium ist das schnelle Stresssalz und wirkt in ausreichender Menge beruhigend. Fehlt es Ihnen, hat das ernsthafte Folgen: Ihr Nervenkostüm wird immer angekratzter. Sie sind

  • immer nervöser,
  • von Tag zu Tag empfindlicher und
  • immer schreckhafter.

So gelangen Sie in einen Teufelskreis, der schließlich zu Migräne, Kreislaufproblemen, Magenkrämpfen und sogar Herzstolpern führen kann.

Ihre Muskeln werden bei Stress sauer

Stress lässt Ihre Muskeln verkrampfen. Beobachten Sie sich einmal selbst: Wenn Sie unter Stress stehen oder sich erschrecken, ziehen Sie automatisch Ihre Schultern hoch. Ihre Schultermuskeln leisten unter Stress somit den ganzen Tag Schwerstarbeit, da sie immer ein bisschen angespannt sind. Nicht viel, vielleicht nur zu 50 % ihrer Normalkraft.

Für den Muskel ist es aber egal, ob er nur zu 50 % angespannt ist: Von der Sauerstoffversorgung ist er dann zu 100 % abgeschnitten. Denn durch die Anspannung werden die Blutgefäße zugedrückt. Es gelangt kein Sauerstoff mehr in den Muskel. Dadurch entsteht Milchsäure, die den Muskel langsam sauer werden lässt.


Milchsäure macht Sie schlapp

Milchsäure bleibt aber nicht nur im Muskel –vor allem dann nicht, wenn Sie sich die Verspannungen wegmassieren lassen. Nach und nach sickert die Milchsäure ins Blut. Die Folge: Sie werden müde. Das ist übrigens auch ein Grund, warum Sie bei langen Autofahrten müde werden. Im stressigen Straßenverkehr spannen Sie ständig Ihre Muskeln an. Die dabei entstehende Milchsäure sorgt dann für die Autofahrermüdigkeit.

Achten Sie am Schreibtisch oder im Auto einmal selbst darauf. Sie werden feststellen, dass Sie Ihre Schultern fast immer nach oben ziehen. Übrigens: Dies ist auch ein Steinzeit-Fluchtreflex. Wurde der Steinzeitmensch von einem wilden Tier angegriffen, versuchte er beim Weglaufen durch das Hochziehen der Schultern seine Halsschlagader zu schützen. Sie wird von wilden Tieren immer als Erste gerissen, damit die Beute ausblutet. Dieser Schutzreflex ist uns ebenfalls bis heute erhalten geblieben.

Entspannen Sie durch langsames Atmen …

Wenn Sie unter Stress stehen, brauchen Sie zweierlei: zum einen Kalzium, zum anderen aber müssen Sie sich eine andere Atmung und Haltung angewöhnen. Dazu sollten Sie sich erst einmal Ihrer Atmung bewusst werden. Wissen Sie eigentlich, dass es reicht, 4mal pro Minute zu atmen? Unglaublich, vor allem weil der durchschnittliche Mensch 16-mal pro Minute atmet. Probieren Sie es aus: Nehmen Sie sich eine Uhr und atmen Sie fünf Minuten lang genau viermal pro Minute ein und aus. Sie werden nach diesen fünf Minuten schon einen Effekt spüren: lange nicht waren Sie so entspannt. Sie fühlen sich ruhig und gelassen.

… und setzen Sie einen Gegenreflex

Mit dieser kleinen Atemübung haben Sie schon erfahren, wie gut es tut, wenn Sie langsam und bewusst atmen. Versuchen Sie jetzt, in stressigen Situationen bewusst langsam zu atmen. So verringern Sie die Ausschüttung von Adrenalin deutlich. Zudem setzen Sie damit bewusst einen Gegenreflex zum hektischen Stressatmen.

Einen zweiten Gegenreflex können Sie setzen, indem Sie auf Ihre Muskulatur achten. Lassen Sie in Stress-Situationen bewusst die Schultern fallen. Sie werden merken, dass in diesem Moment etwas Wunderbares passiert: Sie entspannen im gesamten Körper. Alles wird locker und leicht.

Der Formel-1-Reflex zeigt sofort Wirkung –das ist das Schöne an dieser Entspannungsart. Und Sie können Ihn überall anwenden –im Straßenverkehr, im Büro oder auch zu Hause.

Ausatmen und Schultern fallen lassen

In der Hektik des Alltags vergisst man oft, sich bewusst zu entspannen. Damit Sie den Formel-1-Reflex nicht aus den Augen verlieren, schreiben Sie sich einen Zettel, auf dem in Großbuchstaben „AUSATMEN UND SCHULTERN FALLEN LASSEN“ steht. Ich habe sogar Visitenkarten, auf denen dieser Satz aufgedruckt ist. Stellen Sie diesen Zettel jetzt dahin, wo Ihr größter Stressor ist. Vielleicht ist es die geschlossene Tür, weil Sie sich immer erschrecken, wenn jemand anklopft. Kleben Sie diesen Zettel dann an die Tür. Oder Sie pappen ihn ans Telefon. Vielleicht auch unter den Rückspiegel im Auto, wenn der Straßenverkehr Ihr Hauptstressor ist. Tritt dann eine stressige Situation ein, sehen Sie „AUSATMEN UND SCHULTERN FALLEN LASSEN“–und Sie tun es.

Schon kann der Stress Sie nicht mehr angreifen: Sie kommen gelassen durch den Alltag.

In 4 Wochen sind Sie völlig entspannt

Schnell werden Sie den Formel-1-Reflex schätzen lernen. Denn er ist nicht nur praktisch und schnell anzuwenden. Sie brauchen nichts Neues zu lernen oder sich mit einer komplizierten Entspannungstechnik zu befassen. Nach einigen Tagen werden Sie merken, dass es Ihnen leichter fällt, in Stress-Situationen aus- statt einzuatmen. Und spätestens nach einem Monat werden Sie die Zettel nicht mehr brauchen. Jetzt haben Sie verinnerlicht, dass Sie in StressSituationen ausatmen und die Schultern senken. Und haben damit den ersten Schritt zu einem enspannteren Leben getan. Herzlichen Glükwunch!

Röntgenbild einer Lunge

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