Burnout-Syndrom: Erkennen und Gegensteuern
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Wenn Sie sich vor lauter Aktivität und Sorgen seelisch total verausgabt haben und nur noch funktionieren, zieht der Körper oft die Notbremse und signalisiert Erschöpfung.
Erschöpfung, die den Alltag nicht mehr bewältigt – dieser seelisch-körperliche Zustand, der einer Krankheit verdächtig nahekommt, ist schon lange bekannt. Seit etwa 25 Jahren hat er einen Namen, der aus dem Amerikanischen kommt: das „Burnout-Syndrom“, das Gefühl, ausgebrannt zu sein. In Amerika wurde dieses Leiden auch zuerst erforscht. Zunächst glaubte man, es beträfe vor allem Männer, Manager zumal oder Politiker, und Ausübende der helfenden Berufe wie Ärzte, Krankenschwestern, Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen.
Überwiegend weiblich
Bald wurde jedoch klar, daß auch erstaunlich viele Frauen darunter leiden, die keineswegs alle in Führungspositionen oder den helfenden Berufen tätig sind. Das Burnout-Syndrom scheint sich immer mehr unter Frauen breit zu machen und dabei keine Alters-stufe zu verschonen. Zwanzigjährige gehen oft bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, weil sie in der Berufswelt aufsteigen und gleichzeitig gesellschaftlich aktiv und akzeptiert sein wollen. Dreißigjährige fühlen sich verpflichtet, berufliche und mütterliche Aufgaben gleichermaßen vorbildlich zu erfüllen. Frauen in den Vierzigern und darüber sind seelisch und körperlich erschöpft, weil sie schon so lange Höchstleistungen vollbringen; sie hungern nach Anerkennung und erleben, daß dies alles selbstverständlich sein soll. Nur wenige dürfen auf Dauer von ihren Männern die gleiche Unterstützung und Fürsorge erhoffen, die diese von ihren Frauen erwarten und meist auch erhalten.
„Irgendetwas stimmt mit mir nicht. Nie bin ich einmal ganz entspannt. Meine Gedanken kreisen wie Mühlräder in meinem Kopf. Ich stelle im Geist Listen auf, mache mir dauernd Sorgen, überlege, was ich besser machen kann. Jedes kleine Ereignis löst bei mir Hektik aus. Das ist doch verrückt!“
Änderungen des Lebensstils sind zunächst utopisch
„Ich habe mich noch nie in meinem Leben so ausgelaugt gefühlt. Ich gebe und gebe und fühle überhaupt nichts mehr. Ich komme mir vor wie eine Maschine. Ich habe mich nicht mehr im Griff. Ich will nur noch in Ruhe gelassen werden.“
Finden Frauen wegen einer Burnout Erschöpfung in eine psychotherapeutische Sprechstunde, wollen sie sich selten heilen. Vielmehr erwarten sie, daß sie nach der Therapie so weiter machen können wie bisher, nur mit neuer Kraft. Nach den Beobachtungen von Therapeuten lautet ihr Hauptanliegen: „Wie kann ich besser werden?“ Sie fragen nicht: „Wie kann ich mit meinen seelischen Kräften besser haushalten?“
Zwischen den Mahlsteinen verschiedener Anforderungen werden natürlich auch Männer zerrieben. Doch scheint es vielen Frauen noch schwerer zu fallen, sich abzugrenzen. Sie fürchten, die Liebe oder Achtung der anderen – Eltern, Partner, Kinder, Chef, Kolleginnen und Kollegen – zu verlieren. Das hängt nicht zuletzt mit ihrer Erzie-hung zusammen, die selbst heute noch Mädchen den Leitsatz vermittelt: Wenn du lieb bist, dann wirst du lieb gehabt.
Frauen sind stolz auf ihre vielen Rollen. Dabei wird es für sie immer schwieriger zu entscheiden: Welcher Aufwand ist nötig? Was ist zu viel? Was muß ich wirklich selbst machen? Nur so ist es zu erklären, warum sich so viele Frau-en zu ihren doppelten und dreifachen Belastungen mit Familie, Beruf, Kranken- und Altenpflege auch noch ein schlechtes Gewissen aufhalsen (lassen), wenn sie dabei nicht stets Gelassenheit und gute Laune an den Tag legen. Sie versuchen, es allen recht zu machen – außer sich selbst.
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