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Wie Sie mit der täglichen Angst fertig werden

„Angst essen Seele auf“ – an diesem Zitat aus dem gleichnamigen Fassbinder-Film ist viel Wahres dran. Die Angst warnt Sie vor einer Gefahr. Wenn Sie aber ständig schwarz in die Zukunft sehen und Angstgefühle empfinden, blockieren Sie sich selbst und genießen Ihr Leben nicht mehr.

Viele Menschen scheuen sich davor, Ihr Leben nach Ihren eigenen Wünschen zu gestalten. Natürlich gibt das niemand zu. Die offiziellen Gründe sind fehlendes Geld, familiäre Verpflichtungen, der Job oder das Alter. „Ich würde ja gerne, aber andere Menschen lassen mich nicht.“ Egal ob „die anderen“ Kinder, Eltern, Vorgesetzte, Politiker oder Partner sind, sie tragen immer und für alles die Schuld. In Wirklichkeit steckt hinter diesen Sätzen eine unbegründete Angst vor dem Unbekannten und vor einer neuen Situation. Diese irreale Angst ist nicht harmlos. Sie entwickelt sich unter Umständen zu einer großen Blockade Ihrer geistigen Fähigkeiten. Des Weiteren gilt sie als Stressfaktor für Ihren Körper, der Sie krank macht.

Arten der Angst

Angst ist nicht gleich Angst. Sie tritt in vielen Facetten auf. Einige dieser Angstfacetten sind:

  • Phobien: Eine krankhafte Angst vor Situationen (z. B. Fliegen), Sachen (z. B. Aufzügen) oder Tieren (z. B. Spinnen). Die Betroffenen versuchen vermeiden den Angstauslöser.
  • reale Angst: Sie tritt in einer Situation auf, in der Ihnen Gefahr droht. Hier kommt der Angst eine Warnfunktion zu und sie schützt Sie dadurch sogar vor Schaden.
  • irrreale Angst: Menschen mit irrealer Angst malen ihre Zukunft in düsteren Farben. Sie fürchten sich vor Situationen, die nur in ihren Gedanken existieren. Dazu gehört zum Beispiel die Ablehnung durch andere Menschen. Zukunftsangst und ständige Schwarzmalerei gehören zur Gruppe der irrealen Ängste.

Zu viel Angst macht dumm

Übermäßige Angst macht in erster Linie dumm. Eine kanadische Studie der Universität in Vancouver bewies wissenschaftlich, wie sehr Angst das Gehirn lähmt. Die Forscher stellten eine Gruppe von Studenten zusammen, die vorher bei Intelligenztests immer hervorragend abschnitten. Diesen hochbegabten jungen Menschen suggerierte man, dass der Studienleiter sie für absolute Versager hielt. Zudem drohte man ihnen mit schlechten Zensuren und Auswirkungen auf ihre weitere Studienlaufbahn.

Obwohl die Studenten wussten, dass sie über ein hohes Leistungsvermögen verfügen und immer gute Ergebnisse abliefern, verfielen sie in irreale Angst. Das Resultat: Selbst die sonst selbstbewussten Studenten ließen sich von diesen Drohungen einschüchtern. Sie alle wurden Opfer ihrer Angst. Ihr Körper schüttete Adrenalin aus, ihr Blutdruck erhöhte sich und ihr Denkvermögen war gehemmt. Obwohl sie längst an ihrer Doktorarbeit schrieben, lösten die ängstlichen Studenten einfache Aufgaben nicht mehr.

Vergessen Sie die Angst und Sie werden kreativ!

Dass es auch anders geht, zeigte der zweite Teil des Versuchs. Hier gehörten Oberstufenschüler der Studiengruppe an, die in der Schule unterdurchschnittliche Leistungen brachten und vor jeder Prüfung Angst empfanden. Diese Schüler bekamen gesagt, dass sie aufgrund ihrer Erfahrungen in der Schule am besten geeignet seien, um den Schwierigkeitsgrad des Tests richtig zu beurteilen.

Man sicherte Ihnen zu, dass sich ihre Mitarbeit in einer sehr guten Zeugnisnote und einer lobenden Erwähnung bei ihren Lehrern unabhängig vom Ergebnis niederschlägt. Sie sollten versuchen, die Aufgaben zu lösen und Vorschläge zur Verbesserung des Tests anzubringen. Die ermunterten Schüler lösten die Aufgaben schnell und fehlerfrei. Darüber hinaus kamen viele kreative Verbesserungsvorschläge auf.

Irreale Angst als Energie-Vampir

Diffuse Ängste durch Schwarzmalerei in Ihrem Kopf saugen wie ein Vampir die Energien aus. Sie führen kein erfolgreiches und glückliches Leben, wenn Sie ständig Panik davor haben, älter oder krank zu werden. Wenn Sie fürchten, dass man Sie diskriminieren, ausnutzen oder betrügen könnte.

Sicherlich haben Sie ein Beispiel parat, warum Ihre Befürchtungen begründet sind. Man hat Sie in der Vergangenheit einmal bestohlen, schikaniert oder gemobbt. Und da das passiert ist, könnte es Sie wieder treffen. Aber: Die Angst hindert Sie daran, frei zu leben und das Hier und Jetzt zu genießen.

Irreale Angst macht Sie krank

Leider unterscheidet der Körper nicht zwischen realer Angst und der Schwarzmalerei in Ihrem Kopf. In beiden Situationen reagiert er auf dieselbe Art. Ihr Körper schüttet Stresshormone aus. Handelt es sich um unbegründete Panikmache, dann setzen Sie diese Hormone nicht in Handlungen um. Wie sollte das auch funktionieren? Sie handeln nicht, wenn sich Ihre Angst um zukünftige Geschehnisse dreht.

Solche Angst vor der Zukunft wirkt sich in der Gegenwart aus. Ihr Herz schlägt schneller. Ihr Blutdruck steigt, die Atemfrequenz erhöht sich und Sie atmen hechelnd und flach. Dafür schalten Verdauung und Stoffwechsel auf Sparflamme um und Ihre Muskeln verspannen sich dauerhaft. Darüber hinaus schränkt die Angst Ihre Gedankenwelt ein. Sie stellen sich die angsteinflößenden Situationen vor, obwohl diese weder jetzt existieren noch in Zukunft zu erwarten sind. Stattdessen blenden Sie alles aus, was die Wirklichkeit ausmacht und denken nicht mehr klar.

Übung gegen Schwarzmalerei

Sicherlich ist es nicht einfach, aus irrealen Ängsten herauszukommen. Es ist aber nicht unmöglich. Die Hauptsache: Sie müssen es wollen und selbst aktiv werden, indem Sie dagegen angehen. Eine Möglichkeit stellt diese Übung gegen Schwarzmalerei dar:

  • Wenn Sie das nächste Mal Panik vor der Zukunft überkommt, stehen Sie auf. Stellen Sie sich entspannt hin und atmen Sie. 10- bis 15-mal atmen Sie tief ein und aus. Begeben Sie sich hinaus ins Freie. Am besten wäre es, wenn Sie auf eine Wiese gehen. Vielleicht an einen Ort, wo sie keiner beobachtet.
  • Fangen Sie an zu springen und zu rennen. Bewegen Sie sich wie ein Kind, völlig ungezwungen und frei.
  • Nun schauen Sie sich um. Betrachten Sie Ihre Umwelt. Was sehen Sie: Bäume, Häuser, Menschen? Auf welchem Boden stehen Sie?
  • Lauschen Sie. Welche Töne herrschen vor? Sind es Vögel oder der Autolärm einer Straße?
  • Fühlen Sie. Spüren Sie den Boden? Den Wind, wie er Sie berührt?
  • Mit dieser neu erfahrenen Wirklichkeit gehen Sie in Ihren Alltag zurück. Auch hier veränderte sich einiges durch Ihre andere Sichtweise. Wie viel Schönes, Angenehmes, Nettes umgibt Sie. Genießen Sie die Dinge um Sie herum. Fragen Sie sich: Warum soll mir in einer so schönen Welt etwas Böses passieren?
  • Machen Sie diese Übung immer wieder. Sobald Sie die irreale Angst überkommt, löst sie sich nach und nach auf.

Das gilt auch für Ihren Kontakt zu anderen Menschen: Wenn Sie vorurteilsfrei auf sie zugehen, sehen Sie andere plötzlich mit neuen Augen. Dies gilt auch, wenn Sie ihnen vorher misstrauisch oder ablehnend gegenübertraten. Sie merken: für Schwarzseherei gibt es keinen Grund mehr. Und Sie fühlen sich viel befreiter.

Weitere Strategien zur Angstbewältigung

Wenn die Angst Sie überfällt, wenden Sie folgenden Strategien an:

  • Werden Sie aktiv – Finden Sie heraus, was Ihnen Angst macht, und gehen Sie es an. Wenn Ihnen beispielsweise Finanzen Sorgen machen, erstellen Sie einen Budgetplan.
  • Lassen Sie los – Leben Sie nicht in der Vergangenheit. Ändern Sie, was Sie können, und lassen Sie dem Rest seinen Lauf.
  • Durchbrechen Sie den Kreis – Wenn die Angst Sie überkommt, machen Sie einen flotten Spaziergang oder konzentrieren Sie sich auf ein Hobby, um herauszukommen.
  • Achten Sie auf sich selbst – Gönnen Sie sich genug Ruhe, ernähren Sie sich ausgewogen, bewegen Sie sich körperlich und nehmen Sie sich Zeit zum Entspannen. Meiden Sie Koffein und Nikotin. Beide verstärken die Angst. Ertränken Sie die Angst nicht im Alkohol und suchen Sie keinen Ausweg mit nicht verordneten Medikamenten.
  • Sprechen Sie mit jemandem – Teilen Sie Ihre Probleme einem Freund oder einer professionellen Person mit. Sie helfen Ihnen, eine Perspektive zu entwickeln.
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