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Angstzustände und wie Sie diese überwinden können

Angst ist ein lebensnotwendiges Gefühl: Es schützt uns davor, dass wir uns in Gefahr begeben bzw. verleiht uns in gefährlichen Situationen ungeahnte Kräfte, sodass wir uns wehren oder fliehen können. Dann bauen sich die im Körper ausgeschütteten Stresshormone wieder ab und die Angst löst sich auf.

Doch immer häufiger verselbständigt sie sich und die Betroffenen empfinden Angst, obwohl objektiv  keine Bedrohung besteht. In diesem Fall wird die schützende Angst zur lähmenden Angst. Etwa jeder zehnte Deutsche kennt solche übersteigerten Ängste, das sind immerhin 8 Millionen Menschen.

Sie fürchten sich etwa vor Spinnen, Schlangen, großen Menschenmengen, Fahrstühlen oder dem Fliegen. Die Ängste schränken das gewohnte Leben erheblich ein, blockieren es nicht selten und führen so zu Isolation und Einsamkeit.

Angst in unterschiedlichen Erscheinungsformen

Chronische Ängste verbergen sich häufig hinter unspezifischen körperlichen Beschwerden, die nicht sofort auf eine Angsterkrankung schließen lassen. Nach einer Studie des Münchner Max-Planck-Insituts für Psychiatrie aus dem Jahr 2000 dauert es im Durchschnitt sieben Jahre, bis die wirkliche Ursache identifiziert ist.

Bis dahin rennen die Patienten oft genug verzweifelt von Arzt zu Arzt, der aber nichts Körperliches finden kann. Diese Symptome weisen auf eine Angsterkrankung hin:

Dazu kommen häufig noch Derealisationserlebnisse: Den Menschen erscheint die Umgebung für Sekunden bis einige Minuten unwirklich, in weiter Ferne oder wie hinter einer Glasscheibe.

Panikattacken: Die Angst ohne erkennbaren Grund

Panikattacken sind plötzlich auftretende starke Angstanfälle, bei denen vor allem Herzrasen, Schwindel, Schweißausbrüche, das Gefühl zu ersticken und Ohnmachtsgefühle für wenige Minuten mit aller Macht über den Betroffenen hereinbrechen.

Das passiert meist in der Öffentlichkeit, beispielsweise in einer Warteschlange, in der U-Bahn, im Fahrstuhl, im Restaurant oder im Kino. Viele trauen sich nach einigen solcher Attacken aus Angst vor der Angst kaum noch aus dem Haus, greifen oft zu Alkohol oder Beruhigungsmitteln.

Ein medizinisches Problem, das in der Familie häufiger auftreten kann

Angst hat auch eine körperliche Komponente. Wenn ein Angstzustand auftritt, setzt der Körper Hormone frei, um sich auf eine mögliche Gefahr vorzubereiten – die „Kampf- oder Flucht“- Reaktion. Wenn die Angst außer Kontrolle gerät, kann diese Reaktion dauerhaft ablaufen, auch in Momenten der Ruhe.

Warum das so ist, ist noch unklar. Vermehrter Stress kann Angstzustände auslösen. Sie können auch durch eine Kombination von körperlichen und Umweltfaktoren hervorgerufen werden. Angstzustände treten familiär gehäuft auf. Auch sind einige Persönlichkeitstypen anfälliger für Angstzustände als andere.

Generalisierte Angststörung: Die große Angst vor allem

Wer unter einer generalisierten Angststörung leidet, lebt dauernd in Angst und zwar gewissermaßen vor allem, kaum übertrieben gesagt: vor der Fliege an der Wand. Etwa fürchten die Betroffenen Unfälle, die ihren Angehörigen widerfahren könnten, oder sie haben Angst, die Ansprüche ihrer Vorgesetzten nicht erfüllen zu können.

Sehr häufig ängstigen sie sich vor schweren Krankheiten und werten jede kleine Unpässlichkeit als ernstes Anzeichen einer tödlichen und unausweichlichen Erkrankung und glauben keinem Arzt. Diese Menschen leiden unter einer generalisierten Angststörung (GAS), die ihnen den ganzen Tag zur Qual macht und sie am Einschlafen hindert.

Spezifische Phobien: Die Angst vor bestimmten Dingen

Bei einer spezifischen Phobie richtet sich die Angst auf ein bestimmtes Objekt oder eine Situation. Zu den häufigsten spezifischen Phobien zählen:

  • Aerophobie = Flugangst
  • Arachnophobie = Spinnenangst
  • Akrophobie = Höhenangst
  • Klaustrophobie = Angst in engen Räumen
  • Agoraphobie = Angst auf großen Plätzen

Heute sind über tausend verschiedene spezifische Phobien bekannt.

Zwangsleiden: Der Drang, Handlungen zu wiederholen

Während Panikpatienten oft wenigstens noch Mitgefühl erleben, sind Menschen mit einer Zwangsstörung oft bitterem Spott ausgesetzt. Die Betroffenen fühlen den nicht kontrollierbaren Zwang in sich, bestimmte Rituale immer wieder und wieder vollziehen zu müssen.

Hände waschen beugt Infektionen vor.

Aus Angst vor Unreinheit „müssen“ sie sich beispielsweise ständig die Hände waschen, die Wohnung von oben bis unten putzen oder immer wieder kontrollieren, ob sie Herd oder Bügeleisen ausgeschaltet haben. Das kann den ganzen Tag in Anspruch nehmen.

Dabei wissen sie ja selbst, dass beispielsweise ihr ständiges Händewaschen nach einem bestimmten Ritual oder die ewigen Kontrollgänge, ob nun wirklich Herd und Licht ausgeschaltet sind, eigentlich überflüssig sind. Aber sie können einfach nicht anders.

Nur wenn sie diesem inneren Zwang nachgeben, können sie sich sicher fühlen. Eine relativ neue Ausprägung der Zwangshandlungen ist das selbstverstümmelnde Verhalten, dem vor allem junge Frauen zum Opfer fallen.

Die gute Nachricht: Die krankhafte Angst können Sie wieder „verlernen“

Da es sich bei der übersteigerten Angst um ein erlerntes Verhalten handelt, das mit dem lebensnotwendigen Angstreflex nichts mehr zu tun hat, können Sie sich dieses glücklicherweise auch wieder abtrainieren. Bei Angsterkrankungen ist eine Verhaltenstherapie die aussichtsreichste Behandlungsmethode.

Dabei setzen sich die Patienten zunächst in Begleitung eines Psychologen gezielt sowie wieder und wieder den angstbesetzten Situationen aus: Sie fahren U-Bahn, gehen ins Kaufhaus, schreiten über große Plätze oder nähern sich den gefürchteten Spinnen.

Mit der Zeit lernen sie dabei, dass trotz ihrer Angst nichts passiert und ihre Angst unrealistisch ist. Schritt für Schritt gewinnen sie dadurch ihr Selbstbewusstsein zurück und verlernen schließlich die phobischen Ängste. Ausgesprochen erfolgreich ist dieses schrittweise Konfrontationstraining auch bei speziellen Phobien:

Zuerst betrachtet der Patient zum Beispiel Fotos von Spinnen. Dann schaut er sich echte Spinnen aus der Ferne an. Am Ende können die meisten Patienten die langbeinigen Tierchen ohne Panikgefühle sogar vorsichtig berühren. Ein solches Angstentwöhnungstraining dauert zwischen 5 und 20 Sitzungen.

Für Panikpatienten werden auch mehrtägige Intensivtrainings angeboten. Die Erfolgsquote beträgt nach Angaben der Christoph-Dornier-Stiftung in Dresden, die dieses Intensivtraining vor etwa 15 Jahren in Deutschland einführte, bis zu 80 Prozent. Leichte Ängste können Sie auch selbst mit einem Verhaltenstraining in Eigenregie in den Griff bekommen.

Entspannungsübungen unterstützen die Therapie

Gezielte Entspannung nimmt Ihren Angstattaken ebenfalls die Spitze und unterstützt Ihre Psychotherapie. Autogenes Training, Atemtherapie und Biofeedback helfen Ihnen dabei, sich selbst und Ihren Gefühlen wieder zu vertrauen.

Unter Umständen ist eine (zusätzliche) Gesprächstherapie bei einem Arzt für Psychotherapie, einem Diplom-Psychologen oder Ihrem Verhaltenstherapeuten (wenn dieser ein Diplom-Psychologe ist) sinnvoll. Hier können Sie noch nach tiefer liegenden Ursachen für Ihre Ängste forschen und diese somit von allen Seiten bekämpfen. Die Kosten für diese Gesprächstherapie trägt in der Regel die Krankenkasse.

Warum Medikamente am Anfang äußerst hilfreich sind

Menschen mit starken Ängsten brauchen häufig am Anfang medikamentöse Hilfe, um eine Psychotherapie beginnen zu können. Hier sind tri- und tetrazyklische Antidepressiva (mit den Wirkstoffen Imipramin und Clomipramin) sowie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) geeignet.

Diese lösen die Angst und hellen die Stimmung auf. Diese Mittel bergen im Gegensatz zu den ebenfalls anfänglich eingesetzten Beruhigungsmitteln (Benzodiazepinen) keine Suchtgefahr. Die Benzodiazepine sind bei akuten Zuständen oft nötig, weil sie sofort wirken. Antidepressiva hingegen wirken erst nach rund zehn Tagen.

Bei älteren Menschen reicht oft eine geringere Dosis, weil ihr Stoffwechsel langsamer arbeitet. Pflanzliche Mittel können in weniger schweren Fällen oder zur Begleitung der Therapie eine gute Alternative sein. Bis vor kurzem war die Kava-Kava-Wurzel ein beliebter pflanzlicher Angstlöser.

Wegen der Gefahr von schweren Leberschädigungen ist jedoch derzeit von einer Einnahme dringend abzuraten. Melisse, Baldrian und Hopfen wirken entspannend. Ist die Angst mit leichten bis mittelschweren Depressionen verbunden, kann auch Johanniskrautextrakt aus der Apotheke helfen.

Die empfohlene Tagesgesamtdosis liegt je nach Präparat bei 750 bis 900 mg, verteilt auf mehrere Einzeldosen. Orientieren Sie sich am besten an den Einnahmehinweisen in der Packungsbeilage. Auch Präparate mit dem Wirkstoff L-Tryptophan sind mit ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung bei Ängsten gut einsetzbar.

Am besten fragen Sie Ihren behandelnden Arzt danach. Bitte runden Sie Ihr Anti-Angst-Programm unbedingt ab, indem Sie sich regelmäßig bewegen, gesund essen, ausreichend schlafen und versuchen, Ihre Sozialkontakte wieder aufzubauen. Auch wenn Sie schon seit Jahren von Ihren Ängsten gequält werden: Es ist nie zu spät, sich von ihnen zu befreien.

So verlernen Sie Ihre Ängste

Verhaltenstherapeutische Ansätze können Sie auch in Eigenregie anwenden:

  • Stellen Sie sich bewusst angstbesetzten Situationen.
  • Versuchen Sie, diese so lange wie möglich auszuhalten.
  • Spüren Sie, wie Ihre Angst langsam nachlässt.
  • Bleiben Sie im Hier und Jetzt. Denken Sie nicht daran, was alles passieren könnte.
  • Freuen Sie sich über jeden kleinen Fortschritt und belohnen Sie sich.

Musik von Bach wirkt angstlösend

Musik beeinflusst den Kreislauf, das Herz und die Stimmung. Das ist schon seit langem bekannt. Doch nun wollten Forscher der Ruhr-Universität Bochum herausfinden, welche Musik besonders gut für medizinische Anwendungen geeignet ist und ob man Musik vor operativen Eingriffen als eine Art Prämedikation einsetzen kann.

Für ihre Studie wählten die Wissenschaftler 372 Patienten aus, die kurz vor einem operativen Eingriff standen. Ein Teil von ihnen erhielt ein angstlösendes Beruhigungsmittel (Midazolam), der andere Teil hörte als Operationsvorbereitung Musik.

Die Wirkung der beiden Maßnahmen wurde anhand eines Angst-Indexes ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass die mit Musik vorbehandelten Patienten sowohl vor als auch nach der Operation deutlich weniger Angst hatten als die Patienten aus der Medikamentengruppe.

Weitere Untersuchungen ergaben, dass unterschiedliche Musikrichtungen auch unterschiedliche Wirkungen haben. So reicht z. B. schon das 10 Sekunden lange Hören einer Bachkantate aus, um den Blutdruck und die Gefäßspannung längerfristig zu senken. Das Hören einer Beethoven-Symphonie habe diesen Effekt nicht.

Anhand ihrer Testreihen fanden die Bochumer Forscher eine Art „Hitliste“ von Musikarten, die sich günstig auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. So erläuterte der Direktor der Kardiologischen Universitätsklinik der Ruhr-Universität: „Am günstigsten wirkt Bach, schwächer wirksam sind Mozart und Strauss“.

Die neuen Studienergebnisse eröffnen auch neue Perspektiven zur Behandlung mit Musik. So könne es durchaus sinnvoll sein, Patienten auf Intensivstationen Bach oder Mozart vorzuspielen, um ihnen Ängste zu nehmen und ihr Herz-Kreislauf-System zu beruhigen.

 

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