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Ärger und Zorn - was Sie dagegen tun können

Ein Indianer kennt keinen (seelischen) Schmerz! Wer heute noch nach diesem Satz lebt und seine Zähne zusammenbeißt, wenn es stressig wird oder in der Seele weh tut, riskiertgesundheitliche Schäden.

Ärger birgt gesundheitsschädliche Risiken

Sich manchmal zu ärgern, ist normal. Dies gilt insbesondere, wenn ein bestimmtes Ereignis den Zorn auslöst und Sie ihn in Grenzen halten können. Für einige Menschen sind Zorn und Feindseligkeit tief verwurzelte Gewohnheiten oder Charaktereigenschaften.

Sie fühlen sich zu häufig, zu intensiv und zu lange zornig. Das ist nicht gut für die Gesundheit. Zorn löst eine Reihe von Reaktionen im Körper aus. Das Herz rast und der Blutdruck steigt. Die Muskeln spannen sich an und die Arterien erweitern sich, um mehr Blut zu transportieren.

Der Körper ist bereit zu reagieren mit einem „Kampf- oder Flucht“-Reflex. Darüber hinaus setzt er Stresshormone wie Adrenalin oder Noradrenalin frei. Mit der Zeit führen extrem hohe Spiegel zur Entstehung von gefäßverstopfenden Substanzen (arteriosklerotische Plaques oder Ablagerungen).

Des Weiteren können diese direkten Schaden am Herzmuskel anrichten und den Herzrhythmus stören. Stresshormone erhöhen die Gerinnungsneigung des Blutes.

Herzkrankheiten möglich

Einer neuen Studie zufolge kann Zorn zur Ablösung arteriosklerotischer Plaques führen, die die Arterien zur Versorgung des Herzens unter Umständen blockieren. Das kann zum Herzinfarkt und zum plötzlichen Tod führen.

Tatsächlich ist das Risiko eines plötzlichen Herzinfarktes bei Personen mit einem hohen Grad an Aggression oder Zorn auf das Dreifache erhöht. Der stille Zorn ist auch nicht gesünder, da die unterdrückte Aggression eventuell einen hohen Blutdruck und Depressionen verursacht.

Unterdrückte Wut macht krank

Es gibt Menschen, die mit Wut und Ärger schlechter umgehen können als andere. In einer Studie der Harvard-Universität beobachteten Forscher 1.305 Männer im Durchschnittsalter von 61 Jahren. Alle drei bis fünf Jahre baten sie die Männer zu Herzuntersuchungen, Blutdruckmessungen und einem großen Blutbild.

Die Männer waren am Anfang der Studie gesund und kein Wert war erhöht. Nach einer Phase von sieben Jahren entwickelten die ersten 110 Männer schwere Herzerkrankungen. Diejenigen, die bei den Untersuchungen als besonders aggressiv oder depressiv auffielen, erkrankten dabei am häufigsten.

Aggressives Verhalten steigert die Gefahr, an einem Hirnschlag zu erkranken oder zu sterben. Das Risiko eines plötzlichen Herztodes ist für aggressive Männer um 50 Prozent höher.

Anti-Ärger-Strategie: Schäumt Ihnen vor Wut die Galle?

Etwas macht uns rasend, wir spucken Gift und Galle und der Ärger schlägt uns auf den Magen. Der Volksmund ist voll von solchen Sprüchen, die deutlich machen, dass unkontrollierter Ärger an der Entwicklung von Krankheiten beteiligt ist. Wenn Sie aber einmal „Ihren“ Ärgertyp erkannt haben, können Sie sich mit der richtigen Strategie vor Bluthochdruck und Magengeschwüren schützen.

Ärger_Wut© xalanx – Fotolia

Mensch ärgere Dich nicht – und wir tun es doch. Die Psychologie unterteilt dabei in zwei Typen:

  1. Der „Vesuv-Typ“ oder auch Anger-Out-Typ. Diese Menschen sind im Extremfall als Choleriker bekannt und lassen ihre Wut ungefiltert heraus. Sie verraten sich häufig durch heftige Rötung des Gesichts, der Blutdruck steigt dramatisch an. Geschieht dies sehr oft, heftig und über Jahre, so ist eine Schädigung des Herzens und der Gefäße kaum zu vermeiden.
  2. Der zweite Typ ist „der stille Leider“; der Anger-In-Typ. So nennt man Menschen, die den Ärger „in sich hineinfressen“, bei denen der Druck ein innerliches Kochen erwirkt und vor allem der Magen oft dauerhaft rebelliert. Häufig wird bei entsprechender Veranlagung auch die Redewendung in die Tat umgesetzt: Die Wut im Bauch wird mit Nahrungszufuhr bekämpft, eine spezielle Variante des Frust-Essens, die oft mit extremem Übergewicht endet, mit der so genannten Fettsucht. Auch von Gallenproblemen wird in diesem Zusammenhang immer wieder berichtet.

Ein Herumdoktern an den Symptomen kann nicht die Lösung sein …

Diesen beiden Mechanismen ist eins gemeinsam: Wenn sich ärgerliche Ereignisse häufen und wenn dem Ärger dann immer wieder mit der selben Extremreaktion begegnet wird, droht echter gesundheitlicher Schaden.

Leider wird in der klassischen Medizin bisher weitestgehend symptomatisch behandelt – dass die Ursache der Erkrankung auch im falschen Umgang mit Ärger liegen kann, wird meistens übersehen.

Wer irgendwann zum Beispiel mit Beschwerden wegen Bluthochdrucks zum Arzt geht, bekommt in vielen Fällen Betablocker verschrieben – die Pille nach dem Ärger schafft dann Entspannung, ohne das Problem wirklich zu lösen.

Gerade Probleme mit Magen und Verdauung werden oft erst einmal mit konventionellen Mitteln behandelt: Diagnose per Magenspiegelung, medikamentöse Behandlung eines Geschwürs, Gallenspiegelung, eventuell gar Entfernung der Gallenblase.

Erst wenn all dies keine Heilung gebracht hat oder wenn von Anfang an keine direkten organischen Ursachen für die Erkrankung gefunden wurden, erfolgt die Diagnose einer psychosomatischen Erkrankung.

Und weil man ungern darüber redet, hat sich noch nicht herumgesprochen, dass die gegen psychosomatische Störungen oft verschriebenen Psychopharmaka – vereinfacht Happy-Pills – mittlerweile zur am häufigsten verschriebenen Medikamentengruppe in Deutschland gehören.

Selbst in den Fällen, in denen diese Tabletten tatsächlich geistige Entspannung und auchkörperliche Erholung bringen, können sie die eigentlichen Ursachen nicht heilen.

… echte Anti-Ärger-Strategien müssen her!

  • Ärger vermeiden: Wer sich täglich über Staus und verstopfte Straßen aufregt, könnte mal versuchen, jeden Tag 10 Minuten früher aufzustehen und beim Fahren entspannt die Lieblingsmusik zu hören. Die fehlenden 10 Minuten Schlaf werden durch weniger Ärger wieder wett gemacht.
  • Gelassener werden:Was ist Ärger wert – und was nicht: Öfter mal Fünfe gerade sein lassen; man kann sich auch bewusst dafür entscheiden, sich über eine weniger wichtige Angelegenheit auch mal nicht zu ärgern.
  • Alles in Maßen: Wer laut lospoltert, treibt seinen Blutdruck nur noch mehr in die Höhe. Machen Sie Ihrem Ärger ruhig Luft – aber in Maßen. Schon die richtige Wortwahl hilft den Ärger in ruhigere Bahnen zu lenken. Wenn Sie den anderen beschuldigen, wird auch er sich um so mehr ärgern. Sprechen Sie dagegen in der Ich-Form, z. B. „Ich ärgere mich darüber, dass…“, ist zumindest ein Signal gegeben, dass der Ärger möglicherweise beigelegt werden kann. Immer schön stillzubleiben, ist auch verkehrt. Manchen Ärger muss man vielleicht in sich hineinfressen, um größeren Ärger zu vermeiden – wer aber zu viel in sich hineinfrisst, sollte lernen, auch mal Dampf abzulassen. Aber auch hier gilt: in Maßen.
  • Trennung von Fakt und Fiktion: „Das hat der jetzt mit Absicht gemacht“ oder „immer ich“, solche pauschalen Urteile oder Vermutungen heizen den Ärger oft noch an. Was ist wirklich Fakt? Und was entsteht nur in der Phantasie des Geärgerten? Wer das sauber trennen kann – und auch die Gefühlslage des Ärger-Kontrahenten in seine Überlegung einbezieht – der hat schon für viel Ruhe gesorgt.
  • Ärgern mit Köpfchen:Der Körper reagiert auf Ärger spontan. Versuchen Sie trotzdem, sich die Zeit zu nehmen, den Ärger zu analysieren. Manchmal müssen ein paar Sekunden dafür reichen. Besser ist es, darüber zu schlafen. Wer Gründe und Argumente zu Papier bringt, kann bei nächster Gelegenheit seinen Ärger auch angemessen zum Ausdruck bringen.
  • Entspannung mit System:Wer etwa berufsbedingt dem Ärger nicht aus dem Weg gehen kann, sollte versuchen, kurz zu entspannen. Ob man für ein paar Minuten an frischer Luft tief durchatmet, in Gedanken bis fünfzig zählt oder ein Gedicht aufsagt, ist letztlich egal. Auf dem Tennisplatz oder im Wald kann auch ein lauter Schrei Erleichterung bringen.

Wirklichen Nutzen versprechen auf Dauer nur Techniken wie Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. Auch Shiazu oder ähnliche Entspannungsformen bringen bei regelmäßigem Training den Körper in einen sehr viel ausgeglicheneren Gesundheitszustand.

Wer mehrmals pro Woche 15 bis 30 Minuten lang übt, wird auf Dauer merken, wie viel ausgeglichener der Körper auch auf heftigen Ärger reagiert. Wer nach einem ärgerlichen Tag abschalten möchte, dem können auch Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walking helfen:

Bewegung an der frischen Luft vertreibt Anspannungen und hilft, dem nächsten Tag gelassener entgegenzusehen. Achten Sie aber darauf, dass Sie sich trotz Ihrer Wut nicht „auspowern“ beim Laufen oder Radeln, sondern sich immer in Ihrem gesunden Pulsbereich, den Sie mit einer Pulsuhr ermitteln und kontrollieren sollten, bewegen.

Wo Sie Hilfe bekommen können

Wenn Sie Ihren Ärger und Zorn nicht kontrollieren können, bitten Sie Ihren Arzt, eine psychologische Fachperson zu empfehlen. Ein Psychologe oder Psychiater der Verhaltenstherapie hilft Ihnen dabei, auf andere Weise Problemsituationen wahrzunehmen und darauf zu reagieren.

Inhalte der Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie befasst sich mit folgenden Punkten:

  • Das Aufspüren von Situationen, die zu Zornausbrüchen führen, und die Wahrnehmung Ihrer Reaktion darauf.
  • Das Erarbeiten von Problemlösungen und das Betrachten anderer Reaktionsweisen als Zorn.
  • Das nochmalige Überdenken, wie Sie die Situationen beurteilen und möglicherweise „verzerren“.
  • Das Erlernen neuer, selbstbewusster Kommunikationsformen.
  • Das Erlernen von Entspannungstechniken, um durch Zorn verursachte körperliche Erregung „umzuleiten“.

Ihr Arzt oder Psychologe untersucht Sie möglicherweise auch auf eine zugrunde liegende Störung. Darunter fallen zum Beispiel Gemütserkrankungen oder andere psychiatrische Krankheitsbilder, die zu Problemen mit Zorn beitragen. In diesen Situationen helfen Antidepressiva wie zum Beispiel die SSRI oder andere Medikamente in der Stabilisierung der Gemütslage und unterdrücken Ausbrüche von Zorn.

Beratung und Hilfe in Streitfällen

  • Ehe- und Partnerkonflikte: Pro Familia, kirchliche Beratungsstellen, Paartherapeuten
  • Konflikte zwischen Eltern und Kindern: Schulpsychologen, Familientherapeuten
  • Konflikte mit Berufskollegen: Betriebsrat, innerbetriebliche Ombudsmänner, externe Berater
  • Nachbarschaftskonflikte: Schiedsmänner der Gemeinden, Rechtsanwälte