PSA-Schwankungen: Biopsie häufig überflüssig
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund
vom 28. Februar 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Der PSA-Wert wird von vielen Ärzten immer noch als DER Marker für Prostatakrebs bezeichnet - dabei ist schon lange bekannt, dass er gar nicht so zuverlässig ist. Grundsätzlich ist der PSA-Wert ein Wert für einen Eiweißstoff. Dieser ist unter anderem erhöht, wenn ein Prostatatumor vorliegt.
Was aber häufig vergessen wird: Der Wert ist ein Indiz für Krebs - aber kein Beweis.
Häufig wird vom Arzt daher auch gemessen, wie schnell der PSA-Wert sich in der letzten Zeit verändert hat bzw. wie stark er angestiegen ist. Doch auch das ist kein sicherer Beweis für das Vorliegen einer Krebserkrankung. Das haben Forscher aus New York jetzt nachgewiesen.
Sie haben über 5.500 Männer untersucht. Keiner von ihnen hatte Krebs, auch Tastuntersuchungen und PSA-Messungen waren unauffällig. Nach dieser Eingangsuntersuchung wurden die Männer, alle im Alter ab 55 Jahre, in zwei Gruppen aufgeteilt. Die einen erhielten ein Medikament, mit dem ihre vorhandene vergrößerte Prostata behandelt wurde, die anderen erhielten ein Scheinmedikament. Jährlich wurde zudem ein PSA-Test gemacht - bei denjenigen, bei denen er über 4 ng/ml lag, wurde eine Biopsie durchgeführt. Diejenigen, die nach der siebenjährigen Studie keinen Prostatakrebs hatten, ließen eine Abschluss-Biopsie durchführen.
Das Ergebnis: Egal, wie stark der PSA-Wert stieg, es gab keinen Zusammenhang zwischen Anstieg und Biopsie-Ergebnis. Vielmehr kann der Wert sich von Monat zu Monat verändern. Es sollte also immer ein zweiter Test durchgeführt werden und dann, bei dauerhaft erhöhten Werten, eine Tastuntersuchung erfolgen. Eine Biopsie sollte immer letzter Schritt sein - der aber häufig überflüssig ist.