Prostata: Weshalb Sie keine Angst vor den Untersuchungen haben müssen
Dr. Dietmar Kowertz in Täglich Gesund
vom 18. April 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Wie bei vielen anderen Erkrankungen gilt auch für das Prostata-Leiden: Je früher es erkannt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Viele Betroffene fürchten sich vor den Untersuchungen und vor der Diagnose oder haben Angst, in die „medizinische Mühle" zu geraten. Deshalb arrangieren sie sich häufig mit Ihren Beschwerden und nehmen lieber die damit verbundenen Einschränkungen ihrer Lebensqualität in Kauf, anstatt zum Arzt zu gehen. Diese Einstellung ist grundverkehrt und kann im Fall eines vorliegenden Prostata-Karzinoms die Überlebenschancen drastisch reduzieren.
Daher mein dringender Rat: Sollten Sie leichte Beschwerden im Zusammenhang mit dem Wasserlassen feststellen, gehen Sie zum Arzt! Dieser wird zunächst feststellen, welcher Art Ihr Prostata-Leiden ist, also ob es sich um eine Prostatitis, um ein gutartiges oder um ein bösartiges Geschehen handelt, und anhand dieser Befunde die geeignete Therapie vorschlagen.
Diese Untersuchungen sollten Sie kennen:
- Die digitale rektale Untersuchung ist Ihnen bekannt, sofern Sie an der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung ab 45 Jahren teilnehmen. Der Arzt tastet dabei mit einem behandschuhten Finger vom Darmausgang die Prostata ab und stellt fest, ob hinsichtlich Größe, Form, Abgrenzbarkeit und Konsistenz (Verhärtungen, Knoten, Flüssigkeitsbewegung) Auffälligkeiten bestehen. Bei bestätigtem Verdacht wird Ihr Arzt weitere Diagnoseschritte empfehlen, da die digitale rektale Untersuchung nur eine beschränkte Aussagekraft besitzt und z.B. nur jeden dritten Tumor entdeckt. Belastung durch die Untersuchung: Die Untersuchung ist schmerzlos, wird aber von manchen Patienten als unangenehm empfunden.
- Die Bestimmung des PSA-Werts ist ein Maß für die Konzentration des Prostata-spezifischen Antigens (eine Eiweißverbindung) im Blut. Werte unter 2,5 ng/ml gelten als unauffällig. Bei unter 60-Jährigen liegt der Normalbereich bei unter 3,5, bei unter 70- Jährigen bei 4,5 und bei über 70-Jährigen bei unter 6,5 ng/ml. Erhöhte Werte weisen auf eine Veränderung der Prostata hin, jedoch nicht zwangsläufig auf ein Prostata-Karzinom. Nur bei einem von vier Betroffenen mit erhöhtem PSA-Wert liegt tatsächlich eine Krebserkrankung der Prostata vor. Bei einem PSAWert über 10 ng/ml erhöht sich die Krebswahrscheinlichkeit auf 50 Prozent.
- Die transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS) wird oft als ergänzende Diagnosemaßnahme zur Tastuntersuchung durchgeführt. Der Ultraschallkopf wird in den Enddarm eingeführt und liefert Schallbilder des Gewebes. Mit der TRUS werden Karzinome nicht zuverlässiger entdeckt als mit einer Tastuntersuchung. Belastung durch die Untersuchung: Die Untersuchung ist ebenfalls schmerzlos, wird aber von manchen Patienten als unangenehm empfunden.
- Die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) liefert als ergänzende Untersuchung zu den bisher genannten bei hinreichendem Verdacht sehr viel genauere Diagnosegrundlagen. Unter Ultraschallkontrolle werden mit einer Hohlnadel via Enddarm zehn bis zwölf Gewebeproben aus definierten Bereichen der Prostata entnommen und im Zell-Labor untersucht. Dabei wird festgestellt: Befindet sich Tumorgewebe in den Gewebeproben? Wenn ja, welcher Art und in welchem Ausmaß? Dabei wird auch der sog. Gleason-Score ermittelt. Er gibt auf einer Werteskala von 6 bis 10 an, wie aggressiv die Krebszellen sind bzw. ob der Krebs langsam oder schnell wächst. 6 bedeutet geringe, 8 bis 10 hohe Aggressivität. Belastung durch die Untersuchung: Die Entnahme der Gewebeproben ist schmerzhaft und findet daher unter örtlicher Betäubung statt. Ferner besteht das Risiko einer Infektion durch Darmbakterien. Um es zur verringern, wird vor der Biopsie ein Antibiotikum verabreicht. Sollte es dennoch zu Fieber und Schüttelfrost kommen, suchen Sie bitte sofort einen Arzt auf. Nach der Biopsie können im Ejakulat (mehrere Wochen lang) oder im Urin (mehrere Tage lang) Blutspuren auftreten. Das ist an sich harmlos, sollte aber, wenn die Erscheinungen nicht abklingen, einem Arzt vorgestellt werden. Es gibt keinen wissenschaftlichen Hinweis darauf, dass durch eine Gewebeprobe möglicherweise vorhandene Tumorzellen gestreut werden könnten.
- Eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT) oder eine Computer-Tomographie (CT) kann z.B. bei einem Gleason- Score von 8 und mehr vorgenommen werden, um ein räumliches Bild der Prostata und ihrer Umgebung anzufertigen. Hierdurch können auch eventuell vergrößerte Lymphknoten erkannt werden. Belastung durch die Untersuchung: Die MRT kommt im Gegensatz zur CT ohne Röntgenstrahlen aus. Die Untersuchung ist in beiden Fällen schmerzlos, bei der MRT entsteht funktionsbedingt ein lautes Klopfgeräusch. Je nach Bauart der Geräte wird die zu untersuchende Körperregion in eine enge Röhre geschoben, was manchmal als unangenehm empfunden wird.
- Die Skelettszintigraphie wird dann eingesetzt, wenn die Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Krebs bereits gestreut und Tochtergeschwulste in den Knochen gebildet haben könnte, was einen erhöhten Knochenstoffwechsel zur Folge hat und durch die Skelettszintigraphie sichtbar wird. Der Patient erhält eine Injektion mit einer schwach radioaktiven Substanz. Nach einer Wartezeit von zwei bis fünf Stunden, in der sich die Substanz in den Knochenzellen anlagert, wird mit einer Spezialkamera eine Aufnahme des gesamten Skeletts gemacht. Dieser Vorgang dauert ca. 30 Minuten. Die radioaktiven Einlagerungen im Knochengewebe erscheinen auf der Fotografie je nach Gerät heller oder dunkler. Dies kann ein Hinweis auf Metastasen sein, muss aber nicht. Belastung durch die Untersuchung: Belastung des Organismus mit radioaktiven Substanzen, ansonsten schmerzlos.
ähnliche Beiträge
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Armin Normalbürger (19.04. 2011 02:20 Uhr):
Prostata, PSA und die Angst vor dem Problem! Den PSA-Wert als normal mit +4,0 ng/ml anzusehen ist ein Irrglaube, auch ein -4.0 ng/ml kann malignen Krebs zeigen. Das Disaster ist ein herumstochern in der Prostata zur Gewebeprobe wenn die Hohlnadel den Krebsherd verfehlt. Das intravenöse Kontrastmittel hingegen würde die Stellen zeigen wo die Nadel hinzielen muß um den Krebs zu analysieren und zu Bekämpfen aber es scheitert an den Kosten die die Krankenkasse zahlen müßte. Gleiches gilt für Untersuchung in der Röhre, Unblutig und ohne schmerzen, aber zu teuer für Otto Normalverbraucher. "Armes Deutschland". Infos: Findet Ihr in der Mayo Klinik im Internet aber nicht bei der AOK.
Antworten