Pilates: Training von Körper und Geist
Dr. 'Regina Kalkert in Täglich Gesund zum Thema Pilates
vom 25. Mai 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Pilates ist eine Trainingsmethode, die sich als ganzheitlich versteht und sowohl körperliche als auch geistig-mentale Aspekte berücksichtigt. Das klassische Training umfasst mehr als 500 Übungen, die als Mattentraining mit und ohne Hilfsmittel sowie an speziell für Pilates entwickelten Trainingsgeräten durchgeführt werden.
Der Erfinder, Josef Pilates, wurde 1880 in Deutschland geboren. Er war an Asthma und Rheuma erkrankt und versuchte, für sich selbst eine Methode zu finden, durch körperliche Fitness gesund zu werden. Dafür hat er Sport getrieben. Er ist Ski gefahren, getaucht, hat Yoga erlernt und sich mit anderen fernöstlichen Trainingsformen beschäftigt. Später wurde er Krankenpfleger und hat damit begonnen, Bewegungsübungen für bettlägerige Patienten zu kreieren.
Eine Kombination aus all diesem ist in Ansätzen in Pilates wiederzufinden: Atemtechnik, mentale Übungen, Gymnastik und Turnen. Zunächst haben Tänzer und Choreografen im Amerika der 1920er Jahre diese Methode für sich entdeckt. Heute erleben diese Trainingsprogramme eine Renaissance und werden von vielen Sportvereinen, Gymnastikstudios und Krankengymnastikpraxen in Kursen angeboten.
Das Trainingsprinzip
Mit Pilates sollen Sie nicht einzelne Muskeln trainieren, sondern alle Muskeln sollen gleichermaßen beansprucht werden. Der gesamte Körper soll trainiert werden. Die Haltung soll verbessert, die Gelenkbeweglichkeit und Elastizität des ganzen Bewegungssystems gesteigert werden. Das sind die zentralen Prinzipien der Übungen:
- Konzentration der Aufmerksamkeit auf die Bewegungsabläufe
- Zentrierung der Kraft auf die Körpermitte
- Kontrolle der Bewegung durch größtmögliche Präzision in der Ausführung
- Erhöhung dieser Präzision durch fließende und koordinierte Bewegungen
- bewusste Atmung im Einklang mit der Übung
Die Übungen sollen durch einen qualifizierten Trainer individuell zusammengestellt und in der Ausführung kontrolliert werden. Auch ungeübte und ältere Menschen können so ihren Bedürfnissen entsprechend trainieren. Richtig angewendet, sollen die Übungen:
- schlechte Körperhaltung korrigieren
- Verspannungen lösen
- Nacken- und Schulterprobleme vermindern
- die Gelenke entlasten
- den Kreislauf anregen
- den Bewegungsradius verbessern
Nach anfänglicher Anleitung und Kontrolle können die Übungen dann als „Dauertraining" zu Hause auf einer Matte ausgeübt werden. Ideal soll ein 30-minütiges Training täglich sein.
Ist Pilates für Sie geeignet?
Die große Zielgruppe von Pilates-Anbietern sind zweifellos gesunde und motivierte Menschen, die in jedem Lebensalter fit bleiben wollen, also dieses Training vorbeugend ausüben möchten.
Prinzipiell kann diese Methode aber von jedem und in jedem Alter angewendet werden. Denn sie respektiert die individuelle Anatomie ebenso wie die körperlichen Möglichkeiten und Grenzen jedes Einzelnen.
Achtung: Leiden Sie an einer Krankheit, sollten Sie aber erst mit Ihrem Arzt über Ihren Plan sprechen, ein solches Trainingsprogramm zu beginnen. Eine bereits bestehende orthopädische Krankheit, z. B. eine Gelenkerkrankung, kann ein Grund sein, diesen Plan wieder fallen zu lassen. Auch bei einer erheblichen Herzkrankheit oder einem ausgeprägten Bluthochdruck sollten Sie von Pilates Abstand nehmen.
Die Vorteile von Pilates
- Sie lernen, gleichmäßige Bewegungen bewusst und im Einklang mit der Atmung durchzuführen.
- Die Entspannungsphasen fördern innere Ruhe und Ausgeglichenheit.
- Ihre Beweglichkeit und Ihre Körperwahrnehmung verbessern sich.
- Sie trainieren Ihre Muskeln, ohne Masse anzusetzen.
- Die neuromuskulären Funktionen werden gestärkt, d. h., Körpergleichgewicht und -balance werden dadurch verbessert.
Also: Die Unterstützung einer allgemein gesunden Lebensweise ist für Sie mit einer Methode wie Pilates möglich. Denn ein aktives Leben bedeutet Lebensqualität. Gezielte Bewegung erhält Ihnen lange ein selbstbestimmtes und gesundes Leben.
Wer zahlt?
Die Antwort lautet ganz eindeutig: Sie selbst müssen zunächst diese Kurse und Programme bezahlen. Es ist zu erwarten, dass immer mehr Kassen diese Kurse im Rahmen von Bonusprogrammen bezuschussen oder die Teilnahme mit Prämien honorieren. Mein Tipp: Diese Methoden haben ihre Berechtigung und ihren Platz im Bereich der allgemeinen Vorbeugung und Gesundheitsförderung. Wenn Ihnen persönlich diese Art der körperlichen Betätigung mehr zusagt als z. B. Walken und Radfahren, sollten Sie sich informieren und mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Dann fragen Sie auch bei Ihrer Kasse nach, ob für Sie eine Möglichkeit der Kostenbeteiligung besteht.