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Die Elektro-Therapie

Wussten Sie, dass die alten Griechen und Römer vor über 2.000 Jahren eine Art Elektro-Therapie nutzten? Sie badeten zusammen mit elektrischen Fischen, um chronische Muskelschmerzen zu behandeln.

Heilsamer Strom fördert die Durchblutung

Heute hat die Elektro-Therapie einen festen Platz in der Medizin: Jeder Notarztwagen ist mit einem Defibrillator ausgerüstet, um ein lebensgefährliches Kammerflimmern durch einen kurzen Stromstoß zu beenden und das Herz in den richtigen Takt zurückzubringen. Mit sehr viel geringeren Stromstärken arbeiten die zahlreichen Elektro-Verfahren, die man vorwiegend zur Schmerztherapie, bei Lähmungen und Muskelverspannungen einsetzt.

Bei der elektrotherapeutischen Behandlung klebt der Arzt im Allgemeinen Elektroden auf die Haut. Der Strom kann darüber hinaus durch Wasser mit heilsamen medizinischen Badezusätzen (z. B. antirheumatische Wirkstoffe) an den Körper geleitet werden (hydroelektrische Bäder, z. B. Stangerbad).

Hauptwirkungen der Elektro-Therapie

  • Verbesserung der Durchblutung und des Lymphflusses
  • Aktivierung des Muskel- und Gelenkstoffwechsels
  • Schmerzlinderung
  • Anspannung von schwacher Muskulatur (Tonisierung)
  • Entspannung von verkrampfter Muskulatur (Detonisierung)
  • Beseitigung von Lähmungen

Der menschliche Organismus besteht zu einem großen Teil aus Wasser. Darin sind verschiedene Salze wie Kochsalz (Natriumchlorid) gelöst. Legt man mittels der Elektroden (Plus- und Minuspol) eine elektrische Spannung an, spalten sich die gelösten Stoffe in elektrisch geladene Teilchen (Ionen) auf.

So trennt sich beispielsweise das im Gewebswasser und Blut gelöste Kochsalz durch die Spannung in positiv geladene Natriumionen und negativ geladene Chloridionen. Die positiv geladenen Ionen wandern zum elektrischen Minuspol, die negativ geladenen Ionen wandern zum Pluspol. Durch diese Ionenwanderung fließt im Körper ein schwacher elektrischer Strom, der größere ungeladene Teilchen wie Blutkörperchen mitnimmt. Dadurch verbessern sich die Durchblutung und der Lymphfluss.

Botenstoffe sorgen für Schmerzlinderung

Darüber hinaus führt die Elektro-Therapie zu einer Verschiebung von Säuren und Basen im Gewebe. Der Pluspol scheidet aus dem Gewebswasser abgespaltene negativ geladene Chlorionen ab. Dadurch wird die Gewebsflüssigkeit etwas saurer. Am Minuspol sammeln sich positiv geladene Natriumionen, die Umgebung entwickelt sich basischer. Beide Änderungen haben einen schmerzstillenden Effekt, weil sie die Erregbarkeit der Schmerzrezeptoren der Nervenzellen dämpfen.

Außerordentlich gut sprechen die Nerven- und Muskelzellen auf elektrische Impulse an. Bei den Nervenzellen bewirkt die elektrische Stimulierung unter anderem eine Ausschüttung verschiedener schmerzstillender Botenstoffe (Neuropeptide). Diese Stoffe binden sich an die Schmerzrezeptoren der Nerven und führen zu einer Schmerzlinderung. Auf ähnliche Weise regt man schlaffe Muskelfasern an bzw. entspannt verkrampfte Muskelbereiche und beseitigt dadurch Lähmungen. Die während der Behandlung fließenden Ströme sind so gering, dass Sie sie kaum wahrnehmen. Je nach Erkrankung und Beschwerdebild setzt man sehr unterschiedliche Elektro-Verfahren ein.

Die Gleichstrom-Therapie

Die Gleichstrom-Therapie arbeitet mit einem stetig fließenden Strom. Er eignet sich besonders für hydroelektrische Bäder wie das Stangerbad oder das heute häufiger verwendete Vierzellen-Bad. Das Stangerbad erhielt seinen Namen durch seinen Erfinder Heinrich Stanger. Man führt es in einer speziellen Therapiewanne durch, an deren Außenwand Elektroden angebracht sind. Je nach Schaltung behandelt man jeden Körperteil mit einer bestimmten Stromdosis.

Beim weniger aufwändigen Vierzellen-Bad im Sitzen legen Sie Ihre Arme und Beine jeweils in kleine Extrawannen. Diese „vier Zellen“ sind mit Elektroden ausgestattet. Je nach Schaltung durchflutet Ihren gesamten Körper oder nur Ihre Arme bzw. Beine der therapeutische Strom. Die Badetemperatur beträgt angenehme 37 °C.

Bei welchen Beschwerden empfehlen sich Elektrobäder?

  • Muskelbeschwerden (Hartspann, Erschlaffung)
  • arterielle Durchblutungsstörungen
  • Rheuma inkl. Morbus Bechterew
  • Arthrose der Wirbelsäule
  • Ischiasbeschwerden
  • Fibromyalgie
  • Menstruationsbeschwerden

Darüber hinaus erhöhen die Bäder die Wirksamkeit von Arzneimitteln, wie eine im Jahr 2006 in der Fachzeitschrift Clinical Rheumatology veröffentlichte Studie der Universitätsklinik Ankara belegte: Danach profitieren Fibromyalgie-Patienten von einer Kombination aus Stangerbad und dem als Schmerzmittel eingesetzten Psychopharmakon Amitriptylin länger als von der alleinigen Medikamentengabe.

Als Sonderform der Gleichstrombehandlung gilt die Iontophorese, die man auch als Teilbad durchführen kann. Dabei benutzt man die Ionenwanderung im Körper dazu, um Medikamente wie schmerzstillende Gele oder Rheumasalben durch die Haut ins Blut und ins Gewebe einzubringen. So behandelt man bestimmte Hautareale und die Gelenkinnenhaut gezielt mit hohen Medikamentenkonzentrationen.

Wann hilft die Iontophorese?

  • Arthrose
  • Muskel- und Sehnenschmerzen
  • Ischiasschmerzen
  • Karpaltunnelsyndrom
  • nach Verletzungen
  • Sklerodermie (krankhafte Bindegewebsverhärtung)
  • Hautpigmentierungen
  • verhärteten Hautnarben
  • Schweißhänden und -füßen

Die Menge des aufgenommenen Medikaments hängt von der Stromstärke und der Behandlungsdauer ab. Wundern Sie sich nicht, wenn bei sehr wirksamen Medikamenten Ihre Behandlung wenige Minuten dauert. Bei übermäßigem Schwitzen reicht die Behandlung mit dem Strom, um die Schweißdrüsen zu drosseln (Leitungswasser-Iontophorese).

Schwellstrom gegen Muskelschwäche

Die Schwellstrom-Stimulation arbeitet mit rhythmisch an- und abschwellenden Stromstärken. Diese elektrischen Impulse bewirken Muskelkontraktionen und bauen bei regelmäßiger Anwendung etwa rückgebildete Muskeln infolge eines Gipsverbands oder längerer Bettlägerigkeit wieder auf.

Wenn Ihnen Ihr Arzt diese Therapie verordnet, führen Sie die Behandlung mit dem leicht zu handhabenden Gerät nach einer kurzen Einweisung selbstständig zu Hause durch. Leihgeräte erhalten Sie beim Arzt, beim Hersteller oder im Sanitätshaus.

TENS für die Schmerzbehandlung zu Hause

TENS ist die Abkürzung für Transkutane elektrische Nervenstimulation. Im Bereich des schmerzenden Körperteils klebt man Elektroden auf, die die elektrischen Impulse durch die Haut (transkutan) an das darunter liegende Gewebe weitergeben. Die elektrische Stimulation setzt man zur Schmerzlinderung ein. Die Erfolgsquote liegt bei etwa 35 Prozent. Die TENS-Behandlung bewährte sich besonders bei:

  • Spannungskopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Nervenreizungen (z. B. als Folge einer Gürtelrose)
  • Tumorschmerzen
  • Stumpf- oder Phantomschmerzen nach Amputationen

Die TENS-Behandlung sollten Sie konsequent durchführen, da sich die Wirkung oft erst nach einigen Wochen einstellt: Behandeln Sie sich mindestens dreimal täglich, bei starken Beschwerden alle drei Stunden nach ärztlicher Anweisung. Die handlichen TENS-Geräte auf Rezept eignen sich bestens für die Behandlung zu Hause. Lassen Sie sich die Handhabung beim ersten Mal von Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten zeigen. Leihgeräte erhalten Sie von speziellen Verleihfirmen.

Quälende Schmerzen im Ellbogengelenk bei jeder Bewegung verursacht nicht nur Tennisspielen, sondern alle Arten von Überlastungen des Gelenks. Platzieren Sie eine der TENS-Elektroden am Punkt des stärksten Schmerzes, die andere etwas darüber am Oberarm.

Mit Strom gegen Schuppenflechte

Die seltener angewandte Mittelfrequenz-Therapie verwendet elektrische Impulse im Frequenzbereich zwischen 1.000 und 100.000 Hertz. Diese Ströme wirken hauptsächlich auf die Muskelfasern und lösen dort Kontraktionen aus. Dagegen ist die schmerzlindernde Wirkung gering. Mittelfrequenzströme setzt man zum Aufbau von erschlafften Muskeln (nach Unfällen bzw. längerer Bettlägerigkeit) und bei Schuppenflechte (Psoriasis) ein.

Der Wirkmechanismus des Verfahrens bei Schuppenflechte ist nicht genau geklärt. Tatsache ist jedoch, dass es Krankheitsschübe abschwächt und das Ablösen der verdickten Hautschichten erleichtert.

Ultraschall heilt Muskel- und Sehnenverletzungen

Auch die Ultraschall-Behandlung zählt im weitesten Sinne zur Elektro-Therapie, da Strom die heilsamen Wellen erzeugt. Die Ultraschall-Therapie erfolgt im Wasser oder mittels eines Schallkopfs, den man über das mit einem Kontaktgel bestrichene erkrankte Körperareal führt. Ultraschall regt die Durchblutung sowie den Zellstoffwechsel in verletztem Muskel- und Sehnengewebe an und fördert die Heilung von Prellungen und Zerrungen. Darüber hinaus lindert er Schmerzen.

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