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Osteopathie: Das müssen Sie über die heilende Wirkung wissen

Osteopathie, auch osteopathische Medizin, osteopathische Behandlung oder manuelle Therapie, ist der Überbegriff verschiedener alternativmedizinischer Behandlungskonzepte.

Osteopathie umfasst die manuelle Diagnostik und Therapie hauptsächlich des Bewegungsapparates, aber auch innerer Organe und des Nervensystems. Sie verzichtet vollständig auf den Einsatz von Medikamenten. In Deutschland sind ausgebildete Osteopathen in diversen Verbänden organisiert.

Osteopathische Schulterbehandlung Osteopathie© Claus Mikosch – Fotolia

Immer mehr Menschen vertrauen auf die ganzheitliche Methode der Osteopathie. Mit speziellen, meist sanften Griffen und gezieltem Druck löst der Therapeut Blockaden, deren Ursprung manchmal im Körper weit entfernt liegt. Bei einer ganzen Reihe von Beschwerden wie bei Kopf- und Rückenschmerzen kann die Osteopathie helfen, vor allem in Kombination mit der Schulmedizin. Bei anderen Erkrankungen wiederum stößt diese Heilmethode an ihre Grenzen oder sollte gemieden werden.

Wie funktioniert die Osteopathie?

Gewebe, Organe und Körperteile funktionieren nur dann optimal, wenn sie ausreichend Bewegungsfreiheit haben. Der Osteopath erspürt schmerzhafte Blockaden und Funktionsstörungen mit seinen Händen. Da die Strukturen Ihres Körpers über Faszien (Bindegewebshüllen) miteinander vernetzt sind, wirken sich die Störungen häufig an weiter entfernten Stellen im Körper aus.

Beispielsweise kann eine verklebte Narbe im Unterleib auf Dauer auch zu Kopf- und Nackenschmerzen führen. Diese Verklebung löst der Osteopath mit einer speziellen Handtechnik und aktiviert dadurch die Selbstheilungskräfte.

Bei vielen Beschwerden beschleunigt die Osteopathie die Heilung, vor allem in Kombination mit der Schulmedizin. Häufig helfen schon wenige Sitzungen, bei chronischen Beschwerden bedarf es einer längerfristigen Therapie.

Nach viermaliger Behandlung sollten sich allerdings Ihre Beschwerden merklich gebessert haben. Ärztliche Befunde wie beispielsweise Laborwerte oder Röntgenbilder sollten Sie zu Ihrem ersten Termin beim Osteopathen mitnehmen.

Naturheilkundliche Vision eines amerikanischen Arztes

Der Begriff Osteopathie ist zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern „osteon“ (Knochen) und „pathos“ (Leiden). Nun könnte man meinen, dass die Osteopathie nur erkrankte Knochen behandelt. Doch das stimmt so nicht.

Der „Vater“ der Therapieform, der amerikanische Arzt Andrew Tayler Still (1828 bis 1917) wählte diesen Namen, weil er mit seinen Forschungen am Knochen begonnen hatte und zunächst das knöcherne Skelett wieder in ein harmonisches Gefüge bringen wollte.

Später erkannte er, dass Knochen, Organe und das umgebende Binde- und Muskelgewebe eine untrennbare Einheit bilden und daher behandelt die Osteopathie auch Beschwerden, die nichts mit den Knochen zu tun haben.

Die Säulen der Osteopathie

Ende des 19. Jahrhunderts schuft Still ein einzigartiges Behandlungskonzept, nachdem er erkannt hatte, dass die Schulmedizin keinesfalls Antworten auf alle Fragen bot. Die Säulen der Osteopathie bilden folgende Erkenntnisse:

  • Bewegung hat eine grundlegende Bedeutung für alle Strukturen des Körpers
  • Struktur und Funktion stehen in Abhängigkeit voneinander
  • der Organismus bildet eine untrennbare Einheit
  • der Organismus verfügt über starke Selbstheilungskräfte

1892 gründete Still in Missouri die American School of Osteopathy, heute Kirksville College of Osteopathic Medicine. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Osteopathie in mehr und mehr amerikanischen Bundesstaaten rechtlich anerkannt; heute sind Osteopathen in den USA Ärzten rechtlich gleichgestellt, dürfen Medikamente verschreiben und Operationen durchführen.

Einsatzgebiete und Anwendungsbeispiele

  • Bewegungsapparat: Rückenschmerzen, Hexenschuss, Ischias (jeweils ohne Bandscheibenvorfall); Gelenkprobleme, Schleudertrauma, nach Sportverletzungen (auch Leistungssportler vertrauen immer häufiger auf die Osteopathie)
  • innere Medizin: Operationsnarben und Verwachsungen, Verdauungsstörungen, funktionelle Herzbeschwerden (z. B. Herzstechen, Herzrasen ohne organische Ursachen) oder Asthma
  • HNO-Bereich und Kieferorthopädie: Kopfschmerzen, Migräne, Nasennebenhöhlenentzündungen, Schwindel, Tinnitus, Kiefergelenksprobleme, chronische Mittelohr- oder Mandelentzündung
  • urogenitaler Bereich: chronische Blasenentzündungen, Drang-Belastungsinkontinenz, Nierenprobleme, Prostatabeschwerden
  • Gynäkologie: Menstruationsbeschwerden vor, während und nach der Schwangerschaft, Vernarbungen und Verwachsungen im Bauchbereich, nach Operationen

Das sind die Behandlungstechniken der Osteopathie:

  • Gelenkmanipulation: Blockierte oder schmerzende Gelenke werden durch „Einrenken“, Ziehen, Drehen oder einen sanften, aber gezielten Stoß wieder beweglich. Diese Technik entspricht in etwa der „Chiropraktik“.
  • Muskel-Energie-Technik:Wenn verspannte Muskeln die Beweglichkeit einschränken, können sie durch gezielte Anspannung (gegen einen vom Therapeuten gesetzten Widerstand) entspannt werden (siehe Abb. auf Seite 8).
  • Zug- und Gegenzug-Technik: Bei schmerzenden Muskelverspannungen wird der Körper in besonderer Weise gelagert und das schmerzende Gewebe durch leichten Druck des Therapeuten entlastet.
  • Viszerale Technik: Durch spezielle Griffe in Gewebe und Muskulatur werden die mit ihnen in Verbindung stehenden inneren Organe wie Lunge, Leber oder Herz aktiviert bzw. entspannt.
  • Craniosacral-Technik: Die Schädelknochen werden mit sanftem Druck gegeneinander verschoben. Das entspannt Kopf-, Nacken- und Kiefermuskulatur.

Sehr gut geeignet ist das Verfahren z. B., um nach Unfällen, Operationen oder Verletzungen Schonhaltungen zuverhindern, die langfristig wichtige Gelenke wie Knie oder Hüfte belasten.
Studien belegen Erfolge bei Rückenschmerzen und Sodbrennen

Zu empfehlen ist ein Besuch beim Osteopathen außerdem, wenn Ihre Beweglichkeit durch Schmerzen eingeschränkt ist, deren Ursache bisher nicht geklärt werden konnte. Vielfach gelingt es dem Patienten dann, ohne Schmerzmittel oder Kortison auszukommen oder deren Verbrauch zumindest deutlich zu reduzieren.

In diesen Fällen sollten Sie auf osteopathische Behandlungen verzichten:

  • bei akuten Entzündungen
  • bei Knochenbrüchen
  • bei Krebs
  • bei psychischen Krankheiten
  • bei Gallen- und Nierensteinen

Mittlerweile zeichnen sich die guten Erfolge der Osteopathie auch in wissenschaftlichen Studien ab. Beispielsweise haben britische Mediziner der Universität von Wales in Wrexham im Jahr 2003 insgesamt 201 Patienten mit chronischen Nackenoder Rückenschmerzen behandelt.

Die Hälfte erhielt zusätzlich zur normalen Therapie mit Schmerzmitteln und Krankengymnastik 3 bis 4 osteopathische Behandlungen. Nach zwei Monaten war die Stärke der Beschwerden in der Osteopathie-Gruppe durchschnittlich um 22 % gesunken. In der reinen Schulmedizin-Gruppe betrug der Rückgang nur 3 %.

In den vergangenen Jahren wurden außerdem an der Akademie für Osteopathie in Gauting verschiedene kleinere Beobachtungs-Studien zur Osteopathie durchgeführt.

Dabei zeigten sich erste Erfolge z. B. bei so unterschiedlichen Anwendungsgebieten wie Sodbrennen, Reizdarm, Menstruationsbeschwerden oder Tinnitus. Allerdings stehen hier große, aussagekräftigere Studien noch aus.

Deutliche Besserung schon nach 1 bis 2 Sitzungen

In ihrem Ursprungsland, den USA, ist die Osteopathie neben der eigentlichen Schulmedizin eine etablierte Behandlungsform. Über 40.000 Therapeuten haben die dortigen Universitäten für Osteopathie durchlaufen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Therapeuten sollten Sie sich an einen der beiden links genannten Verbände wenden. Die dort organisierten Therapeuten haben eine fundierte mehrjährige Zusatzausbildung durchlaufen.

Leider gilt das nicht für alle Therapeuten, die sich „Osteopath“ nennen, denn diese Berufsbezeichnung ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt.

Aktivierung der Selbstheilungskräft

Hände statt Medikamente

Ziel der Osteopathie ist es, die Gesamtharmonie im ganzen Organismus wieder herzustellen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Hierzu benötigt die Methode weder Pillen noch Spritzen, sondern lediglich die Hände des Osteopathen.

Durch die osteopathische Behandlung von Gewebespannungen und Blockaden können die Körperflüssigkeiten wie Blut und Lymphe wieder frei fließen. Das führt zu einer besseren Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen sowie zu einem gesteigerten Abtransport von schädlichen Stoffwechselprodukten.

Wenn Sie sich in eine osteopathische Behandlung begeben, lässt sich der Osteopath zunächst Ihre Beschwerden genau schildern. Danach wird er Ihre Körperhaltung inspizieren und mit seinen Händen die krankmachenden Blockaden in Ihren Muskeln, Gelenken und im Bindegewebe ertasten. Danach setzt er gezielte Grifftechniken ein, um die Störung aufzulösen.

Die Griffe in der Osteopathie sind im Gegensatz zur Chiropraktik sanft und Sie werden von den Manipulationen kaum mehr als ein leichtes Ziehen spüren. In der Regel dauert eine osteopathische Behandlung etwa 50 Minuten. Seit dem Jahr 2012 übernehmen fast alle gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungskosten.

Osteopathische Übungen für zu Hause

Führen Sie die nachfolgenden beiden Übungen zweimal täglich jeweils fünfmal hintereinander sanft aus und atmen sie beim Üben ruhig und gleichmäßig ein und aus. Beide Übungen verbessern den Blut- und Lymphfluss, regen den Stoffwechsel an und kräftigen Ihre Muskulatur.

1. Das liegende Y

Ausgangsposition: Bauchlage, beide Arme V-förmig nach vorne gestreckt, die Beine geschlossen, sodass Ihr Körper ein „Ypsilon“ bildet. Heben Sie Ihre Arme leicht an.

Strecken Sie dabei abwechselnd die rechte Hand und das linke Bein bzw. die linke Hand und das rechte Bein zehn Sekunden lang von sich. Diese Übung stärkt darüber hinaus Ihre Rückenmuskulatur.

2. Das aufgestellte L

Ausgangsposition: Rückenlage, dabei die leicht gebeugten Beine im rechten Winkel aufgestellt, die Arme seitlich neben dem Körper liegend. Ziehen Sie Ihre Füße zum Körper hin, während Sie Ihre Knie durchstrecken. Halten Sie die Spannung etwa zehn Minuten und atmen Sie dabei bewusst aus.

Diese Übung dehnt Ihre Bein- und kräftigt Ihre Bauchmuskeln. Variante: Drücken Sie Ihre Fersen abwechselnd zur Decke, um Ihre seitlichen Bauchmuskeln zu trainieren.

Übung für Ihre Kiefermuskulatur

Einen guten Einblick in die Wirkungsweise der Osteopathie gibt Ihnen diese Übung zur Lockerung der Kiefermuskulatur. Eine verspannte Kiefermuskulatur kann unter anderem die Ursache von chronischen Kopf- oder Nackenschmerzen sein.

  • Lassen Sie Kiefer und Zunge locker, die Muskeln sind nicht angespannt.
  • Drücken Sie mit Zeige- und Mittelfinger auf den Kaumuskel, der den Unterkiefer anhebt (Massetermuskel).
  • Massieren Sie den Muskel mitkreisenden Bewegungen etwa zwei bis drei Minuten lang. Spüren Sie, wie sich die gesamte Kiefermuskulatur entspannt.

Die Übung können Sie so oft Sie möchten zwischen Ihren Alltagsaktivitäten durchführen.

Lösen Sie Verspannungen der Schulter-Nacken-Muskulatur

Legen Sie sich mit U-förmig abgewinkelten Armen flach auf den Bauch. Die Stirn ruht auf dem Boden, die Daumen zeigen zur Zimmerdecke. Heben Sie nun den Kopf etwa 5 cm und die Arme so weit wie möglich an. Drücken Sie die Schulterblätter maximal in Richtung Wirbelsäule zusammen.

Führen Sie in dieser Position mit den Armen flügelartige Bewegungen, indem Sie die Arme etwa jeweils 10 cm heben und senken. Machen Sie diese Übung mit kurzen Pausen fünfmal hintereinander, wobei Sie jeweils zehn Flügelschläge ausführen.

Lösen Sie Blockaden im Beckenbereich

Legen Sie sich auf den Rücken und entlasten Sie Ihre Knie durch eine untergelegte Rolle. Ihre Finger ruhen beidseits auf den Beckenknochen. Ziehen Sie nun abwechselnd langsam eine Beckenseite seitlich zur gleichseitigen Schulter hoch.

Steigern Sie das Tempo allmählich, bis Sie kurze und schnelle Beckenbewegungen ausführen. Üben Sie drei Minuten lang.

 

Osteopathie Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Endlich wieder schmerzfrei bewegen – ganz ohne Medikamente!

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