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Schulmedizin lehnte Akupunktur lange ab – es fehlten ihr die Beweise der Wirksamkeit

Lange war es ein Rätsel, warum die Akupunktur (Stimulieren verschiedener Punkte mit Nadeln) funktioniert. Genauso lange weigerte sich die Schulmedizin, die Nadelstiche als helfende Behandlungsmethode bei Krankheiten anzuerkennen.

Wirksamkeit schwer nachzuweisen

Unterstützt wurde diese Haltung dadurch, dass es kaum möglich schien, die Wirksamkeit der Akupunktur nachzuweisen. In der Regel geschieht der Beweis der Wirksamkeit durch eine Studie, bei der man die eine Hälfte der Teilnehmer behandelt und die andere Hälfte nur eine Scheinbehandlung erhält. Bei Akupunktur-Studien gab es nur zwei Möglichkeiten für eine Scheinbehandlung:

  • man stach Punkte, die nicht als Akupunkturpunkte überliefert sind
  • man setzte die Nadeln nur auf, ohne wirklich zu stechen

Beide Untersuchungsarten haben ihre Fehler. Es kann durchaus sein, dass es Punkte auf dem Körper gibt, die zwar keine „klassischen“ Akupunkturpunkte sind, aber trotzdem eine Reaktion auslösen. Und auch bei vorsichtigem Aufsetzen der Nadeln auf reale Akupunkturpunkte kommt es unter Umständen zu einer Reaktion durch den Druck auf die Haut.

Nadeltherapie als Kassenleistung?

Eine wichtige Nachricht für alle Patienten mit chronischen Rücken- und Knieschmerzen: Künftig übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür. Das beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen, Kassenärzten und Krankenhäusern nach zähen Verhandlungen im Jahr 2006. Doch bedeutet diese Regelung wirklich einen Fortschritt für Sie als Patient?

Die neue Richtlinie zur Erweiterung des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen regelt die Akupunkturbehandlung auf Kassenkosten detailliert. Nur die Kosten für die klassische chinesische Technik mit Akupunkturnadeln aus Metall (sterile Einmalnadeln) übernehmen die Kassen. Elektro- oder Laserakupunktur bezahlen Sie selbst.

Bei diesen Beschwerden zahlt die Kasse die Akupunktur

  1. chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule, die seit mindestens sechs Monaten bestehen und bis maximal zum Kniegelenk ausstrahlen
  2. chronische Schmerzen in mindestens einem Kniegelenk durch Kniegelenkarthrose, die seit mindestens sechs Monaten bestehen

Von der Behandlung auf Kassenkosten sind Rückenschmerzen ausgeschlossen, die durch eine Kompression der Rückenmarksnerven (z. B. durch einen Bandscheibenvorfall) entstanden. Die Kassen übernehmen nur die Kosten für die Akupunkturbehandlung von Rückenschmerzen, deren Ursache vorwiegend in Muskelverspannungen liegt.

Maximal 15 Behandlungen erlaubt

Sowohl für Rücken- als auch für Knieschmerzen ist die Zahl der Therapiesitzungen auf zehn innerhalb von maximal sechs Wochen beschränkt. In Ausnahmefällen bezahlen die Kassen bis zu 15 Sitzungen innerhalb von maximal zwölf Wochen. Eine erneute Akupunkturtherapie erfolgt erst ein Jahr später.

Bei Rückenschmerzen sticht man 14 bis 20 Nadeln und bei Knieschmerzen 7 bis 15 Nadeln. Genau diese Bestimmung ist für viele Akupunkturärzte wirklichkeitsfremd. Sie befürchten, dass aufgrund der neuen strengen Vorschriften die bisher individuelle Behandlung durch eine Therapie nach Schema F ersetzt wird. Rückenschmerz bedeutet nicht gleich Rückenschmerz und Knieschmerz nicht gleich Knieschmerz. Die Therapie schneidet man maßgerecht auf die Beschwerden des jeweiligen Patienten zu. So braucht der eine Patient drei Nadeln, während man beim anderen neun Akupunkturpunkte behandelt.

Der Schwarze Peter liegt beim Arzt

Allerdings empfinden Sie als Patient dadurch kaum einen Nachteil, denn kein Arzt sticht nur um dieser fragwürdigen Vorgabe willen überflüssige Punkte bei Ihnen. Das aber rechtfertigt er spätestens bei der Überprüfung der vorgeschriebenen Therapie-Dokumentation gegenüber der Krankenkasse. Dieser unnötige und unbezahlte Mehraufwand führt im schlimmsten Fall dazu, dass Ärzte die Akupunktur nicht mehr anwenden. Die Nadeltherapie aus China bewies ihre hohe Wirksamkeit nicht nur in jahrtausendelanger Anwendung, sondern auch in modernen Studien.

So weit muss es nicht kommen: Die Krankenkassen sind an der Akupunktur interessiert und wesentlich offener für sachliche Argumente als die starrsinnigen Vertreter der Schulmedizin. So steht zu hoffen, dass die Krankenkassen den Akupunkturärzten weiterhin den Rücken stärken, die Abschaffung unsinniger Regelungen durchsetzen und die Akupunktur angemessen honorieren.

Keine Akupunktur bei Kopfschmerzen und Migräne

Obwohl die Modellversuche zur Akupunktur eine mindestens gleichwertige Wirksamkeit wie die klassische Arzneimitteltherapie bei Spannungskopfschmerz und Migräne belegten und die akupunktierten Patienten durchweg zufriedener waren als die mit Medikamenten behandelten, bezahlen Sie diese Behandlung in Zukunft auseigener Tasche. Zwar waren die Krankenkassen nicht abgeneigt, die Kosten zu übernehmen. Die Kassenärzte stimmten jedoch dagegen. Verschiedene gesetzliche Krankenkassen prüfen, ob sie dazu weiterhin Modellversuche anbieten.

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