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Sylvia Schneider
GNL5138
Stangerbad, so steigert das warme Elektrobad Ihre Durchblutung und lindert Schmerzen
Wohl jeder erinnert sich noch an die gutgemeinten Warnungen der Eltern, in der Nähe von Wasser nicht mit elektrischen Geräten zu hantieren. Schnell kann es dabei zu tödlichen Unfällen kommen. Doch nicht immer muß die Kombination aus Elektrizität und Wasser derart gefährliche Auswirkungen haben. Im Gegenteil: Richtig angewendet kann damit im Krankheitsfall eine heilsame Wirkung für den Körper erzielt werden.
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Eine Kombination aus einem Wannen-Vollbad und der Nutzung von konstantem Gleichstrom stellt das Stangerbad dar. Die Anwendung wurde nach Johannes und Heinrich Stanger benannt, die um die Jahrhundertwende diese Variante der Elektrotherapie entwickelt haben.
Die Wirkung des Gleichstroms beruht auf der Tatsache, daß in sämtlichen Gewebsflüssigkeiten verschiedene chemische Verbindungen – Salze, Säuren und Basen – enthalten sind. Diese zerfallen in der wäßrigen Lösung in kleine, freibewegliche, elektrisch geladene Teilchen (sogenannte Ionen), die dann in der Lage sind, elektrischen Strom zu leiten. Deshalb werden die Gewebsflüssigkeiten auch als Elektrolyte bezeichnet.
Wird nun dem Körper Gleichstrom zugeführt, beginnen die elektrisch geladenen Teilchen, die Ionen, innerhalb der Gewebsflüssigkeit zu wandern: Die positiv geladenen Teilchen, die als Kationen bezeichnet werden (zum Beispiel Natrium-Ionen), wandern zum Minuspol (der negativ geladenen Elektrode, der sogenannten Kathode). Die negativ geladenen Anionen (zum Beispiel Chlorid-Ionen) wandern in den Gewebsflüssigkeiten in die entgegengesetzte Richtung, zum Pluspol (der Anode – der positiv geladenen Elektrode) hin. Sobald die Ionen an der Hautoberfläche ankommen, treten sie in direkten Kontakt mit den Elektroden und verlieren dadurch ihre elektrische Ladung. Dabei verwandeln sie sich entweder in elektrisch neutrale Moleküle (zum Beispiel in Säuren oder Laugen) und werden auf der Hautoberfläche ausgeschieden, oder sie gehen mit anderen Molekülen neue Verbindungen ein.
Wenn die Elektroden, mit deren Hilfe dem Körper der elektrische Strom zugeleitet wird, direkt auf der Haut aufliegen (sogenannte Hautelektroden, zum Beispiel bei der Iontophorese), können die direkt auf der Haut entstehenden Säuren oder Laugen zu Verätzungen führen. Um dies zu vermeiden, muß die Haut an der Stelle, an der die Elektroden aufgelegt werden, geschützt werden (meist durch eine Zwischenlage aus feuchten Stoffen oder durch einen Viskoseschwamm).
Beim Elektrobad dient das Wasser, das zwischen den Elektroden in der Wand der Badewanne und der Oberfläche des Körpers, also der Haut liegt, lediglich als Stromleiter. Die Säuren und Laugen, in die sich die austretenden Ionen umwandeln, konzentrieren sich deshalb nicht auf der Haut. Dadurch besteht beim Elektrobad keine Gefahr solcher Hautverätzungen.
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Um das Video jetzt anzusehen, klicken Sie bitte hier!Das Elektrobad bewirkt eine Gefäßerweiterung und beschleunigt den Blutstrom
Durch die unter der Stromeinwirkung wandernden Ionen bildet sich Wärme, die eine Erweiterung der Blutgefäße und eine deutliche Verbesserung der Durchblutung zur Folge hat. Dadurch wird die Nährstoffversorgung der einzelnen Gewebe und Organe und somit deren Funktionsfähigkeit verbessert . Durch die Einwirkung des Stroms werden auch Ergüsse oder Ödeme (Schwellungen) rascher abgebaut . Die Reizschwelle der Nervenfasern wird ebenfalls beeinflußt, was zu einer deutlichen Schmerzlinderung beiträgt.
Nicht nur die Wanderung der Ionen in den Gewebsflüssigkeiten wirkt sich therapeutisch günstig aus. Auch Badezusätze dringen durch die Stromeinwirkung leichter durch die Haut in den Körper ein. Damit können die heilfördernden Wirkungen des Elektrobads zusätzlich und gezielt gesteigert werden. Darüber hinaus kann die gewählte Temperatur des Vollbads zum therapeutischen Erfolg der Anwendung mit beitragen.
Während des Stangerbads kann sich der Patient auf angenehme Weise entspannen
Beim Stangerbad liegt der Patient in der Badewanne, die mit angenehm warmem Wasser gefüllt ist. Innerhalb der Wanne sind mehrere Elektroden angebracht. Je nachdem, welche Elektroden an die Stromquelle angeschlossen werden, wird der Badende in Längs- oder Querrichtung von Gleichstrom durchflutet. Dabei kann der Strom absteigend (also vom Kopf in Richtung Füße) oder aufsteigend (von den Füßen in Richtung Kopf) geleitet werden. Je nach Stromrichtung werden unterschiedliche Effekte auf den Blutkreislauf, das Zentrale Nervensystem und die Muskulatur erzielt.
Eine absteigende Stromführung (Galvanisation) dämpft die Körperreflexe. Diese Stromführung wirkt entspannend und ist insbesondere bei spastischen Lähmungen und Muskelverspannungen hilfreich. Darüber hinaus fördert die absteigende Galvanisation den Blutstrom aus dem Lungenkreislauf in Richtung Herz. Auch werden der Rückfluß des venösen (also verbrauchten) Bluts aus der Lunge und aus den oberen Extremitäten beschleunigt sowie die Versorgung des Magen-Darm-Trakts mit frischem, arteriellem Blut verbessert.
Eine aufsteigende Galvanisation steigert die Erregbarkeit der Nerven . Ebenso wird der Rückstrom des venösen Bluts aus den Beinen und aus den Bauchorganen zum Herzen hin gesteigert und die Beförderung des verbrauchten venösen Bluts aus dem Herzen in die Lunge unterstützt.
Entscheidend für die Art der Stromführung ist jedoch vorrangig die Reaktion des Patienten auf die Galvanisation. Deshalb beobachtet der Therapeut den Patienten während der Behandlung genau, um das weitere Vorgehen danach auszurichten.
Bei der Querdurchflutung des Körpers mit Strom ist es möglich, die Behandlung regional zu begrenzen, zum Beispiel bei arthrotischen Veränderungen im Knie- oder Hüftbereich.
Das Stangerbad ist eine sinnvolle Anwendung bei:
- Lähmungserscheinungen
- funktionellen Störungen des Nervensystems
- Neuralgien (Nervenschmerzen)
- Myalgien (Muskelschmerzen
- chronischen Gelenkerkrankungen (zum Beispiel Arthrose, Arthritis)
- peripheren Gefäßerkrankungen
- chronischen Frauenleiden (Menstruationsstörungen, Wechseljahrsbeschwerden)
Die Stromstärke wird nach der individuellen Verträglichkeit dosiert
Beim Stangerbad wird mit geringen Stromstärken gearbeitet. Weil die Stromempfindlichkeit von Mensch zu Mensch sowie an verschiedenen Körperstellen unterschiedlich ist, richtet sich der Therapeut nach der individuellen Verträglichkeit der Behandlung: Er steigert langsam die Stromstärke, bis der Patient den Strom als leichtes Kribbeln wahrnimmt. Dann ist die sogenannte sensible Reizschwelle erreicht, die für die meisten Indikationen im Stangerbad ausreicht.
Eine Anwendung dauert etwa zehn bis zwanzig Minuten; die Wassertemperatur wird konstant bei 37 bis 38° Celsius gehalten (bei wärmeempfindlichen Patienten um ein bis zwei Grad niedriger). Der Strom wird erst eingeschaltet, wenn sich der Patient einige Minuten an das Wasser gewöhnt hat.
Nach Beendigung der galvanischen Durchströmung gleicht sich die Verschiebung der Ionen in den Gewebsflüssigkeiten innerhalb etwa einer Stunde allmählich wieder aus.
Die Erfahrungen mit Elektrobädern zeigen, daß bei richtiger Anwendung keine unerwünschten Nebenwirkungen zu erwarten sind. Nicht angewendet werden sollte das Stangerbad bei entzündlichen Hauterkrankungen, bei Trägern von metallischen Implantaten und Herzschrittmachern sowie während der Schwangerschaft.
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