Pharmabroschüren: geschönt und oft verdreht
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 21. Juli 2011, 06:00 Uhr
GNL5356
selbst wenn sie seriös daher kommen und Ihnen vom Doktor in die Hand gedrückt werden: Gehen Sie sehr kritisch mit Broschüren um, die von der Pharmaindustrie stammen. Einige von ihnen sind exzellent gemacht, die meisten wollen Ihnen aber ein bestimmtes Medikament verkaufen und vertuschen womöglich Informationen, die für Sie lebenswichtig sein können.
Sicher haben Sie sich auch im Wartezimmer Ihres Arztes oder in der Apotheke schon die eine oder andere Broschüre über ein bestimmtes Krankheitsbild mitgenommen oder mit Interesse studiert. Vor allem Lösungsmöglichkeiten und Hilfen werden dort meistens sehr praktisch dargestellt und angepriesen. Doch was so hilfreich klingt, ist oft geschönt oder gar gelogen "wie gedruckt". Denn was da beschrieben wird, entspricht nicht immer oder sogar eher selten der Wahrheit. Zu diesem Schluss kam vor einer geraumen Weile eine Arbeitsgruppe vom Kölner Institut evidenzbasierte Medizin. Die Aussagen in den Werbeprospekten und Patientenbroschüren der Pharmaindustrie seien zu 94 Prozent nicht durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt.
Die Wissenschaftler hatten 43 niedergelassene Ärzte gebeten, alle Broschüren und Werbematerialien aufzuheben, die ihnen von Pharmavertretern überlassen oder per Post zugeschickt wurden und ihnen zu überlassen. Dann wurden die medizinischen Aussagen zu den beworbenen Medikamenten im Detail überprüft. Interessanterweise gaben die Firmen in sechs von zehn Fällen keinerlei Quellen für ihre Behauptungen an, so die Forscher. Sie vermuten, dass es möglicherweise gar keine wissenschaftlich fundierten Quellen dafür gibt. Bei dem genaueren Studium der angegebenen Quellen steigen sie dahinter, dass acht von zehn der Aussagen überhaupt nicht mit den Quellen übereinstimmten. Oft wird ein verzerrtes Bild von Wirksamkeit und Sicherheit des jeweiligen Medikamentes gezeichnet. Etliche der angegebenen Studien waren am Ende "nicht auffindbar". Insgesamt 72 Prozent der Broschüren ließen sich letztlich nicht überprüfen. Nur magere 8 Prozent der Aussagen hielten mit der wissenschaftlichen Überprüfung stand.
Lesen Sie im nächsten Beitrag, was Sie alles in so einer Broschüre erwarten kann.
Bleiben Sie natürlich gesund!
Ihre Sylvia Schneider
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von max sommerhalder (21.07. 2011 08:05 Uhr):
Alles gut und recht. Nur: wo bleibt denn Ihre Angabe der Quelle,Zeitschrift, Ausgabe und Autoren?
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