Pflichtgefühl bei der Arbeit kann vor Alzheimer schützen
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund zum Thema Alzheimer
vom 23. April 2008, 16:00 Uhr
GNL5356
Liebe Leserin, lieber Leser,
Wissenschaftler lassen nichts unversucht, um endlich herauszufinden, wie und warum Alzheimer entsteht. Dass es zu dieser Demenzerkrankung kommen kann, wenn das Gehirn wenig zu tun hat, fanden Forscher des University Medical Center in Chicago heraus. Sie untersuchten 1.000 katholische Nonnen und Mönche. Mit Bedacht hatten sie diese Teilnehmer gewählt: Sie haben ein Leben, dass in geordneten Bahnen verläuft und gehen täglichen Aufgaben nach, sind also ständig aktiv. Zudem haben sie die gleichen Lebensbedingungen.
Die Teilnehmer mussten angeben, wie selbstdizipliniert sie sind. Dazu wurden ihnen Fragen vorgelegt, die sie anhand einer Punktetabelle bewerten mussten. So beantworteten sie unter anderem die Frage, ob sie ihre Aufgaben stets bis zum Ende erledigen. Im Durchschnitt erreichten die Teilnehmer 34 von 48 möglichen Punkten.
Innerhalb von 12 Jahren erkrankten 176 Teilnehmer an Alzheimer. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen, die mehr als 40 Punkte erreicht hatten, damit besonders viel Pflichtgefühl zeigten, ein um 89 % niedrigeres Alzheimer-Risiko aufwiesen, verglichen mit denen, die nur 28 % erreicht hatten.
Allerdings stellte sich nach dem Tod von über 300 Teilnehmern heraus, dass die Arbeit und das Pflichtgefühl sie vor dem geistigen Verfall schützte, nicht aber vor den körperlichen Ausprägungen der Demenz. Denn bei Hirnautopsien fanden sich bei allen gleich häufig Alzheimerplaques im Gehirn.
Die Forscher gehen davon aus, dass Menschen, die viel Disziplin und Pflichtgefühl aufweisen, was ihre Arbeit angeht, seltener an Alzheimer erkranken. Dadurch können sie chronischen Stress und negative Ereignisse im Leben besser abfangen.
Wie Sie sich tagtäglich vor Alzheimer und Demenz schützen können, lesen Sie übrigens auch in unserem neuen Spezialreport Gehirnjogging".
Ich wünsche Ihnen alles Gute,
Ihre Dr. Martina Hahn-Hübner