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Yamswurzel - die heilende Knolle

Bei der Yamswurzel handelt es sich um eine mehrjährige krautige Pflanze, die Wurzelknollen als Überdauerungsorgane bilden. Form und Größe dieser Wurzelknollen können sehr unterschiedlich ausfallen. Die Pflanze kommt in freier Natur fast ausschließlich in den Tropen vor.

Yamswurzel ist eine Nutzpflanze – zum einen werden diverse Arten aufgrund ihrer essbaren Wurzeln angepflanzt, zum anderen findet sie in ihrem angestammten Lebensraum auch Verwendung als Heilpflanze.

Die am häufigsten zur Nahrungsmittelgewinnung angebaute Yamswurzel entwickelt Wurzelknollen, die bis zu zwei Meter lang werden können und einen süßlichen, Esskastanien und Kartoffeln ähnelnden Geschmack haben. Sie sind reich an Provitamin A, Kalium und Stärke. Nahezu alle Yamsarten sind roh verzehrt giftig.

Die Yamswurzel – Die Frauenpflanze?

Die Yamswurzel wird als Heilpflanze häufig in der Frauenheilkunde eingesetzt. Grund dafür ist der Diosgenin-Gehalt der Knolle. Dabei handelt es sich um ein pflanzliches Hormon, das dem menschlichen Gelbkörperhormon, Progesteron, ähnelt.

Wissenschaftlich ist allerdings nicht bewiesen, ob der Körper aus Diosgenin das körpereigene Progesteron herstellen kann. Der Stoff ist neben Östrogen ein wesentlicher Bestandteil des weiblichen Hormonhaushalts und wird an den Eierstöcken produziert.

Das Hormon spielt eine wichtige Rolle in der zweiten Phase des Menstruationszyklus, während der Wechseljahre und der Schwangerschaft. Je nach Einnahme-Zeitpunkt hat die Yams-Wurzel unterschiedliche Wirkungen – beruhigend und schmerzlindernd während der Menstruation, verhütend oder auch fruchtbarkeitssteigernd je nach Zyklus-Zeitpunkt.

Hormonelle Wirkungen der Yamswurzel sind nicht nachgewiesen

Viele Hilfe suchende Patienten fallen auf diesen simplen Verkaufstrick herein: Bis in die 70er Jahre wurde der Rohstoff für die Antibabypille vor allem aus der Yamswurzel (Dioscorea villosa) gewonnen, einer nord- und mittelamerikanischen Heilpflanze.

Also – und hier beginnt der Trugschluss – muss die Pflanze selbst ebenfalls in der Lage sein, den menschlichen Hormonhaushalt zu beeinflussen. Und deshalb muss sie z. B. gegen Menstruations- und Wechseljahrsbeschwerden wirksam sein.

Der Stoff, auf dem die Wirkung beruhen soll, ist das Diosgenin: Aus diesem Phytohormon wurde tatsächlich der Anti-Babypillen-Wirkstoff Progesteron gewonnen. Allerdings sind dazu im Labor noch diverse chemische Umbaureaktionen nötig, die im menschlichen Körper gar nicht ablaufen.

Mit der Rohsubstanz Diosgenin kann Ihr Organismus also gar nichts anfangen. Es ist kein „natürliches“ Progesteron – wie in den Verkaufsprospekten zu lesen ist. Außerdem dient Diosgenin auch nicht als „unentbehrlicher Rohstoff“ für die körpereigene Produktion des Anti-Aging-Hormons DHEA.

In der weltweit größten medizinischen Datenbank „medline“ gibt es nur eine einzige Studie, die die Wirksamkeit der Yamswurzel gegen Wechseljahrsbeschwerden untersucht hat. Das Urteil der australischen Forscher aus dem Jahr 2001: Nach drei Monaten hatte die Yamswurzel lediglich dieselbe Wirkung wie ein wirkstofffreies Scheinmedikament (Placebo).

Traditionell wirksam gegen Krämpfe, Magen-Darm-Probleme und Entzündungen

Die Yamswurzel wird also wider besseren Wissens weiterhin als hormonell wirksam angepriesen. Und das, weil sich mit diesen „modernen“ Anwendungen mehr Geld verdienen lässt. Kaum beachtet wird dagegen, dass die Yamswurzel tatsächlich eine jahrhundertealte Heilpflanze ist.

Das sind die ursprünglichen Anwendungsgebiete der Yamswurzel:

  • Lösung von Krämpfen (z. B. im Magen-Darm-Trakt)
  • Verdauungsförderung durch verstärkte Gallenproduktion
  • Entzündungshemmung (z. B. bei rheumatischen Erkrankungen)
  • Durchblutungsstörungen in Armen und Beinen
  • Schleimlöser bei Husten

In ihren Ursprungsländern Mittel- und Südamerikas bereiten die Menschen vor allem frische Tees aus der Wurzel zu. In Deutschland sind in Reformhäusern, Drogerien und Apotheken meist Extrakte der Wurzel in Tablettenform erhältlich. Sie können in der Regel gefahrlos bis zu 1 g des Pulvers täglich zu sich nehmen.

Lediglich Schwangere und Stillende sollten es nicht anwenden. Nebenwirkungen der bewährten Heilpflanze sind bisher unbekannt. In der Apotheke erhalten Sie auch homöopathische Kombinationspräparate, die neben anderen Heilpflanzen u. a. Yamswurzel enthalten.

Gegen Leber- und Gallenbeschwerden wirkt z. B. Gallenja® (Monatsbedarf ca. 19 €) und die von einem Therapeuten zu verabreichende Injektionslösung hepa-loges® (5 Ampullen ca. 6 €). Bei Hautentzündungen und Arthritis hat sich das Präparat Phytocortal® bewährt (Monatsbedarf ca. 14 €).

Wechseljahrsbeschwerden: Johanniskraut und Traubensilberkerze sind besser geeignet

Die Yamswurzel hat ihre Wirksamkeit gegen entzündliche Erkrankungen und Verdauungsstörungen seit Jahrhunderten unter Beweis gestellt, und wissenschaftliche Studien können diese traditionelle Anwendung inzwischen nur bestätigen.

Dagegen ist es aus unserer Sicht absolut unverständlich, weshalb die Pflanze heute als neues Anti-Aging-Wundermittel oder gegen Wechseljahrsbeschwerden angepriesen wird. Zu diesen Anwendungsgebieten gibt es weder langjährige Erfahrungen noch wissenschaftliche Studien, die diese Vermarktungsstrategie rechtfertigen können.

Wenn Sie hormonell bedingte Beschwerden mit pflanzlichen Mitteln behandeln wollen, steht Ihnen eine Reihe von pflanzlichen Präparaten zur Verfügung. So wirkt z. B. Johanniskraut stimmungsaufhellend und Traubensilberkerze (Cimicifuga) gegen Hitzewallungen oder Schlafstörungen.

Frauen verwenden beide Pflanzen schon seit Jahrhunderten gegen Wechseljahrs- und Menstruationsbeschwerden. Und neue Studien konnten deren Wirksamkeit hier eindeutig belegen.