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Von wegen Unkraut: Nutzen Sie die Schätze vor Ihrer Haustür

Oh dieses Unkraut! Kaum strecken sich erste zarte Blättchen durch die Fugen auf der Terrasse oder außerhalb der Reihe im Gemüsebeet, sinnen wir schon auf Abwehr. Doch halt! Viele dieser unerbetenen Gäste sind wertvolle Wildkräuter, die echte Heilwirkungen haben, z. B. gegen wunde Füße, Magen-Darm-Infektionen und Leberschwäche. Machen Sie mit uns einen Spaziergang durch die Welt der „Unkräuter“ und lernen Sie dabei viele einfache Hausrezepte kennen, mit denen Sie die Heilkräfte der kleinen Helfer nutzen können.

Mit Gänsefingerkraut gegen Magen-Darm-Katarrh

Auf den ersten Blick wirken die samtigen und silbrig schimmernden Blätter des Gänsefingerkrauts (Potentilla anserina) wie Farnblätter. Doch aus der flach am Boden liegenden Blattrosette erscheinen im Sommer dunkelrote Stiele, die leuchtend goldgelbe Einzelblüten – ähnlich wie Butterblumen – tragen. Der Tee aus frischem oder getrocknetem Gänsefingerkraut hilft Ihnen bei Sommerdurchfall, weil er reichlich Gerbstoffe enthält. Auch als Gurgellösung gegen Mund- und Rachenentzündungen wurde er vom ehemaligen Bundesgesundheitsamt anerkannt. In der Volksmedizin wird der Tee zudem wegen seiner krampflösenden und schmerzlindernden Wirkung bei Menstruationsbeschwerden geschätzt.

Tee aus Gänsefingerkraut bereiten Sie aus 2 gehäuften TL frischem bzw. 1 TL getrocknetem zu. Zur Wirkungsverstärkung und Geschmacksverbesserung können Sie die gleichen Mengen Melissen-und Pfefferminzblätter hinzugeben. Zum Gurgeln sollten Sie jedoch puren Gänsefingerkraut-Tee verwenden.

Spitzwegerich: Kochen Sie einen Hustensirup für den Winter

Kleine dichte Büsche aus graugrünen Blättern mit langen Stielen, die kegelförmige Blüten mit einem weißen Kranz tragen? Das muss der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) sein. Er liefert nicht nur einen wirksamen Hustentee (2 TL getrocknete Blätter), sondern auch einen hervorragenden Hustensirup. Für den Sirup entsaften Sie einen normalen Einkaufsbeutel (Plastiktüte) voll frischer, gewaschener Spitzwegerichblätter in einer Zentrifuge. Kochen Sie diesen Presssaft mit der gleichen Menge Honig kurz auf und füllen Sie den Sirup in kleine, dunkle Flaschen, die Sie kühl und luftdicht verschlossen aufbewahren. So reicht Ihr Vorrat bis zur nächsten Erntesaison. Die Tagesdosis beträgt 3-mal 1 EL Sirup, den Sie am besten pur einspeicheln und dann langsam schlucken. Nehmen Sie die erste Dosis Spitzwegerich morgens noch im Bett ein, dann wirkt das Heilkraut am besten.

Verstopfung? Jetzt hilft Breitwegerich

Der Bruder des Spitzwegerichs ist der Breitwegerich (Plantago major). Seine derben dunkelgrünen Blätter bilden eine große halb aufrechte Rosette. Die Samenstände sind länger und dicker als die seines spitzblättrigen Bruders. Sammeln und trocknen Sie diese Samen als mildes Abführmittel. Nehmen Sie davon 1 TL in Wasser und trinken Sie reichlich Wasser nach. Die Samen vergrößern das Stuhlvolumen und sorgen so für eine verbesserte Darmentleerung. Breitwegerichblätter schützen übrigens empfindliche Füße vor Blasenbildung. Legen Sie z. B. auf Wanderungen einfach 1 bis 2 Blätter in Ihre Strümpfe. Auch wenn es schon passiert ist, lindern die Blätter die brennenden Schmerzen der aufgeriebenen Haut und fördern die Wundheilung.

Fenchel, Kümmel & Co. Schützen Sie vor Blähungen

Fenchel (Foeniculum vulgare), Kümmel (Carum carvi), Anis (Pimpinella anisum) und Koriander (Coriandrum sativum) kann man guten Gewissens als die fantastischen vier gegen Blähungen bezeichnen. Meist werden ihre Samen mit dem Wind aus Nachbars Garten zu uns geweht oder von Vögeln gebracht. Alle vier erkennen Sie an dem schnell wachsenden Einzelstängel, der eine weiße oder gelbe Blütendolde trägt. Das Laub ist ähnlich wie beim Dill recht fein und gefiedert. Koriander wächst bei uns nur in Weinbaugebieten! Die Samen dieses Quartetts beugen zuverlässig Blähungen vor. Ob als Gewürz für Gemüse, Brot, Kräuterquark oder pur auf einem Butterbrot – sie machen blähende Nahrung lecker und bekömmlich. Natürlich können Sie auch einen Tee aus den einzelnen Samen oder allen zusammen brühen. Nehmen Sie dazu 2 TL der zu gleichen Teilen gemischten, frisch zerstoßenen Samen und bereiten Sie den Tee nach dem Grundrezept zu.

Scharbockskraut reinigt die Haut und lindert Hämorrhoiden

Wo sich das gelb blühende Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) einmal eingenistet hat, wird man es kaum noch los. In kühlenden feuchten Gegenden wuchert es bis in den Sommer hinein. Daher unser Tipp: Essen Sie seine zarten gelbgrünen, glänzenden Blättchen einfach auf! Denn sie liefern reichlich Vitamin C. Sie können das recht scharf schmeckende Scharbockskraut zum Salat hinzufügen oder auch in eine heiße Kräutersuppe geben – aber bitte nicht mitkochen, sonst verflüchtigt sich das wertvolle Vitamin C. Die Tagesration sollte wegen der Scharfstoffe 12 Blättchen nicht übersteigen, um Magen- und Nierenreizungen zu vermeiden. Tee aus 1 TL frischem oder getrocknetem Scharbockskraut ist ein wichtiges „Blutreinigungsmittel“, besonders bei Hautunreinheiten. Er wird kalt angesetzt und dann aufgekocht. Gemischt zu gleichen Teilen mit den getrockneten Blättern und Blüten von Wildem Stiefmütterchen (Viola tricolor), das sich auch häufig als „Unkraut“ im Garten ansiedelt, wirkt es noch stärker. Trinken Sie 2 bis 3 Tassen frisch zubereiteten Tee über den Tag verteilt. Bei Hämorrhoiden haben sich Sitzbäder mit reinem Scharbockskraut-Tee bewährt.

Bei Leber- und Gallenschwäche: Gundermann!

Ähnlich lästig wie das Scharbockskraut kann der hellviolett blühende Gundermann bzw. die Gundelrebe (Glechoma hederacea) in feuchten Gegenden werden. Die vierkantigen Stängel der Pflanze liegen oft flach am Boden und bewurzeln sich an den Blattknoten. Die Blätter stehen gegenständig und sind nieren- bzw. herzförmig. Beim Zerreiben sondern Blätter und Stängel einen unangenehmen Geruch ab. Auch der Gundermann ist essbar. Geben Sie einige der leicht bitter schmeckenden Blättchen in den Salat, wenn Sie mit Leber- oder Gallenschwäche zu kämpfen haben. Die Bitterstoffe regen die Sekretion der Galle an. Aus der getrockneten blühenden Pflanze können Sie im Winter auch einen aromatischen Tee zubereiten, der die Sekretion von Leber und Galle anregt sowie bei Husten schleimlösend wirkt. Nehmen Sie 1 bis 2 TL getrockneten Gundermann und verfahren Sie nach dem Grundrezept. Trinken Sie 1-mal täglich 1 Tasse Tee nach Bedarf oder kurmäßig 2 Tassen täglich über maximal 6 Wochen. Die Apotheke der Natur bietet Ihnen natürlich noch viel mehr Heilkräuter, die wir modernen Menschen allzu oft als Unkraut missachten.

7 wichtige Tipps zum Sammeln von Kräutern

  1. Benutzen Sie ein gut illustriertes Bestimmungsbuch, damit Sie die richtigen Kräuter wählen.
  2. Sammeln Sie keine Pflanzen, die unter Artenschutz stehen, wie z. B. das Bergwohlverleih (Arnica montana).
  3. Sammeln Sie die Kräuter immer weit entfernt von stark befahrenen Straßen und Industrieanlagen, am besten auf Wiesen von Ökobauern.
  4. Säubern Sie mitgesammelte Wurzeln und hängen Sie die Pflanzen „kopfüber“ in Büscheln an einem trockenen, aber schattigen Ort zum schnellen Trocknen auf.
  5. Wenn Sie nur Blüten, Blätter oder Samen gesammelt haben, trocknen Sie diese in dünnen Lagen am besten auf Zeitungspapier.
  6. Bewahren Sie die gut durchgetrockneten Heilkräuter in dunklen, möglichst luftdicht verschlossenen Gläsern auf.
  7. Kontrollieren Sie Ihren Kräuterbestand regelmäßig auf Schimmel- oder Schädlingsbefall und vernichten Sie verdorbene Kräuter sofort.

So bereiten Sie einen Heilkräutertee zu

Wenn nicht anders angegeben, überbrühen Sie die empfohlene Menge Teekraut mit 1/4 l kochendem Wasser und lassen den Tee 10 Minuten zugedeckt ziehen, bevor Sie ihn abseihen. Trinken Sie täglich 3 Tassen frisch zubereiteten Tee in kleinen Schlucken. Wichtig: Bei Magen-Darm-Beschwerden sollten Sie auf jegliches Süßen verzichten. Ansonsten nehmen Sie dazu am besten Honig.

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