MenüMenü

Schafgarbe: Vielseitig wirksames Frauenkraut

Die Schafgarbe (Achillea millefolium) zählt zu unseren wichtigsten Heilkräutern. In ihrer Wirkung ähnelt sie der Kamille, jedoch belebt sie Ihren Organismus wesentlich stärker. Sie wird bei Verdauungsbeschwerden, Hautleiden und als Frauenheilpflanze eingesetzt.

Die Schafgarbe ist ein Korbblütler. Sie ist verwandt mit Löwenzahn und Gänseblümchen. Die Bezeichnungen Blutkraut, Beilkraut und Zimmermannskraut hat sie ihrer blutstillenden und wundheilenden Wirkung zu verdanken. Des Weiteren ist die Schafgarbe ist ein rechtes Frauenkraut.

Denn gleich 2 Göttinnen der Antike haben bei dieser wenig beachteten Wiesen- und Feldpflanze Patin gestanden: Aphrodite selbst, die griechische Göttin der weiblichen Schönheit und des Liebeslebens, der Klarheit und Heiterkeit, hat die Schafgarbe in die Heilkunde eingebracht.

Wie Homer in seinem Epos „Ilias” berichtet, riet sie dem griechischen Helden Achilles, das Blut aus seiner verwundeten Ferse (daher auch: Achillesferse) durch Auflegen der Schafgarbe zu stillen. Im Mittelalter dachten sich französische Alchemistinnen das Filigran der tausendblättrigen Pflanze (= mille folium) als Augenbraue der Göttin Venus.

Unscheinbar im Aussehen, aber stark in der Wirkung

Ihren deutschen Namen hat die Schafgarbe, weil sie als Feld- und Wiesenpflanze von weidenden Schafen bevorzugt wird. Ihre Erscheinung macht nicht viel her; die zarten Schirme aus weißen oder rosa Blüten über ebenfalls zarten blaugrünen, gefiederten Blättern sind eher unscheinbar.

Umso auffälliger sind ihre wundheilenden Effekte: Dieses Kraut hat eine jahrhundertelange Karriere als unübertroffen blutstillendes Mittel hinter sich. Im Ersten Weltkrieg diente sie oft als erster Schnellverband für verwundete Soldaten – wie einst für Achilles.

Für uns heute fast nicht zu glauben: Es gab dabei kaum Wundinfektionen! Denn die Schafgarbe hat bemerkenswerte antiseptische Eigenschaften – eine Jodtinktur von der Wiese.

Schafgarbe: Grundheit für Frauen

Als „Soldatenkraut” immer zur Hand, weil es auf allen Schlachtfeldern wächst, hat die Schafgarbe in der modernen Medizin wohl ausgedient; nicht aber als „Grundheil” – so ein anderer Name der Volksmedizin – für Frauen. „Schafgarb im Leib, tut wohl jedem Weib”, reimte einst der Volksmund (wobei das Wort Weib früher keinesfalls eine abwertende Bedeutung hatte).

Die Namen Bauchwehkraut und Frauenkraft weisen auf ihren positiven Einfluss auf Menstruationsbeschwerden hin. Diese Wirkung wird heute auf ihre hormonähnlichen Inhaltsstoffe – dazu später noch mehr – sowie ihre zusammenziehende und blutstillende Wirkung zurückgeführt. Gleichzeitig soll sie Krämpfe und Verspannungen lösen.

Das Hauptanwendungsgebiet der Schafgarbe sind Probleme des kleinen Beckens der Frau. Sie hilft gut bei Krämpfen im Unterleib – besonders wenn diese im Zusammenhang mit der Menstruation stehen. Dafür wird sie nicht nur als Tee getrunken, sondern auch dem Badewasser (zusammen mit Kamille) zugesetzt.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Schafgarbe enthält v. a. die folgenden Stoffe:

  • Flavonoide,
  • Gerbstoffe,
  • Saponine,
  • Salicylsäure
  • und Sterine.

Sterine sind Bausteine u. a. der Gallensäure und vor allen Dingen der Hormone. Sie stimulieren, zusammen mit den Bitterstoffen, die Tätigkeit der Leber. Sterine wirken aber auch ähnlich wie Hormone und helfen, den Monatszyklus zu regulieren und starke Blutungen zu normalisieren.

Wegen der krampflösenden Wirkung gab man früher Gebärenden Schafgarbentee zu trinken. Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden werden ihre ausgleichende Wirkung auf das Nervensystem begrüßen. Sie hat sich zudem nicht nur gegen die typischen Erschöpfungszustände in dieser Zeit als hilfreich erwiesen.

Vielmehr enthält Schafgarbe auch sogenannte Phytohormone, also bestimmte Pflanzenteile, die eine hormonähnliche Wirkung haben. Die Phytohormone wirken wie das menschliche Progesteron.

Dieses fehlt während der Wechseljahre häufig und löst die dann so typischen Beschwerden aus. Zudem kann es die Bildung von Östrogen anregen – ebenfalls ein Mangelhormon in den Wechseljahren.

Als kreislaufstärkendes Mittel hilft die Schafgarbe außerdem bei:

  • Krampfadern,
  • Hämorrhoiden,
  • Venenentzündung,
  • und hohem Butdruck.

Ihre harntreibenden Eigenschaften fördern die Entwässerung (geschwollene Beine) und die Ausscheidung von Giften mit dem Urin. Aknegeplagte Mädchen sollten es einmal mit Kompressen aus Schafgarbe versuchen.

Sie vermag überdies Gelenkschmerzen zu lindern – auch der Finger, die bei manchen Frauen in den Wechseljahren schmerzhaft anschwellen.

Diese Wirkungen der Schafgarbe sind heute wissenschaftlich anerkannt:

  • appetitfördernd
  • galleflussfördernd
  • stärkend (tonisierend)
  • blähungslösend
  • entzündungshemmend
  • krampflösend
  • wundheilungsfördernd

Anwendungsgebiete

Für medizinische Zwecke wird das blühende Kraut – vor allem die Blüten und Triebspitzen – verwendet. Das sind die 3 Hauptanwendungsgebiete der Schafgarbe:

  1. Verdauungsstörungen
  2. Wundbehandlung
  3. Menstruationsbeschwerden

Sie können getrocknete Blüten und Blätter zu Tee oder für Kompressen zu einem Aufguß (20 g Pflanzenteile auf 1/2 l kochendes Wasser) bereiten. Als Tee getrunken, reguliert die Schafgarbe den Zyklus. Er hilft bei starken Blutungen oder Bauchkrämpfen. Schafgarbentee gilt als Segen für den Verdauungstrakt.

Er senkt zudem Fieber sowie lindert Erkältungen und wird auch gern als mildes Venenmittel eingesetzt. Denn es entlastet Ihre Beine; es mildert sowohl Krampfadern als auch Hämorrhoiden. Für die blutreinigende Frühjahrskur ist frisch gepresster Saft aus der Apotheke oder dem Reformhaus am besten geeignet.

Äußerlich angewendet wird die Schafgarbe als Badezusatz oder in Form von Umschlägen. Diese helfen bei Regelschmerzen, Bauchkrämpfen, Wunden und Verletzungen. Das ätherische Öl wirkt entzündungshemmend und antiseptisch.

In der Homöopathie wird Schafgarbe zur Blutstillung und gegen Krampfadern eingesetzt. In Apotheken oder Reformhäusern erhalten Sie Fertigarzneimittel, in denen Schafgarbe enthalten ist.

Anwendung: Leberwickel mit Schafgarbe

Übergießen Sie 2 TL getrocknetes Schafgarbenkraut (aus der Apotheke) mit 1/2 l kochendem Wasser und lassen Sie den Aufguss 5 Minuten zugedeckt ziehen. Füllen Sie währenddessen eine Wärmflasche mit heißem Wasser.

Tauchen Sie ein trockenes Baumwolltuch (Molton-Tuch) in den heißen, abgeseihten Schafgarben-Aufguss, wringen Sie das Tuch gut aus und platzieren Sie es direkt auf der Haut über Ihrem rechten Rippenbogen.

Legen Sie dann die Wärmflasche darauf und wickeln Sie noch ein Wolltuch fest um Ihren Körper. Ruhen Sie jetzt etwa 20 bis 30 Minuten im Liegen. Sobald der Wickel abzukühlen beginnt, entfernen Sie ihn bitte!

Den Leberwickel sollten Sie einmal täglich, am besten nach dem Mittagessen, anlegen. Er fördert die Durchblutung Ihrer Leber und steigert damit ihre Entgiftungsleistung. Gleichzeitig wirkt er – nicht nur beim Fasten – vorbeugend gegen Darmkrämpfe, Durchfall und Verstopfung.

Vorsicht bei Allergien

Wer auf Korbblüter allergisch reagiert, sollte Schafgarbe nicht verwenden! Sie kann Allergien auslösen. Vor einer Behandlung sollten Sie also Ihre Reaktion testen. Zeigen sich in der Ellenbeuge nach längerem Hautkontakt weder Rötung noch Ausschlag, können Sie das Heilkraut verwenden – wie alle Heilpflanzen kurmäßig jedoch nicht länger als 4 Wochen am Stück.

Darüber hinaus empfiehlt sich besonders während einer Schwangerschaft der Verzicht, da das Heilkraut die Gebärmutter zu stark stimuliert. Bei Menschen mit empfindlicher Haut kann Schafgarbe obendrein die Lichtempfindlichkeit erhöhen.