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Pflanzenheilkunde: Inhalts- und Wirkstoffe der Heilpflanzen

Die Wissenschaft versucht, den Heilwirkungen bestimmter Pflanzen auf die Spur zu kommen, indem sie ihre Inhaltsstoffe analysiert und in Gruppen einordnet. Das letzte Geheimnis einer Heilpflanze besteht aber in ihrer jeweils besonderen Verbindung vieler Stoffe, die auch heute noch großenteils unbekannt sind.

Kräutertee mit Wildblumen und Kräutern© Alexander Raths - Fotolia

Die Inhaltsstoffe der Heilpflanzen

Als Glykoside bezeichnet man Verbindungen von Zucker mit anderen Molekülen. Zu ihnen gehören mehrere Gruppen. Digitalis-Glykoside werden aus dem Fingerhut (lateinisch: Digitalis) gewonnen, der giftig ist. In kleinsten Mengen stärken sie das Herz.

Flavonoide sind eine Gruppe meist gelber Pflanzenstoffe. Je nach Pflanze unterscheiden sie sich in ihrer Struktur und Zusammensetzung und damit auch in ihrer Wirkung. So wirken die Flavonoide aus Birkenblättern harntreibend und die aus Kamillenblüten krampflösend.

Weil Flavonoide die Permeabilität (Durchlässigkeit) der kleinsten Blutgefäße günstig beeinflussen, werden sie häufig bei Venenerkrankungen, Koronarer Herzkrankheit und Durchblutungsstörungen, aber auch bei Lebererkrankungen eingesetzt.

Saponine bilden in wäßriger Lösung einen seifenähnlichen Schaum, daher hat die Gruppe ihren Namen (lateinisch: sapo = Seife). Auch Saponine haben unterschiedliche Strukturen und damit unterschiedliche Wirkungen.

Manche erleichtern das Abhusten und werden bei Atemwegserkrankungen angewendet, andere dichten die Gefäßwände ab und sind daher gut als Venenmittel geeignet (z. B. Saponine aus der Rosskastanie). Saponinen wird auch eine leistungssteigernde und stressabschirmende Wirkung bescheinigt.

Ätherische Öle (griechisch: Äther = Himmesluft) sind Gemische aus verschiedenen Pflanzenstoffen. Gemeinsam ist ihnen ein aromatischer Geruch (Rosen, Pfefferminze, Eukalyptus, Kiefernadel usw.). Den Hauptbestandteil ätherischer Öle bilden die Terpene.

Diese Stoffklasse ist wiederum eingeteilt in Mono-, Di- und Triterpene (mono = eins, di = zwei und tri = drei). Die Terpene kommen in außerordentlich verschiedenen Pfanzen vor und ihre Eigenschaften sind mannigfaltig. Zu Ihnen gehören:

  • Menthol ist im ätherischen Öl der Pfefferminze enthalten. Es erzeugt auf der Haut ein Kältegefühl und dämpft Schmerzen. Bei innerer Anwendung wirkt es entkrampfend und schleimlösend.
  • Eukalyptusöl mit dem Hauptwirkstoff Cineol wird aus den Blättern des Eukalyptusbaumes gewonnen. Es hat eine antiseptische, also keimtötende Wirkung. Aufgrund seiner gelinden Reizwirkung regt es die Blutzirkulation erkrankter Organe an. Es wird häufig bei Erkältungen zur Beruhigung der Schleimhäute des Mundes, des Rachens und der Nase angewandt.
  • Kampfer wird aus dem Stammholz alter Kampferbäume gewonnen. Er ist aber auch ein Bestandteil des ätherischen Öls von Lavendel– und Salbeiarten. Kampfer wirkt anregend auf die Atem- und Gefäßzentren im Gehirn und ist ein ausgezeichnetes Stimulans für das Herz und für einen niedrigen Blutdruck. Außerdem stärkt er die Atmung bei Fieberkranken.

Phytosterine gehören zu den Triterpenen. Weil sie eine hormonähnliche Struktur haben, werden sie auch „pflanzliche Östrogene“ genannt.

Sie kommen beispielsweise in Kürbissamen, Brennesselwurzeln, Hopfen, Weidenröschen oder Ginseng vor. Es wird angenommen, dass Phytosterine in die Produktion der Sexualhormone eingreifen.

Gerbstoffe können bestimmte Eiweiß-Moleküle (Kollagene) der Haut binden. Diese Eigenschaft machen sich Gerber zunutze, um Tierhaut zu Leder zu verarbeiten. Für die Medizin sind sie wegen ihrer reizmildernden, entzündungshemmenden und antibakteriellen Wirkung interessant.

Innerlich helfen Gerbstoffe bei Magenbeschwerden und Durchfall. Äußerlich dienen sie der Behandlung von Wunden, Entzündungen oder Hämorrhoiden. Diese rot oder gelb erscheinenden Stoffe werden aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften in verschiedene Gruppen unterteilt:

  • Carotine, zum Beispiel das Lycopin in Tomaten, das Alpha- und das Beta-Carotin in Karotten
  • XantOphylle: Lutein in grünblättrigen Gemüsearten, wo sie die Pflanzenzellen vor dem schädigenden Einfluss der UV-Strahlen schützen

Der menschliche Organismus nützt die Carotinoide (insbesondere Beta-Carotin) als eine Vorstufe, um daraus Vitamin A (Retinol) zu bilden. Daher heißen sie auch Provitamin A.

Natürlich antibakteriell: Antibiotische Heilpflanzen

Es gibt Krankheitsbilder, bei denen leider nur noch Antibiotika weiterhelfen. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie keine Alternative dazu haben, Breitbandantibiotika zu schlucken, die Ihre Magenschleimhaut angreifen und Ihren Genesungsprozess aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen herauszögern.

Frischer Basilikum mit Schneidebrett© adobe - Mara Zemgaliete

Die Naturmedizin bietet Ihnen mit antibiotischen Heilpflanzen eine natürliche Alternative zu verschreibungspflichtigen Präparaten aus der Apotheke. Einige dieser Pflanzen kennen Sie aus dem täglichen Hausgebrauch.

Antibiotische Heilpflanzen im Überblick

  • Basilikum: Basilikum schmeckt nicht nur als Zutat der italienischen Küche hervorragend. Die ätherischen Öle aus dem aromatischen Blatt wirken außerdem entzündungshemmend und können bei der Bekämpfung von Akne eingesetzt werden.
  • Johanniskraut: Sicher ist Ihnen Johanniskraut als hochwirksames pflanzliches Antidepressivum bekannt. Was Sie möglicherweise noch nicht wussten, ist, dass die Powerpflanze auch eine antibakterielle und antientzündliche Wirkung besitzt.
  • Teebaumöl: Das aromatisch duftende Teebaumöl wird selbst dann eingesetzt, wenn gewöhnliche Antibiotika längst versagt haben. Als wässriges Gel können Sie es auf der Haut anwenden, wo es nicht nur Bakterien und Viren bekämpft, sondern auch Pilze beseitigt. So sagen Sie den Auslösern für Hautunreinheiten und -irritationen wirksam den Kampf an.
  • Zistrose: Möglicherweise sind Sie im Griechenlandurlaub schon einmal mit dem landestypischen Bergtee in Kontakt gekommen. Dieser beliebte Kräutertee wird aus den Blättern der Zistrose aufgebrüht, einem seit vielen Jahrhunderten als Heilpflanze geschätzten Antibiotikum. Inhaltsstoffe der Pflanze umkapseln Bakterien und Viren, machen sie weniger ansteckend und mildern den Krankheitsverlauf.
  • Umckaloabo: Umckaloabo ist hierzulande wegen seiner Wirksamkeit bei Bronchitis und anderen Atemwegserkrankungen sehr populär. Wenn Sie festgesetzten Schleim lösen möchten und Ihren langwierigen Husten mithilfe eines pflanzlichen Antibiotikums bekämpfen möchten, sollten Sie dieses antiseptische Mittel ausprobieren.
  • Kapuzinerkresse: Schon die Inkas wussten von der Heilkraft der Kapuzinerkresse. Die Blüte ist dekorativ und hat einen würzigen, leicht scharfen Geschmack. Bei einer Nasennebenhöhlenentzündung ist die Kapuzinerkresse bisweilen wirksamer als ein gewöhnliches Präparat. Mit einem regelmäßigen Verzehr beugen Sie Harnwegsinfekten vor.

Auch wenn die Wirksamkeit einiger antibiotischer Heilpflanzen sicher noch nicht hinreichend belegt ist, stellen diese Mittel eine hervorragende Ergänzung oder gar Alternative zu ärztlich verordneten Antibiotika dar.

Unterstützen Sie Ihren Körper mithilfe dieser Powerpflanzen und machen Sie sich das Jahrhunderte alte Wissen der Naturheilkunde zunutze.

So erkennen Sie gute Heilpflanzen-Präparate

Wer bei Beschwerden lieber Mutter Natur vertraut als den Pharmaküchen der Arzneimittelhersteller, hat auch hier die Qual der Wahl. Denn die Zahl der im Handel befindlichen Präparate ist für den Laien unüberschaubar.

Johanniskrauttabletten und -blüten© Printemps - Fotolia

Doch nicht alle Mittel erfüllen die rechtlichen Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes. Mit diesen drei Checkpunkten prüfen Sie, ob das pflanzliche Präparat Ihnen wirklich helfen kann:

  1. Lesen Sie die Packungsbeilage aufmerksam durch. Hier muss genau beschrieben sein, aus welchen Pflanzenteilen das Präparat gewonnen wurde und wie es angewendet werden soll.
  2. Achten Sie auf die Zulassungsnummer des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. Sie garantiert Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Im Zweifel gibt Ihnen Ihr Apotheker gern Auskunft.
  3. Achten Sie auf die Formulierungen in den Anwendungshinweisen. Steht dort beispielsweise „wird traditionell angewendet bei“, ist dies häufig ein Hinweis darauf, dass nur geringe Wirkstoffmengen enthalten sind. Wirksamkeit und Unbedenklichkeit müssen bei diesen Präparaten nicht nachgewiesen werden. Deshalb sollten Sie diese lieber im Regal stehen lassen.
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