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Johanniskraut: Pflanzlicher Stimmungsaufheller

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Übersichtsseite Johanniskraut

Wenn Sie unter leichten Depressionen leiden, gerade jetzt im Herbst aus unerklärlichen Gründen öfter traurig sind, sollten Sie sich nicht gleich Antidepressiva verschreiben lassen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt lieber den Einsatz von Johanniskraut. Warum das Johanniskraut einen solchen Einfluss auf Ihr Gemüt haben kann, erfahren Sie hier.

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Sylvia Schneider
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Es gibt zahlreiche Arten des Johanniskrauts. Medizinisch interessant ist aber nur das „Tüpfel-“ oder „Echte Johanniskraut“, botanisch „Hypericum perforatum“. Das Tüpfel-Johanniskraut ist anspruchslos und in Europa weit verbreitet. Es blüht von Juni bis September. Zerreibt man die leuchtend gelben Blüten, tritt eine rote, stark färbende Flüssigkeit aus.

Diese rote Flüssigkeit beinhaltet auch eine der pharmakologisch bedeutsamen Stoffe des Tüpfel-Johanniskrauts, das Hypericin oder Hypericumrot. Russische Forschergruppen untersuchten zwischen 1971 und 1975 das Hyperforin, einen anderen Wirkstoff des Johanniskrauts, und entdeckten dessen enge chemische Verwandtschaft mit den beruhigenden Inhaltsstoffen des Hopfens. Hyperforin und Hypericin gehören zu den wichtigsten Inhaltsstoffen des Johanniskrauts. Sie sorgen dafür, dass an den Nervenverbindungen des Gehirns genügend Überträgerstoffe, z. B. auch das „Glückshormon“ Serotonin, zur Verfügung stehen.

Greifen Sie zur Natur statt zur Chemie

Zur Behandlung von Depressionen hat sich, vor allem in akuten Situationen, der Einsatz von Psychopharmaka, speziell von Antidepressiva bewährt. Diese Medikamente bessern zuverlässig die depressive Stimmungslage. Sie können jedoch eine ganze Reihe von Nebenwirkungen haben.

Aber Sie können diese in vielen Fällen durch Johanniskraut ersetzen: Mehr als 25 kontrollierte klinische Studien konnten nachweisen: Hypericum verbessert bei 60 bis 70 Prozent der Patienten mit leichten bis mittelschweren Depressionen die Beschwerden. Voraussetzung ist eine Dosierung von 500 bis 900 Milligramm Extrakt pro Tag, das entspricht drei Kapseln eines hoch dosierten Johanniskraut-Präparats. Nach Einschätzung einiger Experten entspricht die Wirksamkeit von Johanniskraut der von synthetischen Antidepressiva. Als Nebenwirkung von Johanniskraut tritt vorwiegend bei hellhäutigen Menschen eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht auf. Sie sollten daher bei starkem Sonnenschein, z. B. wenn Sie jetzt Urlaub im Süden machen, sehr vorsichtig sein.

Johanniskraut erhalten Sie in unterschiedlichen Darreichungsformen, Herstellungsverfahren und Dosierungen. Wesentlich für den Erfolg einer Behandlung ist die Qualität des Produkts. Die Unterschiede zwischen den vielen in Apotheken erhältlichen Präparaten sind teilweise sehr groß. Bei der Wahl können Ihnen Arzt oder Apotheker helfen.

Ergänzen Sie Angsttherapien mit Johanniskraut

Etwa fünf Millionen Deutsche leiden über längere Zeiträume oder ständig unter Angst. Für die Betroffenen ist das eine doppelte Qual: Zur Angst und den damit verbundenen körperlichen Beschwerden kommt auch häufig eine Vereinsamung. Denn viele Mitmenschen haben kein Verständnis für die – ihrer Ansicht nach irrationale – Panik. Sie können diese Nöte einfach nicht nachvollziehen.

Bei krankhaften Angstzuständen muss ein Gespräch mit einem Psychologen an erster Stelle stehen. Er kann dann entscheiden, welche weiteren Behandlungsschritte einzuleiten sind. Entspannungstechniken, Atemtraining oder autogenes Training können Ihnen dabei helfen, Angststörungen zu bewältigen. Auch gegen Angsterkrankungen ist Johanniskraut in einer Dosis von 500 bis 900 Milligramm pro Tag hilfreich. Es hilft Ihnen zu entspannen und durch die stimmungsaufhellende Wirkung erscheinen Ihnen Ihre Ängste nicht mehr so bedrohlich.

Auch pflanzliche Mittel sind nicht frei von Wechselwirkungen

Grundsätzlich gilt: Auch pflanzliche Arzneimittel haben nicht nur Heil-, sondern können auch Neben- und Wechselwirkungen haben. Das gilt auch für pflanzliche Arzneimittel aus Johanniskraut. Verschiedene Beobachtungen und Untersuchungen sprechen dafür, dass die Einnahme von Johanniskraut die Wirksamkeit von anderen Arzneimitteln aufheben kann. Beispiele:

  • Ciclosporin (unterdrückt die Aktivität des Immunsystems, verhindert nach Transplantationen eine Abstoßung des verpflanzten Organs)
  • Indinavir und andere AIDS-Medikamente
  • Antidepressiva
  • Gerinnungshemmer (so genannte Cumarine) 
  • Digoxin (ein Herzmedikament)
  • Theophyllin (wird bei Asthma eingesetzt)
  • Anti-Baby-Pille

Diese Beobachtungen prüft das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) im Moment. Sollte sich der Verdacht der Wechselwirkungen bestätigen, würden die Hersteller dazu verpflichtet, entsprechende Hinweise in den Beipackzettel mit aufzunehmen.
Dennoch ist die Anwendung von Johanniskraut und anderer pflanzlicher Arzneimittel im Rahmen der Selbstmedikation in aller Regel unproblematisch, wenn Sie die Angaben zur Indikation, Dosierung berücksichtigen. Bei Unklarheiten, anhaltenden Beschwerden oder unerwarteten Wirkungen bzw. Nebenwirkungen sollten Sie jedoch immer einen Arzt aufsuchen.

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