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Sanft und ohne Nebenwirkungen: Schon Paracelsus nutzte die Heilkräfte der pflanzlichen Urtinkturen

von Dr. Ulrich Fricke, Chefredakteur von „Länger und gesünder leben“, dem Dienst, der Ihnen hilft, vorzubeugen und zu heilen mit Naturmitteln und neuen Therapieverfahren

Traditionelle Medizin steht wieder hoch im Kurs. Therapeuten, die auf alte chinesische Heilverfahren wie Akupunktur oder Akupressur vertrauen, haben Hochkonjunktur. Immer mehr Bücher über Ayurveda, die alte indische Heilslehre, oder über die traditionelle tibetische Medizin erreichen Auflagenrekorde. Aber eine „traditionelle europäische Medizin“? Haben Sie davon schon einmal gehört? Dabei gibt es eine alte Heilkunde, deren Wurzeln sich über die mittelalterlichen Alchemisten und den Arzt Paracelsus (1493 – 1541) bis zu den alten Griechen zurückverfolgen lassen: die Spagyrik. Sie wird heute fast ausschließlich von Heilpraktikern angewenden. Lesen Sie hier, mit welchem Aufwand die heilenden Essenzen gewonnen werden und worauf ihre Wirkung begründet ist. Außerdem erfahren Sie, wie Sie die Medikamente richtig anwenden. Ihre Einsatzgebiete sind vor allem chronische Beschwerden wie Rheuma, Verdauungsprobleme oder Schmerzsyndrome. Aber auch bei Schlafproblemen oder psychischen Verstimmungen können Sie den spagyrischen Heilkräften vertrauen.

Die Heilkraft der Pflanzen: mehr als ihre Inhaltsstoffe?

Pflanzen sind die ältesten Heilmittel der Menschheit. Doch was sie im Körper bewirken, darüber gibt es ganz unterschiedliche Vorstellungen. Die moderne Medizin hat z. B. sehr wirksame Einzelsubstanzen aus ihnen isoliert. So stammen die Wirkstoffe in Aspirin, der Anti-Baby-Pille oder in Herzglykosiden ursprünglich aus dem Pflanzenreich. Aber von der eigentlichen Pflanze bleibt in den modernen Präparaten bis auf den eigentlichen Wirkstoff so gut wie nichts übrig. Die moderne Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) geht da schon anders vor: Sie vertraut auf die Gesamtheit aller Inhaltsstoffe, die durch Extraktionsverfahren gewonnen und dann in Tabletten, Kapseln oder Tropfen verabreicht werden.

Aber es gibt auch medizinische Lehren, die die Heilwirkung der Pflanzen nicht allein an ihre Inhaltsstoffe gebunden sehen. Die Homöopathie geht davon aus, dass diese „Heilinformation“ auf das Lösungsmittel übertragbar ist, in dem die Wirksubstanzen gelöst waren. Sie bleibt selbst dann erhalten, wenn der ursprüngliche Wirkstoff durch quasi unendliches Verdünnen gar nicht mehr nachweisbar ist. Eine ähnliche „nichtstoffliche“ Vorstellung liegt auch der Spagyrik zugrunde.

Gärung und Destillation verstärken die Wirkung

Der Begriff Spagyrik wurde vermutlich von Paracelsus selbst geprägt. Er leitet sich ab von den griechischen Wörtern für „trennen“ (spaein) und „vereinigen“ (agarein). Dies bezieht sich auf die komplizierte Herstellungsweise der verwenden Arzneistoffe. Nach spagyrischen Vorstellungen muss die der Pflanze innewohnende Heilkraft zunächst von unreinen Inhaltsstoffen getrennt werden. Der Herstellungsprozess besteht aus sechs verschiedenen Schritten.

So werden spagyrische Arzneimittel hergestellt:

  • Die Pflanzenmasse wird mit Wasser und Hefe versetzt.
  • Bei 20 bis 25° C wird der Ansatz vergoren.
  • Destillation mit Alkohol; nur die flüchtigen Substanzen bleiben im Alkohol gelöst.
  • Auspressen und Trocknen des Destillationsrückstands
  • Veraschung des Rückstands bei 400° C
  • Vereinigung von Asche und Alkohol-Destillat

Die Inhaltsstoffe werden also zunächst getrennt und danach wieder vereint. Aber der Trennprozess setzt die Heilkräfte nicht nur frei, sondern soll auch deren Wirkung verstärken. Nach spagyrischen Vorstellungen sind die Heilmittel keine „Auszüge“ aus den jeweiligen Pflanzen, sondern „Umformungen“ der Pflanze auf eine höhere Ebene der Heilkraft.

Heilkraft und „Planetenkraft“ ergänzen sich

Allerdings fächert sich die Spagyrik in sehr viele unterschiedliche Richtungen auf. Und jede hat ihre eigenen Vorschriften zur Herstellung. So gibt es allein in Deutschland mindestens sieben Firmen, die spagyrische Heilmittel herstellen (z. B. HSI, Iso, Pekana, Phönix, Soluna, Solaris und Staufen-Pharma). Die Firmen wurden meist von einzelnen Spagyrik-Therapeuten gegründet, die die nach ihren Vorstellungen „besten“ Herstellungsverfahren verwenden. Zum Einsatz kommen dabei nicht nur Arzneien, die auf Pflanzen basieren.

Diese Wirkstoffe werden verwendet:

  • Pflanzen
  • Mineralien
  • tierische Materialien (z. B. Korallen, Meerschwamm, Schlangengift)
  • Metalle
  • patienteneigenes Blut

Eingesetzt werden meistens Kombinationen verschiedener Mittel, z. B. eine Heilpflanze, ein Mineral und ein Metall. Bei der Auswahl des richtigen Mittels richten sich einige Therapeuten – neben ihren Vorlieben für eine therapeutische Richtung und den entsprechenden Herstellerfirmen – u. a. danach, welche „Planetenausrichtung“ das erkrankte Organ hat. So sollte die verwendete Heilpflanze demselben „Planeten“ zugeordnet sein. Zu den „Planeten“ zählen die Spagyriker übrigens auch die Sonne und den Mond. Hier werden die mystischen, astrologischen und esoterischen Wurzeln des Verfahrens besonders deutlich.

Arnika, Zinnkraut und Alraune befreien Sie von Gelenkschmerzen

Am Beispiel von rheumatischen Erkrankungen wird die Auswahl der richtigen Mittel besonders deutlich. Oft verordnen die Therapeuten drei so genannte „Grundmittel“. Bei degenerativem Gelenkrheuma (Arthrose) sind dies z. B. Arnika, Zinnkraut und Alraune. Sie sollen die Versorgung und Durchblutung der Gelenke fördern. Hinzu kommen dann zwei Ergänzungsmittel, die sich nach den individuellen Beschwerden richten. Wenn sich Ihre Beschwerden bei Bewegung bessern, wird Ihnen der Therapeut Giftsumach (Rhus tox) verordnen; sind Ihre Bewegungen dagegen schmerzhaft, dann wäre die Zaunrübe die richtige Wahl. Bei entzündlichem Gelenkrheuma (Arthritis) sind die drei Grundmittel Mädesüß, Herzsame und Brennnessel. Sie hemmen Entzündungen im Gelenkbereich. Als Ergänzungsmittel kommen in Frage: Granatapfel bei schmerzenden Fingergelenken oder Berberitze bei gleichzeitiger Nierenschwäche. Leiden Sie dagegen unter rheumatischen Schmerzen in den Muskeln (z. B. Fibromyalgie) oder Nervenschmerzen, sind „Ihre“ Grundmittel Herzsame, Koloquinte und Berberitze. Ist der Schmerz sehr heftig und tritt plötzlich auf, kommt Eisenhut hinzu, bei psychischen Spannungen Pfefferminze.

Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten

Wenn Sie sich mit spagyrischen Mitteln behandeln lassen möchten, dann wenden Sie sich am besten an einen Heilpraktiker oder einen Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Naturheilverfahren“. Eine ärztliche Behandlung hat den Vorteil, dass Sie die Kosten für die Medikamente unter Umständen sogar von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet bekommen. Denn ähnlich wie die Homöopathie und die anthroposophische Medizin zählt die Spagyrik teilweise zu den „besonderen therapeutischen Heilverfahren“. Für sie können Medikamente erstattet werden, die bisher nicht in wissenschaftlich anerkannten Studien überprüft wurden. Spagyrik ist mit Sicherheit nicht das universelle Heilverfahren für jedermann. Sie wird Ihnen aber eine wertvolle Hilfe sein, wenn Ihre persönliche Sichtweise von Krankheit und Gesundheit mitgeprägt ist von heilsamen Naturkräften, die sich auf Ihren Körper übertragen lassen. Therapeuten, die nach spagyrischen Vorschriften arbeiten, haben allerdings schon in so manchem „hoffnungslosen“ Fall helfen können. Die verordneten Mittel sind recht preisgünstig (Monatsbedarf meist unter 30 €), und Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Daher kann sich ein Versuch mit dieser uralten Medizin unseres europäischen Kulturkreises für Sie auf jeden Fall rentieren.

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