Heilpflanzen: Wirkstoffe
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Die Wissenschaft versucht, den Heilwirkungen bestimmter Pflanzen auf die Spur zu kommen, indem sie ihre Inhaltsstoffe analysiert und in Gruppen einordnet. Das letzte Geheimnis einer Heilpflanze besteht aber in ihrer jeweils besonderen Verbindung vieler Stoffe, die auch heute noch großenteils unbekannt sind.
Als Glykoside bezeichnet man Verbindungen von Zucker mit anderen Molekülen. Zu ihnen gehören mehrere Gruppen:
Digitalis-Glykoside werden ausdem Fingerhut (lateinisch: Digitalis) gewonnen, der giftig ist. In kleinsten Mengen stärken sie das Herz.
Flavonoide sind eine Gruppe meist gelber Pflanzenstoffe. Je nach Pflanze unterscheiden sie sich in ihrer Struktur und Zusammensetzung - und damit auch in ihrer Wirkung. So wirken die Flavonoide aus Birkenblättern harntreibend und die aus Kamillenblüten krampflösend. Weil Flavonoide die Permeabilität (Durchlässigkeit) der kleinsten Blutgefäße günstig beeinflussen, werden sie häufig bei Venenerkrankungen, Koronarer Herzkrankheit und Durchblutungsstörungen, aber auch bei Lebererkrankungen eingesetzt.
Saponine bilden in wäßriger Lösung einen seifenähnlichen Schaum - daher hat die Gruppe ihren Namen (lateinisch sapo = Seife). Auch Saponine haben unterschiedliche Strukturen und damit unterschiedliche Wirkungen. Manche erleichtern das Abhusten und werden bei Atemwegserkrankungenangewendet, andere dichten die Gefäßwände ab und sind daher gut als Venenmittel geeignet (zum Beispiel Saponine aus der Roßkastanie). Saponinen wird auch eine leistungs-steigernde und streßabschirmende Wirkung bescheinigt.
Ätherische Öle (von griechisch Äther = Himmesluft) sind Gemische aus verschiedenen Pflanzenstoffen. Gemeinsam ist ihnen ein aromatischer Geruch (Rosen, Pfefferminze, Eukalyptus, Kiefernadel usw.). Den Hauptbestandteil ätherischer Öle bilden die Terpene. Diese Stoffklasse ist wiederum eingeteilt in Mono-, Di- und Triterpene (mono = eins, di = zwei und tri = drei). Die Terpene kommen in außerordentlich verschiedenen Pfanzen vor, und ihre Eigenschaften sind mannigfaltig. Zu Ihnen gehören:
Menthol ist im ätherischen Öl der Pfefferminze enthalten. Es erzeugt auf der Haut ein Kältegefühl und dämpft Schmerzen. Bei innerer Anwendung wirkt es entkrampfend und schleimlösend.
Eukalyptusöl mit dem Hauptwirkstoff Cineol wird aus den Blättern des Eukalyptusbaumes gewonnen; es hat eine antiseptische, also keimtötende Wirkung. Aufgrund seiner gelinden Reizwirkung regt es die Blutzirkulation erkrankter Organe an. Es wird häufig bei Erkältungen zur Beruhigung der Schleimhäute des Mundes, des Rachens und der Nase angewandt.
Kampfer wird aus dem Stammholz alter Kampferbäume gewonnen; er ist aber auch ein Bestandteil des ätherischen Öls von Lavendel- und Salbeiarten. Kampfer wirkt anregend auf die Atem- und Gefäßzentren im Gehirn und ist ein ausgezeichnetes Stimulans für das Herz und für einen niedrigen Blutdruck. Außerdem stärkt er die Atmung bei Fieberkranken.
Phytosterine gehören zu den Triterpe-nen. Weil sie eine hormonähnliche Struktur haben, werden sie auch „pflanzliche Östrogene" genannt. Sie kommen z. B. in Kürbissamen, Brennesselwurzeln, Hopfen, Weidenröschen oder Ginseng vor. Es wird angenommen, daß Phytosterine in die Produktion der Sexualhormone eingreifen.
Gerbstoffe können bestimmte Eiweiß-Moleküle (Kollagene) der Haut binden. Diese Eigenschaft machen sich Gerber zunutze, um Tierhaut zu Leder zu verarbeiten. Für die Medizin sind sie wegen ihrer reizmildernden, entzündungshemmenden und antibakteriellen Wirkung interessant. Innerlich helfen Gerbstoffe bei Magenbeschwerden und Durchfall. Äußerlich dienen sie der Behandlung von Wunden, Entzündungen oder Hämorrhoiden.
Diese rot oder gelb erscheinenden Stoffe werden aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften in verschiedene Gruppen unterteilt: Eine Gruppe bilden die
Carotine (zum Beispiel das Lycopin in Tomaten), das Alpha- und das Beta-Carotin in Karotten. Zu einer anderen Gruppe gehören die
XantOphylle (Lutein in grünblättrigen Gemüsearten, wo sie die Pflanzenzellen vor dem schädigenden Einfluß der UV-Strahlen schützen).
Der menschliche Organismus nützt die Carotinoide, insbesondere Beta-Carotin, als eine Vorstufe, um daraus Vitamin A (Retinol) zu bilden; daher heißen sie auch Provitamin A.