Efeu: Die kletternde Heilpflanze
Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Übersichtsseite Efeu
Die in unseren Breiten gedeihende Kletterpflanze wirkt besonders beeindruckend, wenn sie sich bis in die oberen Stockwerke alter Gebäude emporrankt – Efeu kann mühelos bis in 20 Meter Höhe klettern. Weil er häufig auch auf Friedhöfen gedeiht, wird er in manchen Regionen als Totenranke bezeichnet; in anderen Gebieten ist die Bezeichnung Rankenefeu oder Mauerefeu üblich.
GNL5356
Efeu zählt zu den besonders langlebigen Pflanzen: Erst im Alter von 70 Jahren erblüht er zum ersten Mal – mit kleinen, grünen Blüten; 200 Jahre alte Efeupflanzen sind keine Seltenheit. Die langen, festen, sich windenden Stiele standen Pate für die fachliche Bezeichnung des Efeus: „hedea” ist die keltische Bezeichnung für ein Seil, „helissó” heißt griechisch „sich winden, sich drehen”.
Obwohl über Efeu seit dem Altertum viele Geschichten gedichtet wurden, fand er in der Medizin lange Zeit keine Beachtung. Verhältnismäßig spät wurde er von der Volksheilkunde zur Behandlung von Tuberkulose herangezogen. Efeubeeren fanden als Brech- und Durchfallmittel Anwendung. Mancherorts wurde der Efeustamm angeschnitten und der austretende, harzähnliche Saft als Heilmittel angewendet.
Bei diesen Indikationen ist die Wirkung von Efeu belegt:
- Katarrhe der Luftwege
- chronisch-entzündliche Bronchialerkrankungen
- zur Förderung des Abhustens
- als Schleimbildner
- als krampflösendes Mittel bei spastischer Bronchitis und Keuchhusten
In der Volksmedizin wird Tee aus Efeu angewendet auch bei:
- Gicht
- Rheuma
- Skrofulose (allergische Hautund Lymphknoten-Erkrankung)
Abkochungen aus Efeublättern äußerlich bei:
- Parasitenbefall (Läuse, Krätze)
- eitrigen Wunden
- Brandwunden
- Geschwüren
In den letzten Jahren ist das Inter-esse der modernen Pharmakologie an Efeu deutlich gestiegen. Denn in der Pflanze, insbesondere aber in den blauschwarzen, runden Beeren, ist eine ganze Reihe hochinteressanter, zum Teil noch nicht erforschter Substanzen enthalten.
Die bedeutsamsten Inhaltsstoffe des Efeus sind:
- Hederasaponine
- Polyazetylene
- Sterole (Stigmasterol, Sitosterol, Cholesterol, Campesterol)
- Kaffeesäure, Chlorogensäure
- ätherische Öle und andere
Erwiesen ist, daß einzelne Inhaltsstoffe des Efeus (vor allem die sogenannten Hederasaponine) antimykotisch (pilzhemmend), antibakteriell (bakterienhemmend), anthelmintisch (gegen Wurmbefall) und anti-protozoisch (gegen parasitäre Einzeller) wirksam sind.
Vielversprechend ist die neue Entdeckung, daß einige Hederasaponine zellschädigende Wirkungen gegen Tumorzellen haben. Außerdem wurde nachgewiesen, daß bestimmte Substanzen dieser Gruppe vor Mutationen schützen können, die beispielsweise durch den bekannten Krebserreger Benzpyren hervorgerufen werden. Eine andere Substanzgruppe aus Efeu, die Polyazetylene (Falcarinon, Falcarinol), wirkt ebenfalls gegen Pilzbefall, hat darüber hinaus aber auch antibakterielle, schmerzlindernde und beruhigende Wirkungen.