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Die Brennnessel: Vielseitig und oft unterschätzt

Wer einmal in einen Brennnesselgraben fiel, kennt die juckende Pflanze von der ungemütlichen Seite. Doch die Brennnessel führt zu Unrecht ein Schattendasein in unserer Gunst. Gerade ihre brennenden Nesseln enthalten viel Ameisensäure und Enzyme, die aufbauend und heilend auf unseren Körper wirken.

Statt ärgerlich herausgerupft, sollte sie also sorgfältig geerntet werden. Verwendet werden den ganzen Sommer über die frischen Sprosse und die Wurzel. Für den Winter ist Presssaft aus der Apotheke oder dem Reformhaus besser als die getrocknete Pflanze.

Die gewöhnliche Brennnessel lässt sich an jedem Bahndamm finden und wächst allgemein in jedem Boden, der einen hohen Gehalt an Stickstoff aufweist. Sie gehört zur Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae). Man unterscheidet zwei Arten: die kleine (Urtica urens) wächst bis zu fünfzig zentimeter hoch und die große Brennnessel (Urtica dioica) bringt es auf nahrhaftem Boden auf gut 2,5 Meter.

Inhalt:

  1. Brennnessel in der Küche und im Garten
  2. Gesundheitliche Wirkungen der Brennnessel
  3. Öl, Saft oder Tee – so wird Brennnessel genutzt
  4. Brennnessel in der antrophosophischen Medizin

Schneidebrett mit Brennnessel und Tee© adobe – Maren Winter

 

Brennnesseln in der Küche und im Garten

In der Küche ist die Brennnessel ein wahres Multitalent. Sie schmeckt hervorragend in Käse und Frischkäse, als gedünstetes Gemüse, im Salat, als Brennnesselrisotto, Tarte, Spätzle oder Suppe. Darüber hinaus tut sie dem Körper mit ihren gesunden Inhaltsstoffen gut.

Inhaltsstoffe der Brennnessel:

Blätter:

  • Vitamine, v. a. B1, C, K, Provitamin A
  • Flavonoide, v. a. Quercetin und Kämpferol
  • Säuren, z. B. Ameisensäure
  • Nervenbotenstoffe: Acetylcholin und Serotonin
  • Kieselsäure und Kalium

Wurzeln:

  • Phytohormone, v. a. Beta-Sitosterol und Scopoletin
  • Gerbstoffe

Eisen, Calcium und Vitamin C weist die unscheinbare Pflanze in großen Mengen auf und stärkt damit nachhaltig das Immunsystem. Sobald man die Brennnessel zubereitet, verliert sie ihre brennende Wirkung.

Im Garten hilft Brennnesseljauche seit Jahrhunderten als natürliches Pflanzenschutzmittel und Dünger. Besonders bewährt ist ihr Einsatz gegen Blattläuse. Dazu sprühen Sie die befallenen Blätter tropfnass mit der Brennnesselbrühe ein.

Für die Herstellung der Brühe übergießt man Brennnessel mit Wasser und stellt sie an einen warmen Ort. Während die Pflanzenteile gären, geben sie ihre Inhaltsstoffe an die Brühe weiter. Nach einigen Tagen kann man das Gemisch abseihen und die Brühe verwenden.

Gesundheitlich Wirkungen der Brennnessel

Viele gesundheitlich Wirkungen, die lange nur auf Jahrhunderte langen Erfahrungen beruhten, sind heute wissenschaftlich bestätigt. So ist zum Beispiel nachgewiesen, dass man die Brennnessel wirksam gegen Arthrose, Arthritis und Blasenprobleme einsetzen kann. Sie wirkt harntreibend und durchblutungsfördernd und hat eine positive Wirkung auf Leber und Galle.

Wer also häufig unter Harnwegsinfekten leidet, kann mit Brennnesseltee Krankheitskeime ausschwemmen und Nieren, Blase und Harnwege durchspülen. Die hervorragende Wirkung der Brennnessel beruht auf Inhaltsstoffen wie Mineralien, Vitaminen, Lecitinen, Gerbstoffen und Phytosterolen.

Die Kommission E des früheren Bundesgesundheitsamts erkannte beide Brennnesselarten als Heilpflanzen bei einer gutartigen Prostatavergrößerung (BPH) und gegen Rheuma an. Dagegen konnte die häufig in der Volksmedizin angeführte blutzuckersenkende Wirkung der Brennnessel bislang nicht bestätigt werden.

Selbst die Samen der Pflanze sind reich an Nährstoffen. Man setzte sie viele Jahrhunderte lang als Stärkungsmittel ein, auch um Libido und Potenz zu stärken. Darüber hinaus helfen die Samen gegen Haarausfall. Am besten streuen Sie morgens einen Löffel Brennnesselsamen ins Müsli.

Brennnessel ist außerdem geeignet bei

  • Rheuma, Gicht, Gelenkentzündungen
  • Nieren- und Blasenleiden
  • Durchfall
  • Frühjahrsmüdigkeit
  • Blutarmut
  • Haut- und Haarproblemen
  • Zyklusunregelmäßigkeiten.

Öl, Saft oder Tee – so wird Brennnessel genutzt

Brennnessel hat ein vielseitiges Wirkungsspektrum. Um die richtige Wirkung zu erzielen, gibt es verschiedene Anwendungsmethoden. Zur innerlichen Anwendung dienen Frischsaft, Tee, Samen und Fertigpräparate. Äußerlich wird die Brennnessel vorwiegend als Öl zur lokalen Durchblutungsanregung und als Haarwasser angewendet.

Brennnesselsaft nach Tradition

Besonders beliebt ist traditionell die Einnahme von Brennnesselsaft. Dieser soll nach alter Überlieferung nicht nur den Blutdruck regulieren, sondern auch die Blutgefäße straffen, mangelnde Mineralienversorgung beheben und bei Beschwerden der Nieren ausgesprochen heilsam sein.

Traditionell werden hierfür saftige, nicht zu alte Brennnesseln geerntet. Wenn Sie Brennnesselsaft selber herstellen, so sollten Sie darauf achten die Pflanzen nicht entlang vielbefahrener Straßen zu sammeln, da hier Abgase und Hundekot die Pflanzen sehr oft ungenießbar machen. Auch Brennnesseln in voller Blüte oder mit Samenständen sollten nicht für den Brennnesselsaft benutzt werden.

Etwa ein großer Strauß junger Blätter und Stämme werden zusammen in einen herkömmlichen Mixer oder eine Fruchtpresse gegeben und gehäckselt. Die dabei entstehende Paste wird durch ein Haushaltstuch gepresst, der hellgrüne Sud in Flaschen abgefüllt und im Kühlschrank aufbewahrt.

Brennnesselsaft wirkt je nach Krankheitsbild

Bei Nierenbeschwerden muss für eine ausreichende Wirkung über etwa 30 Tage vor jeder Mahlzeit ein großes Glas Brennnesselsaft getrunken werden, während bei Mineralienmangel ein Verzehr von 2 Gläsern täglich über 14 Tage schon durchschlagende Erfolge bringt.

Die Wirkung eines Brennnesselsafts wird nicht geschmälert wenn Früchte – wie etwa Bananen oder Orangen – zugefügt werden. Dies ist besonders bei Kindern hilfreich, um den etwas gewöhnungsbedürftigen Geschmack des Getränkes zu versüßen.

Grundrezept für Brennnesseltee

Überbrühen Sie zwei Teelöffel getrocknetes Brennnesselkraut bzw. -wurzeln in einem Kochtopf mit 1/4 Liter kochendem Wasser und lassen Sie den Tee fünf Minuten zugedeckt köcheln, bevor Sie ihn abseihen.

Trinken Sie morgens und abends eine Tasse frischen, nach Belieben mit Honig gesüßten Tee über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Bei Prostatavergrößerung hilft vor allem die Wurzel, ansonsten reicht das Kraut.

Brennnesselöl zum Entgiften

Pürieren Sie eine Hand voll frischer, gewaschener Brennnesselblätter im Mixer zu einem feinen Brei. Geben Sie ihn in ein 250g-Marmeladenglas, füllen Sie hochwertiges Olivenöl bis zum Rand auf und verschließen Sie das Glas mit dem Deckel.

Lassen Sie das Öl zwei Wochen bei Zimmertemperatur ziehen und seihen Sie es dann durch ein Sieb in eine dunkle Flasche ab. Dieses durchblutungsfördernde Öl eignet sich besonders gut als Vorbereitung für eine Schröpfbehandlung zum Entgiften und zur Durchblutungsförderung bei Arthrose.

Brennnessel-Haarwasser gegen Schuppen

Überbrühen Sie eine Hand voll frische, gehackte (oder ein Esslöffel getrocknete) Brennnesselblätter mit 125 ml kochendem Apfelessig. Lassen Sie das Haarwasser zehn Minuten ziehen, seihen Sie es dann ab und massieren Sie es täglich lauwarm mit kreisenden Bewegungen in Ihre Kopfhaut ein.

Brennnessel in der antrophosophischen Medizin

Auszüge der Pflanze werden in der Anthroposophischen Medizin zusammen mit Auszügen aus der Arnika bei Insektenstichen, Sonnenbrand und leichten Verbrennungen eingesetzt.

Zusammen mit Arnika ist die Kleine Brennnessel in dem lindernden Gel (Combudoron Gel von Weleda) enthalten. Es wirkt kühlend, lässt Schwellungen abklingen, ist schmerzlindernd und fördert den Aufbau von neuem, gesundem Hautgewebe  – und das ohne chemische Zusatzstoffe.

Bei einer Herz- oder Nierenschwäche dürfen Sie die Brennnessel nicht anwenden, da ihre harntreibende Wirkung die geschwächten Organe überlasten kann. In Einzelfällen können Wurzelextrakte zu leichten MagenDarm-Beschwerden, z. B. Durchfall, führen.

 

 

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