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Brennnessel: Inhaltsstoffe und Wirkung der gesunden Heilpflanze

Wer einmal in einen Brennnesselgraben fiel, kennt die juckende Pflanze von der ungemütlichen Seite. Doch die Heilpflanze führt zu Unrecht ein Schattendasein in unserer Gunst. Gerade ihre brennenden Nesseln enthalten viel Ameisensäure und Enzyme, die aufbauend und heilend auf unseren Körper wirken. Statt ärgerlich herausgerupft, sollte sie also sorgfältig geerntet werden. Verwendet werden den ganzen Sommer über die frischen Sprosse und die Wurzel. Für den Winter ist Presssaft aus der Apotheke oder dem Reformhaus besser als die getrocknete Pflanze.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Die Brennnessel regt den Stoffwechsel an
  2. Gesundheitliche Wirkungen
  3. Öl, Saft oder Tee: So wird die Brennnessel genutzt
  4. Brennnessel in der antroposophischen Medizin
  5. Mit frischen Brennnesseln entschlacken Sie am besten

Schneidebrett mit Brennnessel und Tee© adobe – Maren Winter

Die Brennnessel regt den Stoffwechsel an

Die gewöhnliche Brennnessel lässt sich an jedem Bahndamm finden und wächst allgemein in jedem Boden, der einen hohen Gehalt an Stickstoff aufweist. Sie gehört zur Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae). Man unterscheidet zwei Arten: die kleine (Urtica urens) wächst bis zu 50 cm hoch und die große Brennnessel (Urtica dioica) bringt es auf nahrhaftem Boden auf gut 2,5 m.

Beide Sorten regen den gesamten Körperstoffwechsel an. Dies können Sie sich als Frühjahrskur zur Anregung der Ausscheidung und Entschlackung von Stoffwechsel-Abfallprodukten zu Nutze machen. Brennesselblätter enthalten viele Mineralien wie Kalium und Eisen. Weitere für die gesundheitlichen Wirkungen wichtige Inhaltsstoffe sind Flavonoide und Botenstoffe wie Acetylcholin und Histamin.

Die Heilpflanze in der Küche und im Garten

In der Küche ist die Brennnessel ein wahres Multitalent. Sie schmeckt hervorragend in Käse und Frischkäse, als gedünstetes Gemüse, im Salat, als Brennnesselrisotto, Tarte, Spätzle oder Suppe. Darüber hinaus tut sie dem Körper mit ihren gesunden Inhaltsstoffen gut.

Inhaltsstoffe der Brennnessel

Blätter:

  • Vitamine, v. a. B1, C, K, Provitamin A
  • Flavonoide, v. a. Quercetin und Kämpferol
  • Säuren, z. B. Ameisensäure
  • Nervenbotenstoffe: Acetylcholin und Serotonin
  • Kieselsäure und Kalium

Wurzeln:

  • Phytohormone, v. a. Beta-Sitosterol und Scopoletin
  • Gerbstoffe

Eisen, Kalzium und Vitamin C weist die unscheinbare Pflanze in großen Mengen auf und stärkt damit nachhaltig das Immunsystem. Sobald man die Brennnessel zubereitet, verliert sie ihre brennende Wirkung. Im Garten hilft Brennnesseljauche seit Jahrhunderten als natürliches Pflanzenschutzmittel und Dünger. Besonders bewährt ist ihr Einsatz gegen Blattläuse. Dazu sprühen Sie die befallenen Blätter tropfnass mit der Brennnesselbrühe ein. Für die Herstellung der Brühe übergießt man Brennnessel mit Wasser und stellt sie an einen warmen Ort. Während die Pflanzenteile gären, geben sie ihre Inhaltsstoffe an die Brühe weiter. Nach einigen Tagen kann man das Gemisch abseihen und die Brühe verwenden.

Brennnessel© Eduard Shelesnjak – Fotolia

Gesundheitliche Wirkungen

Wer im Alten Rom unter einer Blasenentzündung litt, dem wurde ein Brennnesselsaft verabreicht. Wer im Mittelalter Rheuma oder Gelenkprobleme loswerden wollte, der ließ sich mit Brennnesselsträuchern auspeitschen. Die hierzulande heimische Pflanze hat in der Medizin eine lange Tradition. Viele dieser gesundheitlichen Wirkungen sind heute wissenschaftlich bestätigt. So ist zum Beispiel nachgewiesen, dass man die Brennnessel wirksam gegen Arthrose, Arthritis und Blasenprobleme einsetzen kann. Sie wirkt harntreibend und durchblutungsfördernd und hat eine positive Wirkung auf Leber und Galle. Wer also häufig unter Harnwegsinfekten leidet, kann mit Brennnesseltee Krankheitskeime ausschwemmen und Nieren, Blase und Harnwege durchspülen.

Die Kommission E des früheren Bundesgesundheitsamts erkannte beide Brennnesselarten als Heilpflanzen bei einer gutartigen Prostatavergrößerung (BPH) und gegen Rheuma an. Dagegen konnte die häufig in der Volksmedizin angeführte blutzuckersenkende Wirkung der Brennnessel bislang nicht bestätigt werden. Selbst die Samen der Pflanze sind reich an Nährstoffen. Man setzte sie viele Jahrhunderte lang als Stärkungsmittel ein, auch um Libido und Potenz zu stärken. Darüber hinaus helfen die Samen gegen Haarausfall. Am besten streuen Sie morgens einen Löffel Brennnesselsamen ins Müsli.

Flavonoide gegen Entzündungen

Wissenschaftler der Universität Arizona (USA) konnten im Rahmen von zell- und molekularbiologischen Untersuchungen zeigen, dass die Inhaltsstoffe der Brennnessel antientzündlich Prozesse in Gang setzen. Vor allem die enthaltenen Flavonoide, sekundäre Pflanzenstoffe, hemmen entzündungsfördernde Vorgänge in Ihrem Körper. Deshalb können Sie beispielsweise bei Rheuma oder auch Gelenkerkrankungen von dem heimischen Superfood profitieren.

Brennnessel ist außerdem geeignet bei:

  • Gicht, Gelenkentzündungen
  • Nieren- und Blasenleiden
  • Ischiasbeschwerden
  • Hexenschuss
  • Nierensteine
  • Durchfall
  • Frühjahrsmüdigkeit
  • Blutarmut
  • Haut- und Haarproblemen
  • Zyklusunregelmäßigkeiten

Brennnessel bei Harnwegsinfekten

Die Flavonoide in den Blättern der Brennnesseln wirken zudem Wasser treibend. Das heißt: Mithilfe von Brennnesseltee können Sie Ihre Harnausscheidung fördern und ableitende Harnwege durchspülen, also Harnleiter, Harnröhre und Blase.

Das ist vor allem bei einer beginnenden Harnwegsinfektion sinnvoll: Ein Großteil der Bakterien wird gewissermaßen herausgespült. Achten Sie allerdings darauf, dass Ihr Flüssigkeitshaushalt durch den harntreibenden Effekt nicht aus dem Ruder gerät: Trinken Sie parallel zum Tee über den Tag verteilt auch immer reichlich Wasser.

Achtung: Brennnesseln sind nicht uneingeschränkt nutzbar

Vorsicht allerdings: Der Verzehr ist nicht für jeden geeignet. Leiden Sie unter einer eingeschränkten Herz- oder Nierenfunktion, dann sollten Sie auf Brennnessel verzichten oder zumindest Ihren Arzt vorab um Rat fragen. Der harntreibende Effekt könnte Ihren Organismus überfordern. Auch vor einer Überdosierung sollten Sie sich vorsehen: Mehr als 12 Gramm Blätter oder 6 Gramm Wurzel täglich können Durchfall verursachen.

So behandeln Sie eine Brennnessel-Verbrennung

Haben Sie bei einem Sommerspaziergang eine Brennnessel gestreift, dann bilden sich auf Ihrer Haut rote Bläschen. Schuld daran sind die Nesselgifte.

Das können Sie tun:

  • Stecken in der Haut noch Brennnesselhärchen, dann entfernen Sie diese mithilfe eines Tesafilmstreifens: Streifen auf die verbrannte Stelle kleben und langsam abziehen.
  • Waschen Sie die verbrannte Stelle vorsichtig ab: Halten Sie den betroffenen Arm oder das Bein unter einen sanften, lauwarmen Wasserstrahl (z. B. unter der Dusche).
  • Verreiben Sie anschließend eine Aloe-Vera-Salbe auf die verbrannte Hautstelle. So lindern Sie Schmerz und Juckreiz.

Öl, Saft oder Tee: So wird die Brennnessel genutzt

In den Sommermonaten wachsen Brennnesseln wild auf unseren Feldern oder in Gärten. Sie können die Blätter von April bis September problemlos ernten. Achten Sie allerdings darauf, dass Sie Blätter fern von Hundespielwiesen und befahreneren Straßen nehmen. Tragen Sie beim Ernten am besten Gummihandschuhe. Greifen Sie vorzugsweise zu den jungen Pflanzen oder den oberen jungen Blättern. Die älteren, großen Blätter schmecken sehr bitter und sind meist ungenießbar. Wachsen Brennnesseln in Ihrem Garten, dann mähen Sie diese hin und wieder ab. Junge Pflanzen wachsen sehr schnell nach. So profitieren Sie im großen Umfang von dem heimischen Superfood.

Die Brennnessel hat ein vielseitiges Wirkungsspektrum. Um die richtige Wirkung zu erzielen, gibt es verschiedene Anwendungsmethoden. Zur innerlichen Anwendung dienen Frischsaft, Tee, Samen und Fertigpräparate. Äußerlich wird die Brennnessel vorwiegend als Öl zur lokalen Durchblutungsanregung und als Haarwasser angewendet.

Brennnesselsaft nach Tradition

Besonders beliebt ist traditionell die Einnahme von Brennnesselsaft. Dieser soll nach alter Überlieferung nicht nur den Blutdruck regulieren, sondern auch die Blutgefäße straffen, mangelnde Mineralienversorgung beheben und bei Beschwerden der Nieren ausgesprochen heilsam sein. Traditionell werden hierfür saftige, nicht zu alte Brennnesseln geerntet.

Wenn Sie Brennnesselsaft selber herstellen, so sollten Sie darauf achten, die Pflanzen nicht entlang vielbefahrener Straßen zu sammeln, da hier Abgase und Hundekot die Pflanzen sehr oft ungenießbar machen. Auch Brennnesseln in voller Blüte oder mit Samenständen sollten nicht für den Brennnesselsaft benutzt werden. Etwa ein großer Strauß junger Blätter und Stämme werden zusammen in einen herkömmlichen Mixer oder eine Fruchtpresse gegeben und gehäckselt. Die dabei entstehende Paste wird durch ein Haushaltstuch gepresst, der hellgrüne Sud in Flaschen abgefüllt und im Kühlschrank aufbewahrt.

Brennnesselsaft© Adobe Stock – Melica

Brennnesselsaft wirkt je nach Krankheitsbild

Bei Nierenbeschwerden muss für eine ausreichende Wirkung über etwa 30 Tage vor jeder Mahlzeit ein großes Glas Brennnesselsaft getrunken werden, während bei Mineralienmangel ein Verzehr von zwei Gläsern täglich über 14 Tage schon durchschlagende Erfolge bringt.

Die Wirkung eines Brennnesselsafts wird nicht geschmälert wenn Früchte wie etwa Bananen oder Orangen zugefügt werden. Dies ist besonders bei Kindern hilfreich, um den etwas gewöhnungsbedürftigen Geschmack des Getränkes zu versüßen.

Grundrezept für Brennnesseltee

Überbrühen Sie zwei Teelöffel getrocknetes Brennnesselkraut bzw. -wurzeln in einem Kochtopf mit einem Viertelliter kochendem Wasser und lassen Sie den Tee fünf Minuten zugedeckt köcheln, bevor Sie ihn abseihen. Trinken Sie morgens und abends eine Tasse frischen, nach Belieben mit Honig gesüßten Tee über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Bei Prostatavergrößerung hilft vor allem die Wurzel, ansonsten reicht das Kraut.

Bei Ischiasbeschwerden, Hexenschuss, Rheuma oder Nervenentzündungen an Armen und Beinen können Sie den Tee aus Blättern äußerlich nutzen: Tränken Sie ein Tuch in dem Tee und reiben Sie damit die betroffene Körperregion großzügig ein. Bei akuten Beschwerden zwei- bis dreimal täglich wiederholen.

Brennnesselöl zum Entgiften

Pürieren Sie eine Hand voll frischer, gewaschener Brennnesselblätter im Mixer zu einem feinen Brei. Geben Sie ihn in ein 250g-Marmeladenglas, füllen Sie hochwertiges Olivenöl bis zum Rand auf und verschließen Sie das Glas mit dem Deckel. Lassen Sie das Öl zwei Wochen bei Zimmertemperatur ziehen und seihen Sie es dann durch ein Sieb in eine dunkle Flasche ab. Dieses durchblutungsfördernde Öl eignet sich besonders gut als Vorbereitung für eine Schröpfbehandlung zum Entgiften und zur Durchblutungsförderung bei Arthrose.

Brennnessel-Haarwasser gegen Schuppen

Überbrühen Sie eine Hand voll frische, gehackte (oder ein Esslöffel getrocknete) Brennnesselblätter mit 125 ml kochendem Apfelessig. Lassen Sie das Haarwasser zehn Minuten ziehen, seihen Sie es dann ab und massieren Sie es täglich lauwarm mit kreisenden Bewegungen in Ihre Kopfhaut ein.

Auch Brennnessel-Fertigpräparate gegen die unterschiedlichen Beschwerden gibt es als Kapseln, Filmtabletten oder Tropfen in Apotheken und Drogerien (z. B. Prostagutt forte, Brennnessel Kürbiskern MensSana, Rheuma-Hek Hartkapseln, Monatsration ca. 20 Euro).

Brennnesselblätter als Gemüsebeilage

Geben Sie eine Portion frisch geerntete Brennnesselblätter einfach in einen wassergefüllten Kochtopf (auch hier bei der Handhabung am besten Gummihandschuhe tragen). Garen Sie die Blätter für etwa sieben bis zehn Minuten. Vorsicht: Das Wasser sollte nicht kochen, da ansonsten wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen. Schmecken Sie das Brennnesselgemüse anschließend mit Salz, Pfeffer, Knoblauch und Olivenöl ab. Besonders lecker: Wenn Sie möchten, können Sie geröstete Pinienkerne und Nüsse unter die Blätter mischen. Keine Angst: Das Nesselgift der Blätter hat sich während des Garvorgangs verflüchtigt.

Brennnessel in der antroposophischen Medizin

Auszüge der Pflanze werden in der anthroposophischen Medizin zusammen mit Auszügen aus der Arnika bei Insektenstichen, Sonnenbrand und leichten Verbrennungen eingesetzt. Zusammen mit Arnika ist die kleine Brennnessel in dem lindernden Gel (Combudoron Gel von Weleda) enthalten. Es wirkt kühlend, lässt Schwellungen abklingen, ist schmerzlindernd und fördert den Aufbau von neuem, gesundem Hautgewebe ohne chemische Zusatzstoffe.

Bei einer Herz- oder Nierenschwäche dürfen Sie die Brennnessel nicht anwenden, da ihre harntreibende Wirkung die geschwächten Organe überlasten kann. In Einzelfällen können Wurzelextrakte zu leichten Magen-Darm-Beschwerden wie etwa Durchfall führen.

Mit frischen Brennnesseln entschlacken Sie am besten

Die höchste Konzentration entwässernder Flavonoide haben die frischen Blätter, die Sie problemlos sammeln und entsaften können. In den Wintermonaten erhalten Sie den fertigen Direktsaft auch im Reformhaus. Grundsätzlich haben Sie drei Möglichkeiten für Ihre Kur: Erstens können Sie sich aus frischen oder getrockneten Blättern einen Tee zubereiten, von dem Sie täglich drei Tassen trinken. Alternativ nehmen Sie dreimal täglich ein Schnapsgläschen Saft zu sich. Die dritte Möglichkeit sind Fertigpräparate, wenn Sie den Brennnesselgeschmack nicht mögen.

Die Teekur können Sie durchaus auf sechs Wochen ausdehnen, für eine Saftkur sind zwei Wochen optimal. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie in dieser Zeit etwas Durchfall bekommen. Das ist ganz normal und gehört zum Entschlackungsprozess dazu.

Rezept für eine entschlackende Brennnesselsuppe

  • 300 g frische Brennnessselblätter
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Stange Lauch
  • 1 Kartoffel
  • 500 ml Gemüsebrühe

Dünsten Sie die kleingehackte Zwiebel und den Knoblauch in etwas Öl an, fügen Sie die Brennnesselblätter und den in Ringe geschnittenen Lauch hinzu und lassen Sie alles schmoren, bis die Blätter zusammengefallen sind. Mischen Sie dann die gewürfelte Kartoffel unter, gießen Sie die Brühe auf und lassen Sie die Suppe 30 Minuten köcheln. Pürieren Sie die Suppe zum Schluss und würzen Sie nach Geschmack mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss.