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Baldrian: Basiswissen zur traditionellen Heilpflanze

Schon im antiken Griechenland galt Baldrian als universelle Heilpflanze, die zum Beispiel gegen Verdauungsstörungen half. Und auch in unseren Breiten hat die Pflanze eine Tradition als Heilkraut. Sie wurde gegen die verschiedensten Leiden wie zum Beispiel Augenkrankheiten eingesetzt. Die beruhigende und einschlaffördernde Wirkung des Baldrian haben Mediziner aber erst Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt.

Baldrian (Valeriana officinalis) wächst in Europa und Asien. Am idealen Standort (feuchte Waldböden) wird die Heilpflanze bis zu 1,80 Meter hoch und blüht in üppigen, weißlich-rosafarbenen Dolden. Baldrian nahm schon die Großmutter ein, wenn sie unruhig und nervös war. Heute weiß die Wissenschaft auch, warum diese Heilpflanze so beruhigend wirkt: Die im Baldrian enthaltenen Valerensäuren verhindern im Gehirn den Abbau eines beruhigenden Nervenbotenstoffs (Gamma-Aminobuttersäure, GABA) und erhöhen sogar seine Ausschüttung. Über denselben Mechanismus wirken auch chemische Beruhigungsmittel (Diazepame, z. B. Valium®).

Baldrianpflanze© adobe – Reinhard Schäfer

Die Wirkung kommt aus der Wurzel

In der Medizin wird ein Extrakt aus der Baldrianwurzel gewonnen, dessen Inhaltsstoffe hemmend auf Botenstoffe im Zentralnervensystem einwirken. Dadurch stellt sich eine entspannende und entkrampfende Wirkung ein. Baldrian wird deshalb nicht nur bei Einschlafproblemen angewendet. Auch bei Prüfungsangst oder Beschwerden, die mit Verkrampfung eingehen, entfaltet sich die Wirkung. Neuere Studien ergaben, dass die Heilpflanze Nervosität lindert, allerdings keine Angststörungen heilen kann.

Für die wohltuende Wirkung ist nicht ein einzelner Inhaltsstoff, sondern erst das Zusammenspiel der verschiedenen Stoffe in den ätherischen Ölen der Baldrianwurzel verantwortlich. Die Inhaltsstoffe werden in Form von Präparaten zum Einnehmen, Tee, Tinkturen oder Badezusätzen angeboten.

Hinweise zur Anwendung von Baldrian

Generell sind die Produkte erst wirksam, wenn sie regelmäßig über einen Zeitraum von zwei oder mehr Wochen eingenommen werden. Selbst Kinder können von der beruhigenden Wirkung profitieren. In jedem Fall gilt jedoch: Sprechen Sie bei anhaltender Schlaflosigkeit, Angstzuständen oder Nervosität immer mit Ihrem Arzt. Er kann Ihnen die für Sie passenden Medikamente und Therapien empfehlen.

Für die schlafförderne Wirkung nehmen Sie Baldrian eine halbe bis eine Stunde vor dem Schlafengehen ein. Bei Unruhezuständen wird die Baldrianwurzel über den Tag verteilt beispielsweise als Tee getrunken.

Große Qualitätsunterschiede auf dem Markt

Die Qualität von Baldrianpräparaten kann sehr unterschiedlich sein. Als Arzneimittel deklariert (sofern es sich um Fertigarzneimittel handelt), unterliegen Baldrianpräparate in Deutschland der Zulassungspflicht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Als Lebensmittelzusatz muss Baldrian jedoch nicht zugelassen sein; dadurch gibt es in diesem Bereich keine Qualitätsgarantie.

Mögliche Nebenwirkungen

Bei Schlafstörungen wird Baldrian empfohlen, da er sehr verträglich ist und im Gegensatz zu vielen synthetischen Schlafmitteln nicht zu einer Abhängigkeit führt. Dennoch können Schlafmittel aus Baldrian oder ähnliche Präparate auch zu leichten Beschwerden führen. Diese Nebenwirkungen können auftreten, wenn das Präparat über einen längeren Zeitraum eingenommen wird. Dann können sich zum Beispiel morgendliche Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme und Schlaflosigkeit einstellen.

Baldrian verstärkt zudem die beruhigende Wirkung anderer Beruhigungsmittel wie Diazepam. Auch die Wirkung von Alkohol oder anderen Rauschmitteln kann durch den Baldrian verstärkt werden.

Schalen mit getrockneter Baldrianwurzel© adobe – HandmadePictures

Rezept für Baldriantee

Für einen beruhigenden Baldriantee übergießt man zwei Teelöffel der Wurzel mit kochendem Wasser und lässt den Tee zehn Minuten zugedeckt ziehen. Wer möchte, kann die beruhigende Wirkung des Tees durch Zugabe von Melissenblättern steigern.

Alternativ übergießt man zwei Teelöffel Baldrianwurzel mit einem Viertelliter kaltem Wasser und lässt diesen Ansatz zwölf Stunden ziehen. Hin und wieder umrühren. Zwei bis drei Tassen sollte man täglich von diesem Ansatz trinken.