MenüMenü

Kritikgespräche: Mit diesen 11 Tipps werden die schwierigen Gespräche konstruktiv

Kritik ist ein heikles Thema, egal ob Sie kritisiert werden oder selbst der Kritiker sind. Schnell ist man beleidigt, fühlt sich angegriffen oder das gut gemeinte Kritikgespräch artet in einen heftigen Streit aus. Aber dass muss nicht sein, wenn Sie sich an den folgenden Punkten orientieren.

Ein Mann und eine Frau im kritischen Gespräch© pressmaster - Fotolia

Wenn Sie kritisiert werden, sollten Sie möglichst weder zum Gegenangriff übergehen noch sich verteidigen. Idealerweise hören Sie sich die Kritik ruhig an und überprüfen, inwieweit Sie sie annehmen und von ihr lernen wollen. Das ist oft nicht leicht.

  1. Atmen Sie zunächst tief durch. Wenn Sie kritisiert und damit angegriffen werden, stockt Ihnen sicherlich erst einmal der Atem. Atmen Sie deswegen zunächst ein paar Mal tief durch. Sie senken dadurch Ihren Blutdruck, der durch die Aufregung hochgeschossen ist. Die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin wird zurückgefahren und Sie sind dann in der Lage, die ganze Situation nüchterner zu betrachten.
  2. Finden Sie die nötige Distanz. Wenn Sie kritisiert werden, sollten Sie sich emotional von der Situation distanzieren. Das heißt nicht, dass alles an Ihnen abprallen muss. Es geht vielmehr darum, die Kritik nicht so tief an sich heranzulassen. Stellen Sie sich dazu im Geiste neben sich und versuchen Sie, die Situation so sachlich wie möglich als Außenstehender zu betrachten. Wenn Sie sich etwas von der konkreten Situation distanzieren, erkennen Sie eher, ob die Kritik gerechtfertigt ist oder nicht.
  3. Fordern Sie Spiel-regeln ein. Auch ein Kritikgespräch muss fair ablaufen. Sie müssen nicht jede Art von Kritik annehmen. Legen Sie einige Spielregeln fest und fordern Sie deren Einhaltung von Ihrem Gegenüber ein. Sie können zum Beispiel darauf bestehen, dass Kritik Ihnen gegenüber in einem ruhigen, sachlichen Ton geäußert wird. Gerade wenn es bei einem Kritikgespräch „heiß“ her geht und die Emotionen langsam anfangen zu kochen, ist eine kurze Unterbrechung sinnvoll, um den formalen Rahmen des Gesprächs erneut abzustecken. Das ist natürlich einfacher mit Kollegen als z. B. mit Ihrem Vorgesetzten. Auch im privaten Bereich können Sie solche Kommunikationsregeln einführen. So fallen viele Streitigkeiten in der Familie deutlich milder aus.
  4. Lernen Sie aus Kritik. Die meisten Menschen verstehen Kritik als einen Angriff. Versuchen Sie, jede Kritik als eine Chance zu sehen, etwas Neues für sich zu lernen. Das erfordert Disziplin, Selbstbeherrschung und Übung. Bedenken Sie: Ohne Feedback – gerade dem negativen – könnten Sie nicht wissen, wo Sie Ihre Leistungen noch verbessern können.
  5. Fragen Sie gezielt nach Verbesserungsmöglichkeiten. So können Sie Hinweise darauf erhalten, wo Sie sich noch verbessern müssen. Sie können dadurch sicherstellen, dass die Kritik an Ihnen wirklich konstruktiv und hilfreich für Sie ist. Sie stellen so auch schnell fest, ob es Ihrem Gegenüber wirklich um die Verbesserung der Situation geht oder ob er Sie aus anderen Gründen kritisiert
  6. Loben Sie sich ruhig einmal selbst. Zugegeben, Lob von anderen ist schöner. Aber Sie können sich auch selbst etwas Gutes tun, wenn Sie Ihre eigenen Leistungen anerkennen: so bauen Sie Ihr Selbstbewusstsein auf. Es geht hier vor allem darum, fair mit sich selbst umzugehen. Wenn Sie etwas gut gemacht haben, können Sie mit sich zufrieden sein. Immerhin haben Sie etwas geleistet. Wenn Sie sich selbst stärken, können Sie eventuellen Kritikern viel selbstbewusster und sicherer entgegentreten. Äußern Sie Ihre Kritik konstruktiv. Kritik auszusprechen ist für viele Menschen oft genauso unangenehm, wie selbst kritisiert zu werden. Zunächst einmal gilt hier der alte Spruch: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem andern zu.“ Wenn Sie also möchten, dass man Sie mit Anstand kritisiert, sollten Sie die oben genannten Regeln auch selbst einhalten, wenn Sie der Kritiker sind. Mit diesen Spielregeln werden Sie Ihr nächstes Kritikgespräch viel effektiver führen.
  7. Der Ton macht die Musik. Besonders bei Menschen, die einem nahe stehen oder mit denen man schon sehr lange zusammenarbeitet, achtet man oft nicht mehr auf den Ton. Und so wird aus der Kritik schnell ein Anblaffen. Damit machen Sie es der anderen Person natürlich sehr schwer, Ihnen zuzuhören und die Kritik anzunehmen. Mehr noch: Mit der falschen Tonlage wird der Angegriffene vermutlich zum Gegenschlag ausholen und selbst angreifen. Und schon finden Sie sich mitten in einem Streit wieder.
  8. Beginnen Sie jede Kritik mit einem Lob. Bevor Sie das nächste Mal eine andere Person kritisieren, sollten Sie sie zuerst für eine gut erledigte Arbeit loben. Wenn Sie Ihre Kritik mit etwas Positivem einleiten, fühlt sich Ihr Gegenüber respektiert und gewürdigt und die nachfolgende Kritik trifft ihn dann nicht so hart. Ihr Gesprächspartner bleibt offen für Ihre Anmerkungen. Vermeiden sollten Sie aber ein Lob nach dem Muster: „Das haben Sie ja ganz gut gemacht, aber …“ So eine Aussage wird nicht als Lob verstanden, sondern wirkt demotivierend. Vielleicht denken Sie jetzt, dass Ihnen meistens aber gar nichts Positives einfällt. Doch haben Sie sich auch genug Mühe gegeben, es zu erkennen? Denn es gibt immer irgend etwas Positives zu sagen. In der Regel verstärkt sich die Wahrnehmung von Dingen, denen Sie Beachtung schenken. Wenn Sie sich also nur auf die Fehler oder Unzulänglichkeiten einer anderen Person konzentrieren, schenken Sie dem Negativen zu viel Aufmerksamkeit. Trainieren Sie daher bewusst, Ihren Fokus mehr auf die positiven Dinge zu legen.
  9. Finden Sie Gegen- und Verbesserungsvorschläge. Für den Kritisierten ist es leichter, einen Gegen- oder Verbesserungsvorschlag anzunehmen als pure Kritik. Stellen Sie also nicht das Problem, sondern die Lösung in den Mittelpunkt. Statt zu sagen, was Ihnen nicht gefällt, versuchen Sie das nächste Mal, einen Vorschlag zu machen, was Sie für richtig oder effektiver halten. Dann weist Ihre Kritik auch gleich in die richtige Richtung: nämlich nach vorn auf die Lösung zu.
  10. Überprüfen Sie, ob Ihre Kritik angebracht ist. Fragen Sie sich nach dem Grund Ihrer Kritik. Wollen Sie sich über den anderen erheben, ihn belehren oder ihm wirklich helfen? Überprüfen Sie, ob Ihre Kritik die Person wirklich weiterbringt und der andere überhaupt an Ihrer Ansicht interessiert ist. So gut Sie das vielleicht auch meinen mögen, denken Sie daran: Jeder Mensch hat das Recht, seine Fehler selbst zu machen.
  11. Lassen Sie ein Kritikgespräch nicht im Sande verlaufen. Ein Kritikgespräch soll Wirkung zeigen und nicht nur eine kurzfristige Besserung. Vereinbaren Sie daher Rückmeldungsgespräche in regelmäßigen Abständen. So können Sie nicht nur kontrollieren, ob der Kritisierte sich geändert hat, sondern ihn auch loben – und damit das Klima positiv verändern.
© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

Regelmäßig Informationen über PDF-Ratgeber erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Dr. med. Michael Spitzbart. Über 344.000 Leser können nicht irren.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben!