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Aufgepasst! So führen ­Neben­wirkungen von Medikamenten zu neuen Erkrankungen

Medikamente sollen Ihnen im Krankheitsfall helfen und Beschwerden möglichst schnell lindern. Gerade gängige Medikamente gegen weit verbreitete Gesundheitsprobleme wie Schlafstörungen oder Allerg­ie, haben jedoch gravierende Nachteile. Sie können zu schweren Nebenwirkungen führen und so neue Erkrankungen auslösen. Die Gesundheitsprobleme, die durch Medikamenteneinnahme am häufigsten auftreten, beschreibe ich Ihnen in diesem Beitrag …

Beipackzettel© Pixelot - Fotolia

Allergie, Schlafstörungen, Reiseübelkeit: Bei harmlosen Beschwerden besorgen sich viele Deutsche ihre Medikamente selbst in der Apotheke. Häufig herrscht noch das Bewusstsein vor: Was rezeptfrei verkauft wird, kann nicht wirklich gefährlich sein. Und auch bei vom Arzt verschriebenen Medikamenten schauen sich viele Menschen zwar den Beipackzettel an, lesen ihn aber oft nicht wirklich durch, weil er zu klein geschrieben oder zu umfangreich ist. Kenntnis über unerwünschte Nebenwirkungen erlangen sie so leider nicht.

Wie Veränderungen im Gehirn zu unerwünschter Wirkung führen

Dabei haben viele frei verkäufliche, aber auch verschreibungspflichtige Medikamente einen großen Nachteil. Sie enthalten Wirkstoffe, die im Gehirn andocken können. Diese Fähigkeit ist natürlich die Grundlage für eine noch bessere Wirksamkeit. Allerdings führt sie auch zu vermehrten Nebenwirkungen, die häufig sogar unvorhersehbar sind. Wenn ein Wirkstoff auf diese Weise die Produktion von nur einem Botenstoff blockiert, hat das Konsequenzen, die sich auf den gesamten Körper auswirken. Es kommt zu Veränderungen im Hormonhaushalt, zu Störungen der Sinnesorgane sowie zu Problemen im Stoffwechsel und im Herz-Kreislauf-System.

Klingen Nebenwirkungen automatisch ab?

Das Gefährliche an diesen Nebenwirkungen ist ihre Dauer. Denn Sie können nicht davon ausgehen, dass sie automatisch wieder abklingen, wenn Sie das Medikament absetzen. Vielmehr kommt es auf das Präparat an, das Sie eingenommen haben, aber auch auf Ihr Alter, wie schnell die unerwünschten Medikamentenfolgen nachlassen bzw. ob sie überhaupt jemals wieder abklingen. Hinzu kommt: Je länger Sie die Medikamente eingenommen haben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Nebenwirkungen dauerhaft bestehen bleiben. Umso schlimmer also, dass es ausgerechnet bei solchen Medikamenten gehäuft zu gefährlichen Nebenwirkungen kommt, die bei chronischen Erkrankungen eingesetzt werden.

Bei diesen Erkrankungen sollten Sie besonders auf Ihre Medikamente achten

Es gibt Beschwerden, bei denen Medikamente eingesetzt werden, die relativ häufig zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Hierzu gehören …

  • Allergischer Schnupfen. Es gibt viele Präparate auf dem Markt, die das Niesen und die weiteren Schnupfensymptome verhindern sollen. Leider aber sind die Nebenwirkungen nicht sehr angenehm. Nicht nur, dass viele Menschen müde werden und den Eindruck haben, sie könnten den ganzen Tag nur schlafen. Hinzu kommen häufig ein trockener Mund und damit verbundene Schluckbeschwerden sowie stark juckende Augen. Ich rate meinen Patienten daher, die Stoffe, die bei ihnen eine Aller­gie auslösen, so weit wie möglich zu meiden. Das ist natürlich nicht immer möglich. Alternativ sollten Sie Ihren Arzt fragen, welcher Gruppe Ihr Allergie-Präparat angehört. Wechseln Sie, wenn möglich, von einem Anticholinergikum zu einem so genannten Antihistamin. Tritt Ihre Allergie zu einer bestimmten Jahreszeit auf, sollten Sie dieses Mittel jeden Tag während der Allergiesaison nach Vorschrift einnehmen. Allerdings hilft es nicht gegen akute Anfälle. In diesem Fall müssen Sie auf die üblichen Wirkstoffe zurückgreifen, die Sie dann aber nur im Akutfall und nur so kurz wie möglich nehmen sollten.
  • Depressionen. Früher verschrieben Ärzte bei Depressionen standardmäßig Amitriptylin. Dabei handelte es sich allerdings um einen Wirkstoff, der sehr starke Nebenwirkungen aufwies. Inzwischen werden diese Medikamente im Grunde nicht mehr verwendet. Stattdessen gibt es die Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Sie bilden die Standardtherapie bei Depressionen – viele allerdings bringen genau die gleichen schweren Nebenwirkungen mit sich wie die alten Mittel. Mein Rat für Sie: Müssen Sie einen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer einnehmen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, dass er Ihnen ein Medikament verordnet, das nur kurze Zeit in Ihrem Körper bleibt. Solche Mittel werden sehr schnell von Niere und Leber abgebaut. Das ist der Grund dafür, warum es nicht so häufig zu Nebenwirkungen kommt. Besonders für ältere Menschen ist das wichtig, da bei ihnen Medikamenten-Wirkstoffe grundsätzlich langsamer abgebaut werden als bei jüngeren und es so häufiger zu Nebenwirkungen kommen kann.
  • Inkontinenz. Verordnet wird bei Inkontinenz häufig der Wirkstoff Oxybutynin oder Tolterodin. Beide Mittel können gerade bei älteren Menschen zu schweren Nebenwirkungen führen. Es kommt dann zu einem trockenen Mund oder zu Verstopfung. Schlimmer aber ist, dass auch gravierende Seh- und Wahrnehmungsstörungen auftreten können. In vielen Fällen gehen die Patienten, so meine Erfahrung, das Risiko dieser gravierenden Nebenwirkungen ein, damit sie sich wieder unbeschwerter bewegen können. Aber Sie sollten sich nicht nur auf die Medikamente verlassen. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt nach einem Blasen-Training. Hierbei absolvieren Sie Übungen, die ganz langsam dazu beitragen, dass sich die Häufigkeit der Blasenentleerung verringert. Durch dieses Training ist es möglich, dass Sie Ihre Blase erst nach mehreren Stunden wieder entleeren müssen.
  • Reiseerkrankung. Sie betrifft viele Menschen: die Übelkeit auf See, im Flugzeug oder im Auto. Helfen dagegen sollen bestimmte Tabletten oder Kaugummis. Allerdings enthalten viele dieser Präparate Cholinergika. Dies hat zur Folge, dass Sie nicht nur müde werden, sondern sich auch benommen fühlen und eventuell eine Gedächtnisschwäche aufweisen. Wenn Ihre Reiseübelkeit erfahrungsgemäß so stark auftritt, dass eine Reise für Sie zur Qual wird, sollten Sie in der Apotheke nicht irgendein Präparat kaufen. Fragen Sie nach Medikamenten, die den Wirkstoff Scopolamin enthalten. Diese Mittel, oftmals sind es Pflaster, wenden Sie häufig schon vor Reiseantritt an. Der Wirkstoff wird über mehrere Tage hinweg freigesetzt – Nebenwirkungen werden so deutlich verringert.
  • Schlafprobleme. Wer nicht ein- oder durchschlafen kann und das über Wochen oder Monate hinweg, ist relativ schnell an einem Punkt angelangt, an dem er zu Schlafmitteln greift. Wenn der Arzt sie nicht verschreibt, gibt es genügend frei verkäufliche Präparate auf dem Markt. Allerdings haben sie fast alle gemeinsam, dass sie Diphenhydramin enthalten. Der Stoff sorgt für Schlaf. Seine Nebenwirkungen aber haben es in sich. Es kommt oft zu Konzentrationsproblemen, zu Schwierigkeiten urinieren zu können und zu Sehstörungen. Außerdem haben die Präparate den Nachteil, dass sie bis zu 18 Stunden wirken. Sie sind also nach dem Aufstehen noch viele Stunden müde und schlapp. Mein Ratschlag lautet: Bekämpfen Sie Ihre Schlafstörungen, sofern sie nicht krankheitsbedingt sind, mit Verhaltensänderungen. Verbannen Sie den Fernseher aus dem Schlafzimmer, und gehen Sie nur zum Schlafen ins Bett, damit Ihrem Körper wieder bewusst wird, wozu das Bett eigentlich da ist. Jeden Tag, auch am Wochenende, sollten Sie zur gleichen Zeit ins Bett gehen und wieder aufstehen. Können Sie nicht einschlafen, bleiben Sie nicht im Bett. Stehen Sie wieder auf und lesen Sie zum Beispiel. Erst wenn Sie wieder müde werden, gehen Sie erneut ins Bett. Wenn Ihre Schlafstörung Folge einer Erkrankung ist, sollte Ihr Arzt erst einmal diese behandeln. Häufig verschwinden dann auch die Schlafstörungen wieder.
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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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