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Würdevolle Pflege im letzten Lebensabschnitt

Viele Menschen fühlen sich unbehaglich, wenn es um das Thema Tod geht. Zudem empfinden wir es vielleicht sogar als geschmacklos, ja sogar moralisch anstößig, unsere letzten Tage aus finanzieller Sicht zu betrachten. Dennoch, wir alle werden einmal sterben, und die Pflege in der letzten Lebensphase ist oft aus medizinischer Sicht gesehen häufig die kostenintensivste.

In vielen Fällen stellt sich die Frage, ob die medizinische Versorgung auch der Würde und dem Wohlergehen Rechnung trägt. Und: ob sie genügend Zeit lässt, Kontakte zu Familienmitgliedern und Freunden zu pflegen. Die letzte Lebensphase beginnt normalerweise dann, wenn es nicht mehr möglich ist, eine Krankheit zu heilen oder deren Fortschreiten Einhalt zu gebieten, wie es häufig bei Krebs oder Herzerkrankungen der Fall ist. Die Patienten haben dann oft nur noch ein Jahr oder weniger zu leben.

Lebensverlängernde Maßnahmen im letzten Lebensabschnitt?

Eine Variante der Pflege im letzten Lebensabschnitt sind lebensverlängernde Maßnahmen. Hierzu gehören aggressive Behandlungsmethoden in der Hoffnung, das Leben zu verlängern, selbst wenn eine Genesung ausgeschlossen werden kann. Diese Maßnahmen beinhalten aggressive Therapien, Operationen, Krankenhausaufenthalte, Ernährung über Magensonden und künstliche Beatmung. Die meisten Ärzte kommen mit den gesetzlichen und gesellschaftlichen Anforderungen diesbezüglich gut zurecht. Hier spielt jedoch auch die Angst eine Rolle, dass sie belangt werden könnten, wenn sie nicht alles versucht haben, um das Leben des Patienten zu verlängern.

Die entscheidenden Fragen an Ihren Arzt

Ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt ist die lebensbereichernde oder palliative (lindernde) Maßnahme, zu der auch die Pflege von Patienten in Hospizen gehört. Hier begegnet man dem Sterben als einem unausweichlichen Lebensabschnitt, und man versucht, diesen Prozess weder zu beschleunigen noch hinauszuzögern.

Der Schwerpunkt dieser Pflege liegt auf Komfort, Pflege, Erhaltung der Lebensqualität, Schmerzlinderung und dem Augenmerk auf die gefühlsmäßigen und religiösen Bedürfnisse des Patienten. Ebenso wird der Kontakt zu Familienmitgliedern und Freunden sehr groß geschrieben.

Der Hauptaspekt in der Übergangsphase von lebensverlängernden Maßnahmen zur Palliativpflege liegt darin, dass man sich damit abfindet, dass man selbst oder ein Angehöriger sterben wird. Wenn man dazu in der Lage ist, kann man mit nachstehenden Vorschlägen einerseits mehr Annehmlichkeit und Würde erlangen und andererseits die Pflegekosten reduzieren:

Schauen Sie Ihrem Arzt in die Augen und versichern Sie ihm, dass Sie sich damit abgefunden haben, zu sterben. Erklären Sie ihm, dass Sie Ihre noch verbleibende Zeit so schön wie möglich gestalten möchten und auf aggressive Behandlungsmethoden, deren Ausgang zweifelhaft bleibt, verzichten.

Bedenken Sie die goldene Regel bei Untersuchungen und fragen Sie Ihren Arzt immer: „Was bringt uns das Ergebnis?“ Wird dieses Ergebnis einen Unterschied machen oder Erkenntnisse bringen, auf denen man aufbauen kann? Bei jeder Behandlungsmethode sollten Sie Ihren Arzt fragen: „Wie stehen die Chancen, dass es mir danach besser geht oder nicht besser bzw. schlechter geht, oder dass es Komplikationen geben kann?“ Wenn Sie Entscheidungen für einen Angehörigen treffen müssen, sollten Sie stets sich und den behandelnden Arzt fragen, ob die Behandlung Leben oder Leiden verlängert.

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Alte Kommentare
  • Dr A K Putze schrieb am 08.09.2010, 18:49 Uhr

    Ein guter Beitrag.

  • Angela Baldelli schrieb am 08.09.2010, 23:54 Uhr

    Ihr Artikel ist interessant und bringt mich zum Nachdenken.Ich habe 1992 meinenBeruf anden Nagel gehängt, damit unsere Mutter nicht ins Heim abgeschoben würde - bis Jan97 habe ich sie dann zu Hause gepflegt, ab Sommer 94 war es dann Stufe III. Wir beide wussten, dass es der letzte gemeinsame Weg sei - ich habe alles getan, um ihr das Leben so angenehm wie möglich zu machen -es war für mich physisch und psychisch hart - doch das geiermässige Verhalten meiner Schwestern war definitiv schlimmer - die Massagen z.,B., die ihr habe angedeihen lassen, wurden als lebensverlängernde Massnahmen kritisiert......nun ja, sie werden auch mal an dem Punkt sein... Scheinbar ist Sterbebegleitung mein Schicksal - abgesehen von dem Kurs im Hospiz als ehrenamtlicher Helfer - hätte ich eigentlich gar nicht gebraucht - die Erstattung des Fahrgeldes nach Teltow war angenehm. Jetzt komme ich zu Ihrem Artikel -seit November ist mein Ex - der eigentlich nur für die Feiertage wieder bei uns sein wollte und sollte -bei mir. Zuerst als Aszitesnotfall, danach nochmals im Spital. Bewundernwerterweise erholte er sich dann rasch - bis zum Juni - er konnte es nicht lassen,sich physisch zu sehr zu engagieren - warum ausgerechnet an unserem Hochzeitstag muss ich ihn dann als Notfall wieder morgens um 04,00 ins Soital fahren? Varizen in der Speiseröhre waren geplatzt und so kam es zum Bluterbrechen - während der Behandlung kam es dann zum Herzstillstand mit Reanimation , Koma für einige Tage. In Italien hätte er keine 5 Adrenalininjektionen bekommen.Interessanterweisse sind heite noch die Einstichstellen zu sehen. Ein absoluter Pflegefall ist er zum Glück nicht - doch er muss betreut werden - zwangsläufig werde ich das übernehmen. Ob der Alkohol vorher oder der Sauerstoffmangel jetzt mehr Schaden angerichtet hat , sei dahingestellt .Gerade war er wieder für eine Woche zum Entwässern im Spital - jetzt kommt meine Frage - wo fangen bei ihm lebensverlängernde MAssnahmen an? Unser Hausarzt ist ohnehin erstaunt, dass er noch lebt - wie lange noch? Für mich ist es eine Herausforderung, ihm nahe zu bringen, dass er nicht ohne Grund zurückgekommen sei - dass er noch eine Aufgabe habe - es sind zwei Enkel da....Wenn es dann auf mich zukommt, tiefgreifende Entscheidungen für ihn zu treffen - das Wasser wird wieder sich in der Lunge ansammeln - ich kenne den Husten von einem meiner Hunde....Angehörige von Leberzirrhosepatienten sind gefordert. Es wäre schon, wenn Sie sich mal eingehend mit dem Wirkstoff Ornithin beschäftigen könnten - bei meinem Mann hat es sehr viel bewirkt -es gab Momente, in denen ich befürchtete, - jetzt ist es aus - das Nächste ist Koma - ob jetzt Hepar Merz oder ein anderes Präparat mit dem Wirkstoff - der Effekt ist hervorragend. Das sind nun keine lebensverlängernden Massnahmen - die Nahrungsaufnahme könnte man ja auch dazu zählen, diese Antwort hatte ich mal meinen Schwestern gegeben, aber es macht das Leben für den Patienten und für den, der ihn pflegt, doch wesentlich angenehmer.Statt des Abfahrtsrennens kann man dann eher von Riesenslalom sprechen. Ihr Artikel bezieht sich ja eher auf Schwerstkranke - Vielleicht habe ich einfach zu viel auf der Seele .................. freundliche Grüsse Angela Baldelli