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Patientenverfügung: Worauf Sie achten müssen

Todkrank an lebenserhaltende medizinische Geräte angeschlossen zu sein und monatelang dahinzudämmern ist für viele das Schreckensszenario schlechthin. Deshalb haben bereits acht Millionen Bundesbürger eine Patientenverfügung hinterlegt, in der sie erklären, welche medizinischen Maßnahmen im Ernstfall durchzuführen oder zu unterlassen sind. Wenn Sie nicht wollen, dass Ärzte und Angehörige darüber entscheiden, was dann mit Ihnen geschieht, sollten Sie jetzt handeln. Grund: Nach einem vor einiger Zeit verabschiedeten Gesetz genießen die Willenserklärungen endlich Rechtssicherheit. Hier die wichtigsten Fragen zum sensiblen Thema Patientenverfügung:

Was versteht man unter einer Patientenverfügung?

In einer Patientenverfügung legen Sie fest, welche ärztlichen Versorgungsmaßnahmen Sie in einem Notfall, in dem Sie durch Krankheit oder Unfall nicht mehr in der Lage sind, selbst zu entscheiden, akzeptieren würden und welche nicht. Der Inhalt einer solchen Verfügung ist grundsätzlich frei gestaltbar. Sie kann das Ablehnen einer künstlichen Ernährung oder Beatmung beinhalten, aber auch Angaben über gewünschte Verlegungen enthalten – etwa wenn Sie nicht im Krankenhaus, sondern in vertrauter Umgebung sterben möchten. Die geäußerten Willenserklärungen müssen berücksichtigt werden, wenn der Patient beispielsweise dauerhaft im Koma liegt oder sich im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz befindet.

Wie genau muss eine Patientenverfügung aussehen?

Laut Gesetz muss die Verfügung in schriftlicher Form (handschriftlich oder ausgedruckt mit Unterschrift und Datum) aufgesetzt werden. Zwar werden keine weiteren Vorschriften über den konkreten Inhalt gemacht, Sie sollten Ihren Willen aber so formulieren, dass sich die Festlegungen auf konkrete Behandlungssituationen beziehen. Je mehr Interpretationsspielraum Ihre Angaben zulassen, desto weniger bindend ist die Verfügung.

Tipp: Als Orientierung dienen die Formulierungshilfen des Bundesjustizministeriums. Sprechen Sie sich aber zusätzlich mit Ihrem Hausarzt ab, um die Verfügung um individuell erwünschte Angaben fachgerecht zu ergänzen.

Wie sinnvoll ist eine ärztliche Bescheinigung?

Die Patientenverfügung kann durch einen Arzt bzw. eine beratende Stelle bestätigt werden. Eine Bestätigung ist zwar keine gesetzliche Voraussetzung. Durch einen Bestätigungsvermerk dokumentieren Sie aber, dass Sie sich aufgrund der Beratung über die Folgen der Patientenverfügung im Zeitpunkt der Erstellung im Klaren waren.

Wie lange ist die Verfügung gültig?

Nach dem Erstellen einer neuen Verfügung verfällt die alte Erklärung. Sie können eine Patientenverfügung auch bewusst zeitlich befristen – etwa um Sie Ihrer persönlichen Gesundheitssituation anzupassen.

Was passiert, wenn der Arzt die Verfügung ignoriert?

Missachtet der Arzt absichtlich die in der Patientenverfügung abgegebenen Erklärungen, macht er sich strafbar – das Eingreifen gegen den Willen des Menschen gilt juristisch als Körperverletzung.

Wie wird entschieden, wenn keine Verfügung vorliegt?

Auch hier hat der Gesetzgeber Klarheit geschaffen: Ist keine schriftliche Verfügung vorhanden oder mangelt es in der Erklärung an entsprechenden Angaben, wird nach dem „mutmaßlichen Willen“ des Patienten agiert. Diesen versuchen Ärzte und Betreuer z.B. anhand von früheren mündlichen Äußerungen zu ermitteln. Berücksichtigt werden im Zweifel auch die Werte- und Moralvorstellungen sowie Konfession und religiöse Überzeugungen des Patienten.

Wie kann ich Angehörige einbinden?

Experten raten, ergänzend zur Patientenverfügung unbedingt eine Vorsorgevollmacht zu erteilen. In ihr bestimmen Sie, welche Person Ihre Interessen vertreten soll, wenn Sie selbst nicht mehr handlungs- und entscheidungsfähig sind. So vermeiden Sie auch, dass ein Vormundschaftsgericht willkürlich z.B. eine nicht gewünschte Person als Ihren Betreuer einsetzt. Wichtig: Der von Ihnen bestellte Vertreter muss wissen, was Sie möchten, und er muss auch dahinterstehen. Denn was hilft der engste Vertraute, wenn er etwas tun soll, was er moralisch nicht verantworten kann?

Mein Tipp: Damit Vorsorgevollmachten im Fall eines Falles auch zur Geltung kommen, können Sie sie im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer online registrieren (Kosten einmalig 15,50 Euro).

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Alte Kommentare
  • Michael Oswald Hoch schrieb am 26.10.2010, 16:44 Uhr

    M.E. sollte ein Link zum Formular oder eines Beispieles eingebaut werden. Ebenso zur Auswahl der Betreuungs-person! Ansonsten gut gemacht! Danke!

    • Hannelore Hegazy antwortete am 27.10.2010, 11:24 Uhr

      Ich lebe fuer laengere Zeit im Ausland und bin nicht sicher, ob die Patientenverfuegung hier - Aegypten, gilt. Waere dankbar, wenn Sie ein Musterformular kostenlos zur Verfuegung stellen koennten. Danke fuer die Information.