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Ein Koffer für die letzte Reise

von Sylvia Schneider

Der Tod ist nicht gerade eines unserer Lieblingsthemen. Meines nicht und Ihres wahrscheinlich auch nicht. Die meisten Menschen scheuen sich davor, sich damit auseinander zu setzen und offen darüber zu reden. Eine verblüffende Idee, sich anders mit dem Tod auseinander zu setzen, hatte der Bestatter und Trauerberater Fritz Roth aus Bergisch Gladbach. Er ließ 103 mitten im Leben stehende Menschen – Frauen und Männer, Alte und Junge, Künstler und Handwerker, Prominente und normale Menschen – in einen Koffer packen, was sie auf der letzten Reise aus diesem Leben begleiten könnte.

Wer einen solchen Koffer packt, macht sich automatisch Gedanken über die Endlichkeit des Lebens, über das was letztendlich für ihn ganz persönlich wichtig ist. Wie glücklich war mein Leben? Wie mühsam und beschwerlich? Was reut mich, was würde ich gern ungeschehen machen? Wieviel Liebe habe ich empfangen? Was macht mein Leben aus? Welchen Sinn hat es? Welchen Sinn hat der Tod? Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?

Was würden Sie auf Ihren letzen Weg mitnehmen?

Erstaunt war der Autor nach seinen eigenen Worten von der Intensität der Auseinandersetzung derjenigen, die sich auf dieses Projekt einließen. Ich habe für Sie einige Stücke Reisegepäck ausgewählt. Schauen wir gemeinsam in den Koffer von:

• Annemarie Bieber, Stewardess: „Ich liebe das Leben und denke nicht oft an Vergangenheit und Zukunft. Vor allem lebe ich im hier und Jetzt. Noch seltener denke ich an die Zeit (?) nach dem Tod. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es danach – in welcher Form auch immer – weitergeht. Aber ein kleines Fragezeichen bleibt eben doch… Deshalb für alle Fälle… wenn ich also überraschenderweise mit meinem Koffer irgendwo ankommen sollte, hoffe ich dort unendlich viel Zeit zu haben…. „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust werde ich daher mitnehmen…“

  • Nicole Borheier, Sekretärin: „Mitnehmen können wir nichts – doch ich habe in meinen Koffer Dinge gepackt, die Symbole sind für Menschen und Ereignisse, die mich in diesem Leben weitergebracht haben – sei es durch Liebe, durch Denkanstöße oder tiefgreifende Erfahrungen…“
  • Dr. Helga Breuninger, Geschäftsführende Gesellschafterin der Breuninger Stiftung: „Ich bin viel unterwegs und packe oft meinen Koffer. Für meine letzte Reise genieße ich es, endlich ohne Koffer gehen zu können. Die Beziehungen mit lieben Menschen nehme ich mit als Geschenke und nicht als Gepäck.“
  • Susanne Fröhlich, Autorin: „Ich nehme mit:

    Familienfoto – fürs Herz

    Essen – Nudeln für die Stimmung

    Nüsse – fürs Hirn

    Pinzette – braucht frau immer

    Sudoku Bücher – gegen Langeweile

    Feuerzeug – für mehr Licht

    Lipgloss – für mehr Glanz

    Zigaretten – für die kleine Sünde.“

  • Lilo Rühl, Reisespezialistin: „Im letzten Moment zählt nur die Liebe; sie ist das, was überdauert. Alles andere brauchst Du nicht mehr.“
  • Helga Breitenbach, Vorstandssekretärin i. R.: „… Für meine letzte Reise benötige ich als Gepäck nur GOTTVERTRAUEN.“
  • Franz Alt, Journalist und Autor: „Dem Tod sollten wir keine Vorschriften machen. Er ist und bleibt ein großes Geheimnis. Deshalb hab ich Ihnen den Koffer so zurückgesandt, wie Sie ihn mir gesandt haben. Wer glaubt, etwas mitnehmen zu können, wird sich wahrscheinlich wundern.“

Mir fällt dazu noch ein Zitat von der Dichterin Mascha Kaleko ein:

„Bedenkt: Den eigenen Tod, den stirbt man nur. Doch mit dem Tod der anderen muss man leben.“

Wie sehen Sie das?

Ihre

Sylvia Schneider

P. S.: Diese besondere Form von Reisegepäck ist auch in Buchform erhältlich: „Einmal Jenseits und zurück“ und ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen.

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