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Private Krankenzusatzversicherung: Das kleine Extra für den Ernstfall

Unfälle und Krankheiten gehören zum Leben dazu. Fast jeder Mensch sieht sich mehr als einmal in seinem Leben mit einer Situation konfrontiert, in der er ärztliche Versorgung benötigt. Wenn der Notfall eintritt, ist oft schnelles Handeln vonnöten. Für eine Abwägung finanzieller Möglichkeiten bleibt meist keine Zeit. Die in Deutschland vorherrschende Pflicht zur Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung sorgt dafür, dass eine grundlegende ärztliche Versorgung finanziell abgedeckt ist. Viele Versicherte sind mittlerweile allerdings nicht mehr vollkommen von den Leistungen ihrer jeweiligen Pflichtversicherung überzeugt.

Bild 1© pixabay.com ©InspiredImages (CCO 1.0)

Private Krankenversicherungen überzeugen dagegen meist durch ein umfangreiches Leistungspaket, sind aber auch entsprechend teuer in ihren Beiträgen und längst nicht jedes Einkommen reicht aus, um in den Genuss der vielfältigen Zusatzleistungen zu kommen. Trotzdem sind rund 9 Millionen Menschen in Deutschland privat krankenversichert. 25 Millionen haben sich zumindest für eine private Krankenzusatzversicherung entschieden. Diese Zahlen übermittelt der Verband der privaten Krankenversicherung PKV. Wird ärztliche Versorgung im Falle einer Krankheit oder eines Unfalles zum Luxus? Die Lücke zwischen den gesetzlichen Krankenversicherungen und einer privaten Absicherung soll die private Krankenzusatzversicherung schließen. Doch das Konzept ist alles andere als unumstritten.

Die private Krankenzusatzversicherung als Lückenbüßer

In Deutschland muss jeder Mensch krankenversichert sein. Das hat der Gesetzgeber am 1. Januar 2009 bestimmt. Grund für die Verankerung der Krankenversicherungspflicht im Gesetz ist die Notwendigkeit, die ärztliche Versorgung aller in Deutschland lebenden Personen finanziell abzusichern. Vor 2009 galt die Pflicht zur Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung nur für bestimmte Personengruppen und beschränkte sich außerdem auf eine Mitgliedschaft in den gesetzlichen Krankenkassen. Nicht versicherte Personen werden seit 2015 rückwirkend zur Kasse gebeten und müssen die Versicherungsbeiträge je nach Veranlagung des Einzelfalles bis ins Jahr 2009 rückwirkend leisten.

Bild 2© pixabay.com © geralt (CCO 1.0)

Mit der Einführung der Versicherungspflicht für alle in Deutschland lebenden Personen am 1. Januar 2009 wurde auch der Basistarif der privaten Krankenversicherungen eingeführt. Dieser war ursprünglich eng an die Leistungen und Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen angelehnt, hat sich inzwischen aber deutlich weiter entwickelt. Dadurch ist eine Lücke zwischen den gesetzlichen und den privaten Krankenkassen entstanden, die sich sowohl im Leistungsspektrum als auch in der Höhe der Beiträge bemerkbar macht. Vor allem im Hinblick auf die Leistungen wird die Kluft zwischen privaten und gesetzlichen Versicherern immer größer, denn die Situation im Gesundheitswesen ist angespannt und die gesetzlichen Krankenkassen sind zunehmend gezwungen, die Beiträge zu erhöhen und gleichzeitig ihre Leistungen zu begrenzen.

Grundsätzlich übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen alle gesundheitsfördernden und erhaltenden Maßnahmen in den folgenden Bereichen:

  • Diagnostische Maßnahmen im Falle einer Krankheit oder eines Unfalles
  • Vollumfängliche Behandlung im Falle einer Krankheit oder eines Unfalles
  • Vor- und Nachsorge im Falle einer Krankheit oder eines Unfalles, dazu zählen auch Medikamente und Heil- und Hilfsmittel

Dabei unterliegen die gesetzlichen Krankenkassen allerdings dem Gebot der Wirtschaftlichkeit. Sie dürfen nur für Leistungen aufkommen, die nachweislich notwendig und zweckmäßig sind. Diese Maßgabe kann dazu führen, dass Leistungen im Einzelfall gekürzt oder ganz gestrichen werden. Viele Versicherte fühlen sich deshalb in den gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr ausreichend versorgt. Der Wechsel in eine private Krankenversicherung ist eine Alternative, aufgrund der oft hohen Beiträge und der Versicherungspflichtgrenze  aber nicht immer möglich. Der Abschluss einer oder mehrerer privater Krankenzusatzversicherungen kann einzelne Versorgungslücken schließen. Hier gilt es aber, genau abzuwägen, welcher Schutz sinnvoll und bezahlbar ist, damit die Krankenzusatzversicherung nicht zu einem Puzzlespiel mit Lückenbüßerfunktion wird.

Wenn die Versicherungspflichtgrenze zur unüberwindlichen Hürde wird

Die in Deutschland vorherrschende Krankenversicherungspflicht wird häufig verwechselt mit der so genannten Versicherungspflichtgrenze. Diese legt fest, wer freiwillig in eine private Krankenversicherung wechseln darf und wem diese Option nicht offensteht. Die Versicherungspflichtgrenze gilt für Personen, die sich in einem Angestelltenverhältnis befinden. Alle anderen Berufsgruppen wie Freiberufler, Selbstständige, Beamte, Studenten, Praktikanten und Personen auf dem zweiten Bildungsweg haben grundsätzlich die freie Wahl, ob sie sich gesetzlich oder privat krankenversichern möchten. Ihre finanzielle Situation spielt dabei keine Rolle.

Die Versicherungspflichtgrenze beruht auf dem Einkommen der Einzelperson. Erreicht das Jahresbruttoeinkommen einen bestimmten Betrag, dürfen auch Angestellte freiwillig in eine private Krankenversicherung wechseln. Geregelt wird die Versicherungspflichtgrenze in § 6 I Nr.1 SGB V.

Die aktuelle Versicherungspflichtgrenze für Angestellte liegt bei einem Bruttogehalt von 56.250,00 Euro jährlich oder 4.687,50 Euro monatlich.

Wer über ein geringeres Einkommen verfügt, muss in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben, kann seine Leistungen aber über eine oder mehrere private Krankenzusatzversicherungen erweitern. Diese sind nämlich unabhängig vom Einkommen und damit für alle Personengruppen frei zugänglich. Auch für Versicherte, für die grundsätzlich die Möglichkeit besteht, in die private Krankenversicherung zu wechseln, ist die Aufstockung der gesetzlichen Leistungen durch private Krankenzusatzversicherungen oft eine sinnvolle Alternative. Kostenlose Beitragsrechner wie zum Beispiel unter krankenzusatzversicherung.de geben einen ersten Überblick über die Kosten, die einzelne Module der privaten Krankenzusatzversicherung mit sich bringen können und zeigen auf, ob sich die Erweiterung des gesetzlichen Basisschutzes gegenüber einem Wechsel in die private Krankenversicherung lohnen kann.

Die beliebtesten Krankenzusatzversicherungen im Leistungsüberblick

Die Möglichkeiten im Bereich der privaten Krankenzusatzversicherungen sind umfangreich. Es ist möglich, verschiedene Einzeltarife oder ganze Versicherungspakte als Ergänzung zur gesetzlichen Krankenversicherung auszuwählen.

Dieser Zusatzschutz ist den meisten Versicherten wichtig:

  1. Zahnzusatzversicherung

Vor allem im Bereich der Zahnmedizin werden viele Maßnahmen zur Zahnbehandlung und Prophylaxe empfohlen, die die gesetzlichen Versicherungen nicht abdecken. Eine Zahnzusatzversicherung bietet umfangreiche Zusatzleistungen im Bereich der Zahnmedizin und er Kieferorthopädie. Der Versicherte hat die Wahl zwischen einer Teil- oder einer Vollübernahme anfallender Kosten.

Auch Zahnimplantate werden von den meisten Zahnzusatzversicherungen übernommen, selbst dann, wenn die Behandlung zahnmedizinisch nicht zwingend erforderlich ist. Die Zahnzusatzversicherung beinhaltet nach Abschluss des Versicherungsvertrages eine Wartefrist von drei Monaten, bis die ersten Leistungen in Anspruch genommen werden können.

  1. Krankenhaus-Zusatzversicherung

Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist niemals angenehm. Eine Krankenhaus-Zusatzversicherung kann die stationäre Behandlung durch Zusatzleistungen aber angenehmer gestalten. Zu den Zusatzleistungen gehören zum Beispiel:

  • Unterbringung im 1- oder 2-Bett-Zimmer
  • Chefarztbehandlung
  • Ambulante Operationen inklusive ambulanter Aufnahme- und Abschlussuntersuchung
  • Unterbringung von Eltern im Krankenhaus, falls das Kind dort stationär behandelt wird
  • Alternative Behandlungsmethoden inklusive Naturheilverfahren
  • Transport- und Verlegungskosten

Die Möglichkeiten im Rahmen einer Krankenhaus-Zusatzversicherung sind umfangreich und können individuell gewählt werden. Das macht diese Versicherung zu einem häufig gewählten Zusatzschutz.

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