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Vorsicht: Die Gefährlichkeit von Medikamenten

Anfang 2000 alarmierte eine Untersuchung die Bevölkerung der USA: Der Studie zufolge sterben bis zu 100.000 Amerikaner pro Jahr an den Nebenwirkungen von Medikamenten. Gibt es Fälle in dieser Größenordnung in Deutschland?

Obwohl es sich um eine Aufgabe des Gesundheitsministeriums handelt, existieren für Deutschland keine genauen Zahlen über Todesfälle durch Medikamentenwirkungen. Doch es lassen sich Hochrechungen anstellen. In der amerikanischen Statistik belegen „unerwünschte Arzneimittelwirkungen“ den fünften Rang in der Todesursachenstatistik. Da die Behandlungsbedingungen und die Medikamente in Deutschland denen in den USA ähneln, ist das Ergebnis übertragbar. Demnach sterben in Deutschland rund 30.000 Menschen pro Jahr an den Nebenwirkungen von Medikamenten.

Viele Todesfälle wegen falscher Medikamente vermeidbar

In der Theorie sind Ärzte dazu verpflichtet, Zwischenfälle mit Medikamenten den Behörden zu melden. Viele Ärzte sind jedoch überarbeitet, sodass ihnen kaum Zeit bleibt, alle Zwischenfälle tatsächlich zu melden. Darüber hinaus befürchten viele Mediziner, dass man ihnen Fehler bei der Medikation nachweisen könnte, und schweigen aus diesem Grund.

Dieser ärztliche Hang zum Schweigen führt dazu, dass über gefährliche Medikamentenwirkungen nur wenig bekannt ist. Eine grobe Schätzung besagt, dass zwei Drittel der Klinikpatienten unter Nebenwirkungen durch ihre Medikamente leiden. Diese potenziell tödlichen Nebenwirkungen wären zu einem wesentlichen Teil vermeidbar, wenn mehr über sie bekannt wäre.

Deutsche Ärzte wissen wenig über Medikamente

Ein weiterer Grund für die hohe Zahl gefährlicher Nebenwirkungen ist die mit rund 50.000 sehr hohe Zahl offiziell zugelassener Medikamente in Deutschland. Darunter befinden sich Stoffe, die als völlig überflüssig gelten, weil man ihre Wirksamkeit nicht nachweisen konnte. Theoretisch gibt es zu allen Medikamenten umfangreiche Informationen, doch diese stammen in den meisten Fällen von den Pharmaherstellern selbst. Es existieren keine übergeordneten Einrichtungen, die Medikamente neutral bewerten und den Arzt neutral informieren. Für die meisten Ärzte ist es kaum möglich, aus den vielen Informationen über die einzelnen Medikamente die entscheidenden Details über Nebenwirkungen herauszufiltern.

Dass sich darüber hinaus in Deutschland verbotene Medikamente per Internet aus dem Ausland beziehen lassen, untergräbt endgültig alle Anstrengungen für mehr Medikamentensicherheit. Selbst für pharmakologisch gut informierte Ärzte wäre es dann fast unmöglich, bei einem Gesundheitsproblem den Bezug zu einem bestimmten Medikament herzustellen.

Was Ihr Arzt Ihnen über Medikamente sagen muss

Kommt Ihr Arzt nicht von selbst darauf zu sprechen, sollten Sie ihn gezielt danach fragen, ob es Alternativen zu der verschriebenen Arznei gibt. Wenn zwei geeignete Medikamente zur Verfügung stehen, die unterschiedliche Zusammensetzungen mit unterschiedlichen Risiken aufweisen, muss Ihnen Ihr Arzt diese Unterschiede erläutern. Dabei muss er alle geeigneten nichtmedikamentösen Therapien ansprechen.

Ihr Arzt muss Sie des Weiteren darüber informieren, wenn er die Medikamenten-Dosierung erhöhen möchte. Selbst wenn der Beipackzettel alle Risiken auflistet, muss Ihr Arzt Sie nach einem Urteil des Landgerichts Bochum aus dem Jahre 1985 (Aktenzeichen 60759) über die Wirkung der Medikamente aufklären.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

Diesen Spruch, der jede Medikamentenwerbung in Deutschland begleitet, sollten Sie sich zu Herzen nehmen. Ihren Arzt oder Apotheker zu fragen, ist der beste Weg, das Risiko unerwünschter Wirkungen zu minimieren. Das gilt besonders, wenn Sie mehrere Medikamente auf einmal einnehmen.

  • Fragen Sie Ihren Arzt bei jedem Medikament nach dem Nutzen für Sie und den Risiken der Medikation. Bestehen Sie auf verständliche Antworten.
  • Informieren Sie Ihren Hausarzt genau darüber, welche Medikamente (auch rezeptfreie und Naturheilmittel) Sie einnehmen.
  • Lassen Sie sich in der Apotheke die Nebenwirkungen Ihrer Arzneimittel erläutern. Bitten Sie bei rezeptfreien Medikamenten um eine entsprechende Beratung.

Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

Beim Arzt oder im Krankenhaus fragt man Sie, welche Medikamente Sie zur Zeit einnehmen. Um unerwünschte Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Pharmaka zu vermeiden, sollten Sie nicht vergessen, die folgenden Medikamente anzugeben:

  • Freiverkäufliche Medikamente – Wenn Sie täglich eine Tablette ASS (z.B. Aspirin®) nehmen, geben Sie dies an. Nennen Sie Ihrem Arzt häufig benutzte freiverkäufliche Mittel wie andere Schmerzmittel, Erkältungs- und Allergiemedikamente, Präparate gegen Sodbrennen sowie Abführmittel.
  • Vitamine und Mineralien – Wenn Sie ein Multivitaminpräparat einnehmen, vergessen Sie nicht, es zu nennen. Das gleiche gilt für Vitaminpräparate wie Vitamin C oder E. Denken Sie an Mineralstoffpräparate wie Kalzium oder Magnesium.
  • „Natur“-Mittel – Nehmen Sie Knoblauchpillen ein? Johanniskraut- oder Echinacea-Präparate? Scheuen Sie sich nicht, diese pflanzlichen Präparate aufzuführen. Ohne diese Informationen kann Ihr Arzt Sie nicht auf mögliche Wechselwirkungen aufmerksam machen.
  • Alle verschriebenen Medikamente – Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihr Arzt von allen Medikamenten weiß, die Sie einnehmen. Häufig vergisst man die täglich eingenommenen Medikamente. Dazu zählen zum Beispiel die Antibabypille, Diuretika („Wassertabletten“) oder Augentropfen.

Stellen Sie sicher, dass Sie die Dosis benennen, zum Beispiel „40 mg zweimal täglich“. Eine andere Möglichkeit ist, Ihre gesamten Medikamente zum Arzttermin mitzubringen.

Medikamente online zu bestellen ist gefährlich

Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) warnt davor, sich über das Internet Medikamente zu besorgen. Diese Art von Versandhandel entwickelt sich unter Umständen zum Roulette. Medikamente, die nach dem deutschen Arzneimittelgesetz einer ärztlichen Verordnung bedürfen, sind über das Internet ohne weiteres gegen Vorkasse per Kreditkarte zu bekommen. Die Palette reicht von wirkungslosen Präparaten bis zu starken, bei ärztlich nicht kontrolliertem Gebrauch eventuell lebensgefährlichen Mitteln. Des Weiteren sind in Deutschland nicht zugelassene Präparate erhältlich. Dazu gehört unter anderem das als Wunderdroge gepriesene Melatonin, dessen Nebenwirkungen man verschweigt oder verharmlost.

Bislang ist die Publikumswerbung über Bildschirm für verschreibungspflichtige Präparate untersagt. Ddieses Verbot stellt die neue „e-commerce-Richtlinie“ im Fernabsatzgesetz der EU in Frage. Eine Arbeitsgruppe speziell für Probleme des Internet-Versandes von Arzneimitteln wurde noch nicht gebildet. Es fehlt jegliche Kontrolle auf internationaler Ebene – auch über die „virtuellen Ärzte“, die in „Cyber-Apotheken“ aufgrund eines ausgefüllten Fragebogens Medikamente „verschreiben“ und dafür bis zu 65 US-Dollar berechnen.

Hände weg!

Des Weiteren überschritten die bestellten Medikamente eventuell das Verfalldatum, der Beipackzettel ist unter Umständen unleserlich oder unvollständig und der Packungsinhalt entspricht dem aufgedruckten Wirkstoffgehalt nicht. Eine Reklamation verläuft meistens ohne Erfolg. Zwar ist ein solches Geschäftsgebaren in Deutschland strafbar, aber international gibt es keine Möglichkeiten, dass Sie zu Ihrem Recht kommen. Deshalb: Am besten Hände weg vom Medikamenten-Versandhandel im Internet!

So bemerken Sie einen Arzneimittelausschlag

Ein Arzneimittelausschlag kann sich auf unterschiedliche Weise äußern. Quaddeln, Pusteln, Bläschen, Rötungen: All das kann auf eine Unverträglichkeit von bestimmten Medikamenten-Inhaltsstoffen hinweisen.

Typisch aber ist, wie die Veränderung auftritt. Sie bildet sich ganz plötzlich auf der bisher völlig normal aussehenden, gesunden Haut und tritt in der Regel auf beiden Körperseiten gleichzeitig auf, in gleicher Stärke und Form. Zudem sieht die Haut nach Abklingen des Ausschlags wieder völlig normal aus. Es bleiben keine Narben oder rauen Stellen zurück.

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