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Beipackzettel: Das richtige Verständnis medizinischer Informationen

Jeder zweite Deutsche verzichtete schon einmal entnervt auf ein Medikament, nachdem er zu Hause einen Blick in den Beipackzettel warf. Vielleicht ließen auch Sie sich schon von ellenlangen Listen mit Nebenwirkungen oder Warnhinweisen verunsichern. Selbstverständlich ist es richtig, Medikamente kritisch anzuwenden. Aber wenn Ihnen Ihr Arzt (sofern er gewissenhaft arbeitet) einen Wirkstoff verordnet, hat das in der Regel einen triftigen Grund. Lassen Sie sich von dem Medizinerlatein im Beipackzettel nicht abschrecken.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Neben- und Wechselwirkungen
  2. Generika: Preisgünstige Nachahmerprodukte
  3. Mindesthaltbarkeitsdatum: Alles halb so wild?

Beipackzettel© VRD – Fotolia

Neben- und Wechselwirkungen

Der Beipackzettel eines Medikaments ist oft deshalb so unverständlich, weil er sich nicht nur an Sie als Patienten und medizinischen Laien richtet, sondern gleichzeitig auch an Ärzte und Apotheker. Darüber hinaus sind gewisse Inhalte und Begriffe gesetzlich vorgeschrieben. Weiter unten auf der Packungsbeilage taucht der Begriff „Gegenanzeigen“ (Kontraindikationen) auf. Damit sind Zustände (z. B. Schwangerschaft) oder Krankheiten gemeint, bei denen Sie das Mittel nicht anwenden dürfen. In diesem Zusammenhang ist oft von „absoluten“ und „relativen“ Kontraindikationen die Rede. „Absolut“ bedeutet, dass das Mittel unter keinen Umständen anwendbar ist. „Relativ“ bedeutet, dass Ihr sich Arzt unter Abwägung aller Vor- und Nachteile über die Gegenanzeige hinwegsetzen darf, etwa wenn es gegen eine lebensbedrohliche Krankheit kein anderes Mittel gibt.

Bei einigen Medikamenten wird zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen geraten. So kann es sinnvoll sein, dass Ihr Arzt bei einer längeren Anwendung Ihre Leber- und Nierenwerte kontrolliert. Fast jeder fünfte Mensch im Alter über 65 Jahre ist täglich auf bis zu vier verschiedene Medikamente angewiesen. Gerade für diese Personen ist es wichtig, die Hinweise zu den Wechselwirkungen zu beachten. Denn durch eine falsche Kombination von Arzneimitteln kommt es vereinzelt immer wieder zu Todesfällen. Allerdings sind die meisten Wechselwirkungen weniger dramatisch.

Generika: Preisgünstige Nachahmerprodukte

Bei der Auswahl eines Arzneimittels können Sie getrost zu preisgünstigen Nachahmerpräparaten (Generika) greifen. Diese Präparate kosten oft weniger als die Hälfte der Originalpräparate, enthalten aber exakt die gleichen Wirkstoffe. Generika kommen auf den Markt, wenn der Patentschutz des Originalpräparates abgelaufen ist. Mittlerweile kaufte oder gründete fast jedes größere Pharma-Unternehmen eigene Generikafirmen. So gehören zum Beispiel 1A-Pharma und Hexal zu Novartis oder Heumann-Generika zu Pfizer. In diesen Fällen kommen „Original“ und Generikum aus derselben Tablettenmaschine. Es besteht absolut kein Unterschied, bis auf den Preis und die Verpackung.

In manchen Fällen sind die Generika besser verträglich als die Originale. Die Originale werden zum Teil nach veralteten Rezepturen produziert und enthalten im Gegensatz zu den jüngeren Generika Hilfsstoffe, die unter Umständen zu Unverträglichkeiten führen.

Mindesthaltbarkeitsdatum: Alles halb so wild?

Was bedeutet eigentlich die Aufschrift „verwendbar bis“? Wie schlimm mag es sein, Medikamente nach diesem Mindesthaltbarkeitsdatum einzunehmen? Wenn sie bis dahin „verwendbar“ sind, sind sie danach ineffektiv? Oder schaden sie sogar?  In Amerika erließ die Medikamenten-Behörde 1979 Richtlinien für das Mindesthaltbarkeitsdatum aller verschreibungspflichtigen und freiverkäuflichen Medikamente. Aber der behördliche Auftrag an die Pharmaunternehmen war nicht, herauszufinden, wie lange ein Medikament leistungsfähig und sicher ist. Vielmehr mussten die Firmen ein frei wählbares Datum setzen und dann Tests durchführen, um zu garantieren, dass das Medikament bis zu diesem Datum sicher und leistungsfähig ist.

Wenn nun eine Firma ein Mindesthaltbarkeitsdatum für ein Medikament wählt, zum Beispiel 18 Monate, dann stellt man das Medikament nicht in ein Regal und wartet eineinhalb Jahre und probiert dann aus, was das Medikament noch kann. Stattdessen wird es extremer Feuchte, Hitze und Licht ausgesetzt, den drei Feinden der Medikamente. Danach werden chemische Analysen durchgeführt, um herauszufinden, ob das Medikament seine Aufgabe noch erfüllt. Seit der Einführung waren sich Medikamentenbehörde und Pharmaunternehmen darüber einig, dass diese Tests strikt genug sind, sodass die meisten Medikamente auch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch wirksam sind. Diese Tatsache wurde zwar nicht geheim gehalten, aber auch nicht überall herumerzählt.

Die meisten Medikamente sind viel länger verwendbar

Aber Mitte der 80er Jahre begann der größte Medikamentenkäufer, Fragen zu stellen. Der größte Medikamentenkäufer in Amerika ist das Militär. Und da das Militär riesige Vorräte an Medikamenten hat, sind dort Haltbarkeitsdaten ein wichtiges und auch teures Thema. Stellen Sie sich vor, dass jedes Medikament, das das Militär besitzt, einen Tag nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums aussortiert würde, da würden Millionen Dollar in den Abfluss geschüttet.

1985 waren die Arzneimittelvorräte des Militärs 1 Milliarde US-Dollar wert. Die Chemiker der Medikamentenbehörde wurden beauftragt, herauszufinden, welche Arzneimittel nach Ablauf noch weiterverwendet werden können. Das Ergebnis: Von den über 100 getesteten Mitteln waren noch 90 Prozent leistungsfähig und sicher, in manchen Fällen noch Jahre nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Als Ergebnis dieser Untersuchungen gab das Militär Mitte der 90er fast 4 Millionen Dollar aus, um Medikamente auf ihre Haltbarkeit zu testen und sparte dadurch über 260 Millionen Dollar, weil festgestellt wurde, dass viele Medikamente noch lange nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum brauchbar sind. Aber nicht alle Medikamente sind so langlebig. Nitroglycrin, Insulin und einige flüssige Antibiotika müssen vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum verbraucht oder weggeworfen werden.

Lagerung: Am besten kalt, trocken und dunkel

Tatsächlich hat die Firma Bayer vier Jahre altes Aspirin getestet und es war immer noch so wirksam wie am ersten Tag. Die große Frage dagegen lautet: Was geschieht mit dem Aspirin und den anderen Medikamenten in Ihrem Arzneischrank? Wie bereits erwähnt, sind die Schuldigen an der Medikamentenalterung Hitze, Feuchtigkeit und direktes Licht. Ironischerweise ist daher das Arzneischränkchen im Bad, das jeden Tag durch die Feuchtigkeit beim Duschen „bedampft“ wird, nicht der beste Platz. Aber ein Eisschrank ist perfekt: kalt, trocken und dunkel.

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