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Was droht Ihnen bei Nichteinhaltung eines Arzttermins?

Vor Wochen haben Sie einen Arzttermin ausgemacht. Dann kommt der Tag X: Die Beschwerden sind auf einmal ganz gering oder sogar verschwunden, und Sie haben einfach keine Lust zu gehen oder wichtige andere Dinge zu erledigen. Statt abzusagen, wird der Termin aus dem Kopf verdrängt, selbst die telefonische Absage ist dann noch unangenehm. Erwachsen aus solch einem Verhalten Konsequenzen? Kann der Arzt dann vielleicht sogar eine Rechnung schreiben? Was haben Sie als Patient als Ihre Pflicht zu beachten? Hier erfahren Sie alles rund um das Thema „Nichteinhaltung eines Arzttermins“.

Mit der Abmachung eines Termins beginnt der Behandlungsvertrag zwischen Ihnen und Ihrem behandelnden Arzt. Daraus resultiert für den Arzt die Pflicht, Sie als Patienten anzunehmen“, Ihnen einen Termin zu gewähren und Sie nach allen Regeln der ärztlichen Kunst zu behandeln. Als Patient haben Sie die Pflicht, den Termin wahrzunehmen oder frühzeitig abzusagen. Achtung: Auch ein Vergessen des Termins Ihrerseits stellt eine schuldhafte Vertragsverletzung dar.

Nichteinhaltung eines Arzttermins: Wann sind Sie schadenersatzpflichtig?

Eine Schadenersatzpflicht besteht bei Nichteinhaltung eines Arzttermins allerdings nicht immer. Können Sie triftige Gründe für Ihr Fernbleiben angeben und diese auch nachweisen (z. B. ein krankes Kind, einen Autounfall auf dem Weg o. Ä.), ist eine Haftung durch Sie als Patienten ausgeschlossen.

Auch dann, wenn dem Arzt kein wirklicher Schaden entsteht, kann er Sie nicht belangen.Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie nur einen kurzen Termin für eine Spritze hatten. Hier wird dem Arzt zugemutet, die entstandene Leerlaufzeit durch Verwaltungsarbeiten oder die Untersuchung anderer Patienten zu überbrücken. Anders sieht es aus, wenn Sie einenTermin für eine kleine ambulante Operation vereinbart hatten. Kurzfristig andere Patienten einzuschieben, wird dem Arzt nicht möglich sein, er hatte eine längere Zeit für Sie eingeplant und den ganzen Praxisablauf entsprechend organisiert.

Besteht Schadenersatzpflicht, wenn Sie einen vereinbarten Impftermin vergessen?

Nein! Das ist ein kurzer Termin, lediglich die Zeit für die Injektion einer Spritze war eingeplant. In der Regel sind genügend weitere Patienten im Wartezimmer. Der Arzt kann also die ausgefallene Behandlungszeit aufgrund Ihres Fernbleibens nutzen und andere Patienten versorgen. Er kann also keinerlei Forderungen gegen Sie geltend machen.

Sie „versäumen“ aus Angst einen Termin für eine aufwändige Darmspiegelung. Sind Sie haftbar?

Ja! Der Facharzt hatte längere Zeit für Sie eingeplant, den Praxisablauf und die weitereTerminvergabe entsprechend organisiert. Alles war vorbereitet für eine Darmspiegelung mit Probenentnahme. Ihre Angst ist kein triftigerGrund, einer solchen Untersuchung fernzubleiben. Die entstandene Leerlauf“-Zeit kann der Arzt nicht so ohne Weiteres mit anderen Patienten oder Büroarbeiten kompensieren. Deshalb kann er Ihnen eine Rechnung schreiben.

Nichteinhaltung eines Arzttermins: Was kann der Arzt Ihnen in Rechnung stellen?

Sind Sie einem Termin ferngeblieben, für den der Arzt eine erhebliche Zeit ansetzt hatte, so kann er Ihnen allerdings nicht das zu erwartende ärztliche Honorar in Rechnung stellen. Sie müssen Schadenersatz für eine „hypothetische Praxisstunde“ in Bezug auf die veranschlagte Zeit leisten. Dies können allerdings auch schnell einige hundert Euro sein. Eine „hypothetische Praxisstunde“ ist die geschätzte Annahme des Wertes einer Stunde in einem speziellen ärztlichen Betrieb (Internist, Zahnarzt, Chirurg). Hierzu gibt es festgelegte Richtwerte.

So erfüllen Sie Ihre Pflicht: Sagen Sie den Termin ab!

Haben Sie einen Arzttermin vereinbart, egal ob für eine Blutabnahme, ein Gespräch, einen Untersuchungstermin oder eine kleine Operation, sagen Sie diesenTermin einfach ab, wenn Sie Ihre persönlichen Gründe dafür haben! Diese Gründe brauchen Sie niemandem zu erläutern. Allein aus moralischer Pflicht, um den Praxisablauf nicht durcheinanderzubringen, sollten Sie zum Telefonhörer greifen.

Achtung! Auch bei kurzfristiger Absage kann Ihr Arzt keinen Schadenersatz fordern. Er muss vielmehr nachweisen, dass er die frei gewordene Zeit nicht mit der Behandlung eines anderen Patienten sinnvoll belegen konnte. Das gilt auch dann, wenn eine Vereinbarung getroffen wurde, dass Terminabsagen bis zu 24 Stunden vorher erfolgen müssen (nach einem Urteil des Oberlandesgerichtes Stuttgart). Wenn Sie einen vereinbarten Termin nicht wahrnehmen, kann der Arzt Ihnen unter bestimmten Bedingungen eine Rechnung schreiben.

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